Kolbermoor/Duisburg – Der Prozess gegen einen 35-jährigen Mann aus den Niederlanden, der im Sommer 2023 gemeinsam mit einem bislang unbekannten Komplizen in ein Juwelier-Geschäft in Kolbermoor eingebrochen sein soll, geht erneut in die Verlängerung. Eigentlich sollten bei Verhandlungstermin am vergangenen Mittwoch vor dem Landgericht Duisburg die Plädoyers gehalten und anschließend das Urteil gefällt werden.
Nachdem sich die Beweisaufnahme und die Zeugenaussagen aber länger hingezogen hatten, als zunächst erwartet, will das Gericht nun am Dienstag, 29. April, das Urteil sprechen.
In dem seit Mitte Februar laufenden Prozess wird dem 35-Jährigen vorgeworfen, sich gemeinsam mit einem unbekannten Komplizen am Dienstag, 27. Juni 2023, in den frühen Morgenstunden mithilfe eines Vorschlaghammers Zutritt zum Juwelier-Geschäft an der Rosenheimer Straße in Kolbermoor verschafft zu haben. Dort entwendeten sie nach Angaben der Ermittlungsbehörden dann rund 300 Schmuckstücke im Gesamtwert von circa 250000 Euro und machten sich anschließend auf einem Motorroller, den sie später im Mangfall-Kanal bei Rosenheim versenkten, aus dem Staub. Sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen nach den Einbrechern blieben erfolglos.
Durch eine DNA-Spur durch eine blutende Verletzung, die sich der Niederländer bei dem Einbruchscoup zugezogen hatte, konnten die Ermittler schließlich Verbindungen zu weiteren Taten in Nordrhein-Westfalen herstellen, für die sich der Angeklagte ebenfalls im Rahmen des Prozesses verantworten muss. Gemeinsam mit Komplizen soll der 35-Jährige nämlich auch für drei Sprengungen von Geldautomaten im Jahr 2020 in Krefeld, Mülheim an der Ruhr und Moers verantwortlich sein. Den Beuteschaden schätzten die Ermittler bei diesen drei Taten auf insgesamt fast 200000 Euro, den Sachschaden auf ebenfalls circa 200000 Euro.
Die Taten hatte der Mann mittlerweile vor Gericht eingestanden, zu den Komplizen schwieg er sich allerdings aus. Dafür ließ der Angeklagte laut Westdeutscher Allgemeiner Zeitung (WAZ) durch seinen Verteidiger vor Gericht schildern, wie akribisch die Vorbereitungen für die Sprengung eines Geldautomaten ablaufen. Profis würden nämlich zwei Sprengladungen verwenden: Eine öffnet den Automaten, die zweite den so freigelegten Tresor.
Ist alles entsprechend genau berechnet, lösen sich auch nicht sämtliche Scheine in Rauch auf.
Auch zum Motiv, das ihn zu den Taten getrieben hatte, nahm der Niederländer Stellung: Nach eigenen Angaben hatte er monatlich bis zu 30000 Euro an Spielautomaten verloren. Seinen wachsenden Schuldenberg versuchte er abzubauen, indem er sich nach eigenen Aussagen Geld bei den „falschen Leuten“ lieh. Um diese wiederum auszahlen zu können, beteiligte er sich an den Automatensprengungen sowie am Einbruch beim Kolbermoorer Juwelier. Von dieser Beute hatte er nach eigenen Angaben aber letztlich nur gut 6000 Euro gesehen.