Analysieren, observieren, recherchieren

von Redaktion

Interview Detektiv aus dem Mangfalltal spricht über Arbeitsalltag und Klischees

Mangfalltal – Elegant und hochintelligent wie Agatha Christies Hercule Poirot? Wissenschaftlich und Opiat-berauscht wie Sherlock Holmes, ins Leben gerufen von Arthur Conan Doyle? Oder doch eher hemdsärmelig und zeitweise rabiat wie Josef Matula aus der TV-Serie „Ein Fall für zwei“? Vom Auftreten und der Arbeit eines Detektivs gibt es unzählige Vorstellungen, die vor allem von Romanen oder aus Film und Fernsehen beeinflusst werden.

Doch sieht das Leben eines Detektivs denn wirklich aus? Welche Aufträge sind an der Tagesordnung, welche Qualifikationen sind für diesen Berufsweg vonnöten? Antworten darauf gibt zum „Internationalen Sherlock-Holmes-Tag“, der jährlich am 22. Mai begangen wird und den Geburtstag des Holmes-Erfinders und Schriftstellers Arthur Conan Doyle markiert, Detektiv S. (38). Er unterhält Standorte in Österreich und Deutschland, einen davon im Mangfalltal. Aus Anonymitätsgründen („In meiner Branche ist Anonymität ein hohes Gut“) verzichtet der Mangfall-Bote auf die Nennung des Namens des 38-Jährigen, der im Interview über eine „ausgeprägte Beobachtungsgabe“, brenzlige Situationen und „schwarze Schafe“ der Branche spricht.

Welche Detektiv-Klischees, die Menschen durch Figuren wie Sherlock Holmes, Hercules Poirot oder Josef Matula haben, sind richtig, welche völlig falsch?

Einige Klischees wie gutes Beobachten und logisches Denken stimmen. Übertrieben sind dagegen die extremen Alleingänge und geniale Spontanlösungen – echte Ermittlungen sind meist Teamarbeit.

Was waren die Gründe dafür, dass Sie diesen
Berufsweg eingeschlagen haben?

Schon als Kind hatte ich eine ausgeprägte Beobachtungsgabe. Ich konnte Körpersprache, Gestik und Mimik von Menschen aus der Ferne intuitiv deuten. Für mich war das völlig normal. Erst mit dem Erwachsenwerden erkannte ich, welch besondere Fähigkeit das war – und eins führte zum anderen.

Welche Qualifikationen müssen Menschen mitbringen, die diesen Beruf ergreifen wollen?

Gibt es dafür denn eine spezielle Ausbildung?

Menschen, die Detektiv werden wollen, brauchen ein gutes Beobachtungsvermögen, analytisches Denken, Diskretion und Ausdauer. Eine spezielle Ausbildung ist nicht zwingend vorgeschrieben. Aber es gibt anerkannte Lehrgänge und Zertifizierungen, etwa über die IHK oder private Akademien.

Welche Art von Aufträgen machen den Großteil Ihrer Arbeit aus?

Meine Aufträge reichen vom Verdacht der Untreue in Partnerschaften bis hin zu Fällen von Versicherungs- oder Krankheitsbetrug. Den größten Teil meiner Arbeit machen jedoch wirtschaftliche Ermittlungen aus, da besonders Firmen auf klare Fakten und Beweise angewiesen sind.

Was sind heute die klassischen Aufgaben eines Detektivs?

Die typischen Aufgaben eines Detektivs umfassen die diskrete Beobachtung von Personen, das Sammeln von Beweisen bei Verdachtsfällen sowie Recherchen in privaten oder geschäftlichen Angelegenheiten. Dabei geht es vor allem darum, Fakten zu sichern und Sachverhalte aufzuklären.

Sind Sie während eines Einsatzes schon mal in brenzlige Situationen
gekommen?

Da ich auch im Personenschutz tätig bin, gab es einige außergewöhnliche Situationen, die es zu entschärfen galt. Am Ende des Tages kamen jedoch alle Beteiligten sicher und wohlbehalten zu ihren Familien zurück.

Was macht für Sie den besonderen Reiz als
Detektiv aus?

Der Reiz des Berufs liegt für mich in der Vielfalt der Fälle und der Möglichkeit, durch präzise Ermittlungen Licht in undurchsichtige Situationen zu bringen. Es ist spannend, immer wieder neue Herausforderungen zu meistern und dabei den Menschen zu helfen, die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Auf was sollten Verbraucher achten, wenn Sie die Dienste eines Detektivs in Anspruch nehmen möchten?

Leider gibt es, wie in jeder Branche, schwarze Schafe. Manche Klienten werden in ihrer Notlage durch unrealistische Versprechungen gezielt getäuscht und zur Zahlung überhöhter Kosten bewegt. Wenn schon beim Erstkontakt ein garantiertes Ergebnis in Aussicht gestellt wird, ist Vorsicht geboten. Denn jeder Auftrag ist anders und erfordert eine individuelle Betrachtung, auch wenn er vertraut wirkt. Interview: Mathias Weinzierl

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