Sie lässt Blumen sprechen

von Redaktion

Gerade einmal ein paar Monate in der Ausbildung zur Floristin, hat sich die Kolbermoorerin Emilia Weiss (18) bei einem Azubi-Wettbewerb den ersten Platz gesichert. Wieso die 18-Jährige, die ein wenig anders ist, als viele Gleichaltrige, in der Lehre so richtig aufblüht.

Kolbermoor – Eigentlich hatte Emilia Weiss (18), die im September 2024 ihre Ausbildung zur Floristin im Blumengeschäft Elsperger-Weiss an der Sigmund-Fischer-Straße in Kolbermoor begonnen hatte, einen Platz auf dem Treppchen bereits abgeschrieben. Gerade eben hatte die Jury des Heinz-Czeiler-Cups, ein Wettbewerb für Floristen-Azubis im Rahmen der Messe „Garten München“, die Drittplatzierte des Wettbewerbs verkündet. Einen Platz, den sie sich im Wettbewerb mit Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr, als Höchstes der Gefühle ausgerechnet hatte.

Doch die 18-Jährige sollte nicht nur das Werkstück mit der besten Bewertung des Wettbewerbs präsentieren, sondern auch alle Konkurrenten ausstechen und sich am Ende mit Platz 1 den begehrten Pokal sichern. „Das war richtig schön“, sagt die 18-Jährige, deren gesamte Familie stolz auf die junge Frau ist. „Ihr Gesicht, als ihr Name beim ersten Platz verkündet worden ist, war sensationell“, erinnert sich Emilias Tante Marion Schmid, Chefin des Kolbermoorer Blumengeschäfts, für die es bereits eine hervorragende Leistung gewesen wäre, „wenn sie im Mittelfeld mitgeschwommen wäre“.

Glückwünsche quasi
im Minutentakt

Jetzt, einige Zeit nach dem erfolgreichen Wettbewerb, ist die 18-Jährige wieder zum Tagesgeschäft – sprich Lernen in der Berufsschule in Traunstein und Arbeiten im Blumengeschäft – übergegangen. Doch der große Erfolg ist immer noch präsent. Im Verkaufsraum können die Wettbewerbsstücke bewundert werden, darunter ein mit verschiedenen Blumen gefülltes Blumengefäß auf Beinen aus großen Ästen, das die junge Kolbermoorerin komplett selbst gefertigt hat und das bereits an eine spirituelle Praxis aus der Region verkauft worden ist.

Zudem hat sich der erste Platz beim Wettbewerb schnell herumgesprochen, sodass fast im Minutentakt Glückwünsche per Whatsapp eintrudeln oder Kunden der jungen Frau persönlich gratulieren.

Doch was ist es, was Emilia Weiss nach nur wenigen Monaten in der Ausbildung als Floristin so aufblühen lässt? „Es liegt ihr natürlich irgendwie im Blut“, sagt Chefin Marion Schmid, die das Geschäft einst von ihrer Mama, die auch heute noch im Laden steht, übernommen hat. Doch zum Gespür für die geeignete Zusammenstellung verschiedenster Blumen, Gräser und Co. kommt auch das Engagement, das die 18-Jährige an den Tag legt: „Sie kann richtig anpacken und hat einfach auch den Willen dazu“, sagt die sichtbar und hörbar stolze Tante.

Ein Vorteil für die junge Kolbermoorerin ist sicherlich, dass sie hier im Familienunternehmen ausgebildet wird. „Normalerweise bin ich der Meinung, dass eine Ausbildung niemals im eigenen Unternehmen gemacht werden sollte“, sagt die 45-jährige Chefin. „Doch für Emilia ist das genau das Richtige, nachdem wir wissen, wie wir mit ihr umzugehen haben.“ Denn Emilia ist nicht nur eine fleißige Auszubildende mit einem Gespür für Pflanzen, sondern auch etwas anders als die meisten Gleichaltrigen.

