Kolbermoor – Ob beim Testen von Beauty-Produkten, bei der Bewältigung des stressigen Alltags mit Baby oder beim Kochen gesunder Rezepte – mittlerweile gibt es für jede Lebenslage Influencer, deren Fotos und Videos tausende Menschen in den sozialen Medien verfolgen. Bekannte Influencer in der Region, etwa Sophia Thiel oder Streichbruder, können durch Kooperationen, Sponsoring oder eigene Produkte Gewinne einfahren. Doch nicht jeder sogenannte „Content Creator“ kann von seiner Social-Media-Tätigkeit auch leben. Und wiederum anderen geht es bei ihrer Arbeit überhaupt nicht um Gewinn. So wie Julia Laube aus Kolbermoor, die ihren Instagram-Kanal nutzt, um über ihr persönliches Schicksal zu berichten und anderen zu helfen.
Echter Schockmoment
durch die Diagnose
2023 erhielt die heute 32-Jährige die Diagnose Brustkrebs (wir berichteten), was für sie und ihr Umfeld einem echten „Schockmoment“ gleichkam. Die Zollbeamtin gehört zu den Frauen, bei denen Mutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen nachgewiesen wurden. Heißt: Sie haben ein stark erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken, wie es in einer Veröffentlichung der Universitätsklinik Charité in Berlin dazu heißt.
Nach monatelanger Chemotherapie begann die Vorbereitung auf die Operation, bei der ihr beide Brüste entfernt wurden. Laube spricht gegenüber dem OVB offen über die „beidseitige Mastektomie“, ein Eingriff, bei dem die Mediziner das gesamte Brustdrüsengewebe einschließlich des Tumors entfernen. Die anschließende Laboruntersuchung des Gewebes ergab vor einigen Monaten dann die überwältigende Nachricht: „Ich bin krebsfrei, das ist richtig toll und ich musste in dem Moment gleich weinen“, erklärte die Kolbermoorerin im Herbst 2024.
Erfahrungen, die sie nicht nur im persönlichen Gespräch preisgibt. Denn anders als viele betroffene Frauen, für die Brustkrebs als Tabuthema gilt, ging Julia Laube mit ihrer Erkrankung an die Öffentlichkeit. Seit Beginn ihrer Krebserkrankung gibt sie über ihren Instagram-Account „Brustkrebs.und.ich“ tiefe Einblicke. „Ich finde, das Thema ist so wichtig, dass man dem irgendwie viel mehr Transparenz geben sollte oder viel offener darüber sprechen sollte.“ Zudem könne sie auch Menschen erreichen, die mit dem Thema Brustkrebs bisher noch keine Erfahrungen gemacht haben.
„Die Arbeit mit meinem Social-Media-Account erfüllt mich schon sehr“, sagt sie und erklärt, dass sie ihre Follower einfach mitnehmen will. So habe sie dadurch viel Kontakt mit anderen Betroffenen, bekomme andere Schicksalsschläge mit und erfahre einfach auch viel Empathie. Um Geld ist es ihr dabei noch nie gegangen. „Das geht mit meinen 2280 Followern auch gar nicht, dafür habe ich nicht genug Reichweite. Aber das war auch nie meine Intention“, sagt die 32-Jährige.
Aufklärung ist
ihr enorm wichtig
Vielmehr haben sie das gefährliche Halbwissen und viele falsche Informationen zu dem Thema, die im Internet kursieren, gestört und gleichzeitig animiert, Aufklärungsarbeit zu leisten. „Aber ich stecke schon sehr viel Zeit und Arbeit hinein, einfach weil mir das auch sehr wichtig ist.“ Nicht zuletzt deshalb, wenn auch in kleinen Schritten, wachse ihr Kanal stetig.
Doch viel wichtiger als die steigende Follower-Zahl ist die Gesundheit der Kolbermoorerin. Bei der Operation im Vorjahr wurde Laube ein vorübergehendes Implantat, ein sogenannter Expander, eingesetzt. Das Gewebe wurde damit nach und nach „schonend gedehnt“, um den Körper letztlich auf ein festes Implantat vorzubereiten. „Diese zweite OP hatte ich jetzt Ende Februar“, erzählt Laube dem OVB. Dabei habe sie jetzt das finale Implantat eingesetzt bekommen, womit sie sich nun auch erst einmal zurechtfinden muss.
„Mit alldem mental klarzukommen, ist schwieriger als gedacht“, zeigt sich Laube ehrlich. Das, was sie in den vergangenen anderthalb Jahren erlebt hat, müsse sie nun erst so richtig verarbeiten. „Eigentlich herrscht ja irgendwie die Auffassung, dass ich jetzt wieder gesund bin. Aber die seelische Heilung beginnt erst jetzt.“ Deshalb sei auch an Normalität und etwa einen beruflichen Alltag wie einst derzeit noch nicht zu denken. „Ich müsste jetzt sonst 41 Stunden arbeiten und ich kenne Menschen in ähnlichen Situationen, die das schon wieder machen“, sagt Laube und ergänzt: „Die sind meist total überfordert.“
Jetzt steht erst
einmal eine Kur an
Für Laube steht nun eine Kur an. „Ich muss mich insgesamt einfach weiterhin noch auskurieren“, stellt sie klar. Reichlich Energie in ihren Instagram-Kanal will sie aber weiterhin stecken. Dort inspiriert sie tausende Menschen, die die Kolbermoorerin für ihren Mut bewundern. „Und ich selbst erfahre dort auch ganz viel Feedback und Zuspruch.“