Feuerwehrdienst künftig auch bis 67

von Redaktion

Interview mit Armin Hörl und Daniel Schrank über die neue Altersgrenze

Kolbermoor – Bei drohendem Hochwasser, nach einem schweren Autounfall oder im Brandfall – die Mitglieder der Feuerwehren in der Region werden immer dann gerufen, wenn es im wahrsten Sinne des Wortes für Leib und Leben brenzlig wird. Die Aufgaben, die die jeweiligen Feuerwehren und deren Träger – in der Regel die jeweilige Kommune – zu übernehmen haben, sind dabei im Bayerischen Feuerwehrgesetz geregelt. Ein Gesetz, das derzeit seitens der Bayerischen Staatsregierung auf dem Prüfstand steht.

So ist unter anderem geplant, die Altersgrenze für ehrenamtliche Feuerwehrdienstleistende von derzeit 65 auf 67 Jahre anzuheben. Was das für die Feuerwehr Kolbermoor bedeutet, welche geplanten Änderungen sie begrüßen und welche Einsätze wirklich auf die Nerven gehen, dazu haben Kommandant Armin Hörl (53) und dessen Stellvertreter Daniel Schrank (28) im OVB-Interview Stellung genommen.

Zentraler Punkt der geplanten Änderung des Feuerwehrgesetzes ist die Anhebung der Altersgrenze für ehrenamtliche Einsatzkräfte von derzeit 65 auf 67 Jahre. Begrüßen Sie dieses Vorhaben?

Armin Hörl: Das wäre nicht schlecht, denn die Menschen müssen schließlich in der Regel auch bis 67 Jahren arbeiten. Warum sollte der ehrenamtliche Feuerwehrdienstleistende, wenn er körperlich noch fit ist, dann nicht bis 67 aktiven Dienst leisten?

Daniel Schrank: Ich finde auch, dass das gerechtfertigt ist. Bei uns wird diese Gesetzesänderung in den kommenden Jahren den ein oder anderen Kameraden treffen. Man darf ja auch nicht vergessen, dass das alles erwachsene Leute sind, die durchaus einschätzen können, ob und in welchem Umfang sie in der Lage sind, bis 67 aktiven Dienst zu leisten.

Geplant ist allerdings auch, den aktiven Dienst nicht, wie zunächst beabsichtigt, im Einzelfall um bis zu drei Jahre über die Altersgrenze hinaus zu verlängern…

Hörl: Ja, und das befürworte ich sehr, dass diese Idee verworfen worden ist. Es ist wichtig, dass es eine klare Regelung gibt und nicht der Kommandant am Ende wieder die Entscheidungsgewalt darüber hat, wer weitermachen darf, und wer nicht. Der Kommandant hat sowieso schon genügend Entscheidungsaufgaben.

Schrank: Es hängt bei den Aktiven natürlich viel Herzblut an der Arbeit. Und wenn der Kommandant dann die Entscheidung individuell treffen muss, dass jemand nicht mehr aktiven Dienst leisten darf, dann kann das für den betroffenen Kameraden sehr enttäuschend sein. So eine Entscheidung kann man, glaube ich, selten richtig treffen. Daher ist eine klare gesetzliche Vorgabe absolut sinnvoll.

Die Änderung der Altersgrenze resultiert letztlich aus der Personalnot, über die viele Feuerwehren klagen. Hat die Feuerwehr Kolbermoor auch dieses Problem?

Schrank: Bei uns sieht es da – Gott sei Dank – ganz anders aus. Ich sehe da, wenn ich in die Zukunft schaue, in den nächsten Jahren auch keine Probleme auf uns zukommen. Wir haben in puncto Mannschaftsstärke in den vergangenen fünf, sechs Jahren sogar eher zugelegt, als abgenommen und sind jetzt die vergangenen Jahre konstant bei rund 100 Aktiven.