Als Kind kaum ein
Wort gesprochen

„Bis zum zehnten Lebensjahr hat sie, bis auf ein paar einzelne Worte, so gut wie nicht gesprochen“, erzählt Marion Schmid von den Entwicklungsverzögerungen, die das Leben der heute 18-Jährigen nicht immer leicht gemacht haben. Auch dass sie letztlich den Weg der Floristin einschlagen werde, stand erst kurz vor dem Start des Ausbildungsjahres fest.

Zunächst hatte Emilia Weiss nach ihrer Schulzeit an der Rupert-Egenberger-Schule in Bad Aibling ein Praktikum in einem Malerbetrieb gemacht. Dieser hätte die 18-Jährige auch gerne als Lehrling übernommen. Doch so gut hatte ihr dieser Beruf dann doch nicht gefallen. Ein Praktikum als Metzgerin scheiterte dagegen an einer schweren Handverletzung, die sich die begeisterte Pferdeliebhaberin bei einem heftigen Reitunfall zugezogen hatte.

Ein Beruf, der viel
Abwechslung bietet

„Als sich Emilia dann überlegt hatte, doch Floristin zu werden, war ich natürlich überglücklich“, verrät Marin Schmid. Und auch die 18-Jährige scheint mit dieser Wahl absolut zufrieden zu sein. „Ich finde es toll, dass dieser Beruf so abwechslungsreich ist“, sagt die 18-Jährige, die gleich mehrere Lieblingsblumen – unter anderem Rosen – hat. Auch der Besuch der Berufsschule in Traunstein – im zweiten und dritten Lehrjahr muss sie nach München in die Schule fahren – mache ihr Spaß. Wenn auch nicht jedes Fach gleichermaßen. „Botanik ist nicht so toll“, sagt die 18-Jährige und lacht. Denn da müsse sie die botanischen Namen der Pflanzen lernen, was ihr nicht so leicht falle.

Ganz in ihrem Element ist die 18-Jährige, die sich liebevoll um ihre zwei Pferde Jack und Leni kümmert und gerne Bücher liest, aber, wenn es um Blumengestecke geht. Wie jetzt eben beim Heinz-Czeiler-Cup in München, wo die jungen Teilnehmer drei Aufgaben zum Thema „Frühling der Gefühle“ lösen mussten. So musste die 18-Jährige unter anderem ein großes Blumenherz stecken, was Tante Marion Schmid mit ihr üben wollte. „Ich habe dann das Herz einmal zur Hälfte mit ihr gesteckt und ihr erklärt, worauf es ankommt“, erinnert sich die 45-Jährige. Als ich ihr dann angeboten habe, es noch mal zu machen, hat sie nur gesagt: „Nein, das brauchst Du nicht. Ich weiß schon, wie Du das haben willst.“

Den Beweis dafür lieferte die 18-Jährige dann beim Wettbewerb in München, wo sie während der Aufgaben ganz auf sich alleine gestellt war und die Arbeit hoch konzentriert absolvierte. Dass der Pokal nun einen Ehrenplatz bei der jungen Kolbermoorerin bekommen wird, steht außer Frage. Doch wie sieht die Zukunft für die angehende Floristin aus? „Kommt Zeit, kommt Rat“, findet Tante und Chefin Marion Schmid. Wobei sich die 45-Jährige durchaus vorstellen kann, dass Emilia Weiss irgendwann das Geschäft übernehmen wird.

So will Schmid ihre Nichte nach und nach auch an die Kundenschaft und die Kundengespräche heranführen. Eine Sache, die sie aber behutsam angehen will, denn „im Umgang mit den Kunden muss man schon sattelfest sein“. Dass Emilia Weiss aber auch das meistern wird, steht für die 45-Jährige bereits jetzt fest. „Sie hat, gerade in der Kommunikation mit Menschen, schon so große Fortschritte gemacht“, weiß die 45-Jährige, die derzeit einfach den Moment mit ihrer im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichneten Nichte genießt. Schmid: „Für mich ist es jetzt einfach ein tolles Gefühl, zu wissen, dass es hier weitergeht.“

Ideen für eine erfolgreiche Zukunft

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