Kolbermoor – Die Erfolgsgeschichte von Institutionen bemisst sich nach der Beständigkeit, einer steten Willenskraft der Gemeinschaften und ihrer ungebrochenen Freude, die Öffentlichkeit daran teilhaben zu lassen. 55 Jahre gibt es in Kolbermoor ein gutes Beispiel dafür: das „Frühjahrssingen“, das an Zuspruch und großer Beliebtheit bis heute nichts eingebüßt hat.
Ein wahrer Schatz wird hier gehütet
Peter Maier, Leiter der „Eabachmusi“ und des „Kolbermoorer Mannagsangs“, hat mit Tatkraft und Leidenschaft, unterstützt durch seine Frau Irmi, all diese Jahrzehnte diesen Schatz geführt und dabei besonders durch seine Kontakte in die Volksmusikszene des südbayerischen und tirolerischen Raums viele Gesangs- und Musikgruppen nach Kolbermoor eingeladen und einem stets begeisterten Publikum präsentiert.
Heuer eröffnete die „Mitteroimmusi“ mit einem reschen Galopp die Veranstaltung und prägte das Singen und Musizieren mit schneidigen Märschen und einer Tanzbodenmusik, die, besetzt mit starkem Blech, Diatonischer, Harfe und Bass, so manche Beine im Saal unruhig werden ließ. Nicht umsonst ist ihr Terminkalender voll und Thomas Weinzierl versteht es auch, durch geschickte Notensetzung und eigene Stücke der Musik etwas Alltägliches zu nehmen.
Begeisterungsstürme entfachte auch das „Sunnaschein-Harfenduo“ aus dem Oberland. Die zwei jungen Künstlerinnen wissen brillant mit ihren Instrumenten umzugehen, was auch schon mit dem „Traunsteiner Lindl“ nur zu gerne bedacht wurde. Raffinierte Notengänge mit vollendetem Griff waren da zu hören und ließen keine Wünsche offen. Angereist aus dem Berchtesgadener Land hinterließen die drei Sängerinnen und ein „Landrat“ eine wundervolle und nicht zu „gache“ Stimmung, als sie mit „Is da Winta lang“ „A Gams in da Wand“ oder „Heit is der Tog, wo mi gfreit“ gut aufgelegt vom Oimalebn und der Jagarei sangen. Eine dezent geführte Harfe sorgte für eine besondere Harmonie im Vortrag.
Die exzellente instrumentale Begleitung seiner Lieder durch die „Eabachmusi“ freute den „Kolbermoorer Mannagsang“ aufrichtig. Belebt und gefestigt mit dünn gesäten und begehrten Neuzugängen merkte man der über viele Jahre schon sehr zusammengeschweißten Gruppe die Freude am Singen so richtig an. Leiter Peter Maier sorgt mit unerbittlich geführten Übungsstunden für die gute Qualität und so durften sich die vielen aufmerksamen Kenner der Szene über „Zwoa schwarzbraune Rappal“ und „Bin ollaweil lustig“ freuen.
Auch der Chor der Stadtsingschule greift gerne auf diese Begleitmusik zurück, den energischen Takt für den Liedvortrag aber gibt Chorleiterin Heide Hauser schon selbst vor. Selbst so bekannte Lieder wie „Kriagst a Nagei gschenkt“, „Wo san denn de lustign Tanza“ oder das getragene Schlusslied „A ganze Weil“ werden mit erfrischender Sorgfalt gesungen und deutlichem Vortrag erzählt. Ein Gewinn für den unterhaltsamen Abend war auch die Chiemgauerin Regina Schlemer, die als begeisterte Naturkundlerin mit leisem und nie verletzendem Wortwitz botanische Weisheiten, jagerisches „Lügenkarussell“ und Geschichtn über d’Liab gleich den Frühlingsblumen in den Saal streute. Die „Eabachmusi“ steht ebenso unter der „Fuchtel“ des Vollblutmusikers Peter Maier. Sie musizierte mit traumhafter Sicherheit und Konzentration. Ausgestattet mit Zither, Gitarre, Bass und Harmonika genossen die Zuhörer ihre Walzer und Landler. Oft schrieb Maier mit kompositorischer Feinarbeit in so manches Notenblatt hinein und plötzlich fand sich der Zuhörer in einem Grinzinger „Weinbeisl“ mit Schrammelmusik wieder.
Schmuckstück
der besonderen Art
Riesiger Beifall ergoss sich am Ende über die Volksmusikanten und es darf festgestellt werden: „Die Stadt Kolbermoor beherbergt einen Schatz, der nicht in der Gemeindekasse liegt, sondern sich in den Herzen ihrer vielen Gemeinschaften befindet und so selbst über Landkreisgrenzen hinaus zum Ansehen der Stadt beiträgt.“ Die Stadtsingschule Kolbermoor darf da als besonderes Schmuckstück wahrgenommen werden, darin waren sich alle einig.