Kolbermoor – Bald ist es so weit, und dann wird sich für Annette Werndl ein großer Traum erfüllen. Am Sonntag, 4. Mai, zeigt die Künstlerin ihre neuesten Werke in der Akademie der Bildenden Künste. Doch dieses Mal will sie etwas anders machen. Ganz nach ihrem im Jahr 2022 erschienenen Buch „Color is my music“ will Werndl ihre Ausstellung mit einem Konzert verknüpfen. Dass dieser Traum nun Wirklichkeit wird, kann die 69-Jährige noch nicht fassen. Denn hinter diesem Wunsch steckt viel mehr.
Inspiration aus Musik
und vielen Reisen
Für ihre Malerei lässt sich Annette Werndl vor allem von ihrer Umgebung inspirieren. Hilfreich sind dabei die vielen Reisen, die sie oft macht. So war sie für eine längere Zeit in New York, in Mexiko und in Kapstadt. Nächstes Jahr geht es für die Künstlerin nach Buenos Aires. Die vielen verschiedenen Kulturen und Farben fließen in all ihre Werke hinein. „Ich lasse mich aber auch sehr stark von der Musik inspirieren“, sagt Werndl. Eine Band, die ihr besonders gefällt, ist das Akustik-Quartett „Quadro Nuevo“.
Musikalische Liebe zu
Band „Quadro Nuevo“
Seit 30 Jahren hört sie die Band nun schon. „Mir gefällt es sehr, wo sie sich in diesen Jahren hin entwickelt haben“, sagt die Frau aus Thansau. Mit dem Einfluss der Musik, wie Jazz, Blues und Pop, entstehen viele neue Werke, die sie im Jahr 2022 zusätzlich in ihrem Buch „Color is my music“ festhielt. „Und dann entstand die Idee, dass man eigentlich mal eine Ausstellung mit einem Konzert verknüpfen könnte“, sagt Werndl.Doch welche Band könnte das übernehmen? „Mein Traum war es, das mit Quadro Nuevo zu machen, weil ich die Leute und ihre Musik sehr mag“, sagt sie. Doch nie habe sie geglaubt, dass die Band mitmachen würde. Doch nun ist ihr Traum tatsächlich wahr geworden. Ihre Ausstellung am Sonntag, 4. Mai, wird von Quadro Nuevo musikalisch begleitet. „Es freut mich natürlich unglaublich, dass das zustande gekommen ist“, sagt Annette Werndl.
Besucher der Ausstellung dürfen sich damit auf gleich zwei Dinge freuen. Die Künstlerin ist sich sicher, dieser Abend wird anders werden. „Die Leute können sich freuen, dass sie einfach mal in Verbindung zu dieser wunderbaren Musik auch großformatige Ölbilder sehen können. Das macht was mit einem, wenn man vor einem Bild steht und Musik dazu hört“, sagt sie.
Und damit noch nicht genug. Denn auch die Location ist für die 69-Jährige etwas Besonderes. Schließlich hat sie vor zehn Jahren die Akademie der Bildenden Künste in Kolbermoor initiiert und mitgeholfen, sie zu gestalten und aufzubauen. „Und heute wird die Akademie von meiner Tochter geleitet“, sagt sie stolz. Die Räume des Gebäudes würden sich perfekt als Konzertsaal anbieten und eine „ganz andere Atmosphäre“ geben. „Es ist etwas Besonderes, dass ich in unserer Akademie dieses Konzert und diese Ausstellung ins Leben rufen konnte“, so Werndl. Und auch die Band sei begeistert von den Räumlichkeiten.
Enger
Zeitrahmen
Damit scheint also alles perfekt zu sein. Nur die Vorbereitungen halten die 69-Jährige derzeit ordentlich auf Trab. „Das Problem ist, dass wir tatsächlich nur den 4. Mai zur Verfügung haben, wo alles passieren muss“, sagt die Künstlerin. Denn an allen anderen Tagen läuft der Betrieb ganz normal weiter. Bedeutet für Annette Werndl, dass sie nur einen Tag Zeit hat, um die Räume freizuräumen. Heißt also, alle Tische und Stühle wegzuräumen, die Bilder hinbringen und an den Wänden aufhängen. „Die Musikanten müssen natürlich auch ihre Vorbereitungen treffen“, fügt Werndl hinzu. So müsse die Bühne schnell aufgebaut werden und die Lichttechniker müssen ihre Arbeiten ebenfalls rasch verrichten. Am selben Tag muss dann auch wieder alles abgebaut werden, denn am Montag beginnt dort in der Früh schon wieder der nächste Kurs. „Es wird also ein sehr aufregender Tag, aber ich freue mich drauf“, so Werndl.
Schon als Kind begeisterte sich Annette Werndl für das Malen und Zeichnen. Ihre Eltern besaßen ein Möbelgeschäft, wo es auch Postkarten gab. „Irgendwann habe ich die Motive abgemalt und mein Vater hat sie als Dekoration verwendet und später auch verkauft“, erinnert sich die Thansauerin. Zu der Zeit hat sie sich vor allem für die Ölmalerei begeistert. Doch zunächst blieb die Kunst nur ein Hobby, denn Werndl studierte in Rosenheim Innenarchitektur. Das Studium, später das Berufsleben und ihre Kinder ließen das Hobby immer mehr in den Hintergrund rücken. „Vor ungefähr 20 Jahren habe ich dann wieder angefangen und nochmal eine Ausbildung begonnen“, so Werndl.
An verschiedenen Kunstakademien studierte sie Malerei und gehörte den Meisterklassen von Jerry Zeniuk und Hermann Nitsch an. Irgendwann habe Werndl ihren eigenen Stil gefunden. Sie habe keine weiteren Kurse mehr besucht und sich selbst weiterentwickelt. Während Werndl früher vor allem Porträts und Landschaften gemalt hat, sind es heute abstrakte Werke, die sie erschafft. „Jetzt bin ich da, wo ich immer sein wollte“, sagt sie.
Job für die Kunst
aufgegeben
Dass sie damals ihren Job kündigte, um sich nur noch auf die Kunst konzentrieren zu können, bereut die 69-Jährige nicht. „Ich glaube, Kunst machen zu wollen, steckt in einem immer drinnen und wird irgendwann immer lauter, dass man gar nicht anders kann“, erklärt Werndl. „Ich konnte es irgendwann nicht mehr unterdrücken.“ Und dass sie damit den für sie richtigen Weg gegangen ist, will sie nun am Sonntag, 4. Mai, bei ihrer Ausstellung wieder unter Beweis stellen. Vor allem freue sie sich auf die guten Gespräche mit den Besuchern. „Und dass ich die Musik zu meinen Bildern hören darf. Das ist für mich etwas ganz, ganz Aufregendes.“