Hörl: Wir haben wirklich eine gute Mannschaftsstärke. Was natürlich auch daran liegt, dass wir immer wieder Nachwuchskräfte aus der Jugendfeuerwehr integrieren können. Das hat natürlich ein paar Jahre gedauert, bis das Früchte getragen hat. Aber jetzt kann man sagen, dass im Schnitt drei bis fünf Kameraden pro Jahr von der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst rüberwechseln. Da zahlt sich unsere hervorragende Jugendarbeit aus.

Gibt es weitere positive Aspekte in Hinblick auf die geplante Novellierung des Gesetzes?

Hörl: Sehr sinnvoll ist für mich die Stärkung der Ausbildung vor Ort und auf Landkreisebene. Denn zum einen können die wenigen Feuerwehrschulen den Bedarf an den verschiedenen Ausbildungen gar nicht decken. Zum anderen wird dadurch der Zeit- und Kostenaufwand für unsere Kameraden deutlich reduziert, wenn sie verschiedene Lehrgänge im Landkreis besuchen können.

Schrank: Zumal die Qualität der Landkreislehrgänge sehr hoch ist, weshalb wir auch viele Angebote annehmen. Das ist schon ein riesiger Vorteil für uns.

Die Qualität einer Feuerwehr hängt in hohem Maße mit der Unterstützung durch den Träger, in Ihrem Fall die Stadt Kolbermoor, zusammen. Sind Sie mit der Unterstützung zufrieden?

Hörl: Da können wir uns überhaupt nicht beklagen. Die Stadt steht hinter beiden Kolbermoorer Feuerwehren und hat auch in den vergangenen Jahren immer wieder in die Feuerwehren investiert. Man muss wirklich sagen, dass die Stadt immer ein offenes Ohr für uns und unsere Anliegen hat. Und wann immer es möglich ist, dann werden unsere Wünsche auch umgesetzt.

Sind die Bürger Ihnen gegenüber auch so wohlgesonnen, wie es die Stadt ist?

Schrank: In der Regel schon. Allerdings merkt man insbesondere im Straßenverkehr, dass so mancher Autofahrer eine recht kurze Zündschnur hat. Da ist dann manchmal kein Verständnis für wichtige Absperrmaßnahmen da. Da denke ich mir dann schon manchmal, dass einige Autofahrer mit ihrem Führerschein auch einen gewissen Egoismus erworben haben.

Hörl: In derartigen Fällen hilft aber oftmals schon ein klärendes Gespräch. Und viele sehen dann auch ein, wieso wir dort abgesperrt haben und sie da halt jetzt nicht durchfahren können. Und bei Bürgern, die das gar nicht verstehen wollen, kommt halt dann auch mal die Polizei zum Einsatz. Aber im Großen und Ganzen ist die Akzeptanz für uns und unsere Arbeit schon sehr hoch.

Gibt es denn einen Wunsch, den Sie an die Bürger der Stadt haben?

Schrank: Grundsätzlich hilft es in einigen Fällen, die Dinge mit gesundem Menschenverstand anzugehen. Auf die Feuerwehr ist immer Verlass, dennoch werden wir hin und wieder zu vermeintlichen Notfällen alarmiert, die sich dann nicht als solche herausstellen. Ein gewisser Sinn für die Selbsthilfe und Eigenverantwortung wäre hier manchmal wünschenswert.

Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel?

Hörl: Beispielsweise passiert es immer wieder mal, dass ein Bürger anruft, weil an seiner Waschmaschine der Wasserschlauch geplatzt ist. Wenn wir dann am Einsatzort ankommen, steht das Wasser vielleicht zwei, drei Zentimeter hoch. Das hätte man auch selbst beseitigen können. Oder wenn nach einem Sturm ein Ast von überschaubarer Größe auf der Straße oder dem Gehweg liegt, den man auch mit einem Handgriff selbst hätte beseitigen können. In solchen Fällen werden Kräfte von uns alarmiert und beispielsweise vom Arbeitsplatz weggeholt, was es eigentlich nicht bräuchte oder die beispielsweise bei Unwettern bei einer Vielzahl an Aufträgen woanders dringender benötigt werden.

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