Leibl-Kopie: Spur führt nach Kolbermoor

von Redaktion

Manfred Schaulies will das Rätsel um das mysteriöse Exponat im Heimatmuseum lösen

Kolbermoor/Bad Aibling – Das Bild „Die drei betenden Frauen“, das von 1878 bis 1882 in der Berblinger Kirche entstand, ist das berühmteste Werk des bekannten Malers Wilhelm Leibl. Der 1844 in Köln geborene Künstler,  der im Jahr  1900 in Würzburg starb, lebte und wirkte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorwiegend in der Gegend von Bad Aibling und Bad Feilnbach.

Original hängt in
Hamburger Kunsthalle

Während sich das Original des Ölgemäldes seit 1906 in der Hamburger Kunsthalle befindet, gibt eine Kopie des Werkes, die im Bad Aiblinger Heimatmuseum hängt, den Heimatforschern einige Rätsel auf. Völlig unklar ist bis heute, wann und auf wessen Veranlassung das Bild den Weg ins Museum fand. Manfred Schaulies, der als Mitglied des Historischen Vereins Bad Aibling ehrenamtlich das im Heimatmuseum untergebrachte Archiv leitet, weiß auch nicht, ob es sich um ein Geschenk handelt oder die Leibl-Kopie käuflich erworben wurde.

Schriftzug am
linken Rand

Was den Schöpfer des Werkes betrifft, gibt es allerdings eine Spur. „W. Selch. 1948. Cop.“, lautet der Schriftzug, den der Maler am oberen linken Rand des Bildes hinterlassen hat. Daraus schließt Schaulies, dass es der im Jahr 1899 in Bad Aibling geborene Kunstmaler Wilhelm Selch geschaffen hat, der am 12. Februar 1979 starb. „Ganz sicher ist das allerdings auch nicht“, schränkt der Archivleiter ein. 

Etliche Nachforschungen im Archiv des Museums und die Auswertung diverser frei zugänglicher Quellen haben ihn bei der Klärung der offenen Fragen noch nicht entscheidend weitergebracht. Dass die Klärung dennoch erfolgen kann,  in dieser Hoffnung bestärkt Schaulies jetzt ein Kontakt  zu Renate Hartl aus Kolbermoor, den er seit Kurzem hat. Sie ist eine Großnichte von Selch und hat sich bei ihm gemeldet, als kurz vor Ostern im Mangfall-Boten einen Bericht über die  Berblinger Kirche und das berühmte Leibl-Bild erschienen war. Dort wurde auch erwähnt, dass es im Zusammenhang mit dessen Kopie im Heimatmuseum noch etliche offene Fragen gibt, zu deren Beantwortung der Archivleiter einen neuen Anlauf unternehmen möchte.

„Frau Hartl hat sich gleich bei mir gemeldet und mir Unterstützung bei meinen Nachforschungen zugesagt. Mal schauen, ob sie Unterlagen findet, die weiterhelfen können“, sagt Schaulies. In seinem Bemühen setzt der Archivleiter jetzt vor allem auch auf die Mithilfe der Öffentlichkeit.

Ein wichtiger Ansatzpunkt für ihn ist die Todesanzeige von Wilhelm Selch, die am 15. Februar 1979 im Mangfall-Boten veröffentlicht wurde. Aus der geht hervor, dass der Verstorbene zum Zeitpunkt seines Ablebens drei Brüder und zwei Schwestern – Max, Michael und Josef Selch sowie Maria Griesbeck und Johanna Hinteregger – hatte. Unter den Trauernden ist auch seine Lebensgefährtin Leopoldine Göbel aufgeführt, die angeblich deutlich älter als Wilhelm Selch gewesen sein soll.

Seine Großnichte erinnert sich daran, dass Göbel eine Kunstmalerin war, und Selch mit der Malerei vertraut gemacht haben dürfte. Diese Theorie stützen auch zwei Einträge, die Schaulies in den damals existierenden Einwohner-Adressbüchern der Stadt Bad Aibling aus den Jahren 1936 und 1956 fand. Während Wilhelm Selch 1936 noch mit der Bezeichnung Hilfsarbeiter registriert war, wurde seine Namensnennung 1956 mit dem Hinweis auf eine Tätigkeit als Kunstmaler verbunden. Als Wohnadresse wurde das Anwesen Eichenstraße 14 genannt. Dort hat Selch wohl viele Jahre zusammen mit seiner Lebensgefährtin gelebt.

Das deckt sich auch mit den Erinnerungen seiner Großnichte. Sie berichtet unter anderem von einem großen Gemälde mit dem Titel „Paradiesgarten“, welches eine Wand des Anwesens zierte. Außerdem habe sich vor dem Haus ein Schaukasten befunden, in dem größere und kleinere Bilder von Selch ausgestellt gewesen und zum Verkauf angeboten worden seien, berichtet Renate Hartl.

Kurze Erwähnung
in einem Buch

In dem Buch „Kunst und Künstler in Bad Aibling“, welches der mittlerweile verstorbene ehemalige Kulturreferent des Landkreises Rosenheim, Klaus Schönmetzler, und seine Frau Christine 2004 auf den Markt gebracht haben, findet sich allerdings nur ein kurzer Hinweis  auf Selch. Sein Name taucht in einem einzigen Satz auf und wird einer Reihe von Landschaftsmalern zugeordnet, die aus München in die Region Bad Aibling gezogen seien.

Hoffen auf Hilfe
aus der Bevölkerung

Manfred Schaulies hofft jetzt darauf, dass sich weitere Familienmitglieder aus Selchs Nachfolgegenerationen oder Zeitzeugen, die den Maler noch gekannt haben, bei ihm melden und mit Informationen dienen können. Auch an Erinnerungen von ehemaligen Nachbarn in der Eichenstraße wäre er sehr interessiert.

Wer ihm bei seinen Nachforschungen behilflich sein möchte, kann ihn montags oder dienstags zwischen 10 und 16 Uhr im Heimatmuseum unter der Telefonnummer 08061/7283 oder per E-Mail unter info@hvaibling.de erreichen.

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