Kolbermoor – Es ist wieder so weit: Abergläubische werden 24 Stunden lang besonders auf der Hut sein, alle Leitern wegräumen, um nicht aus Versehen unten durchzulaufen, und jeder schwarzen Katze aus dem Weg gehen. Denn im Juni 2025 fällt der 13. auf einen Freitag, was diesen Tag für abergläubische Menschen zu einem Tag macht, an dem Unheil fast schon programmiert ist.
Ein Phänomen, das sogar das Leben in Deutschland und weiteren Teilen der Welt bestimmt. So verzichten zahlreiche Fluggesellschaften, beispielsweise die Lufthansa, auf die Sitzreihe 13 in ihren Flugzeugen, Hotels auf das 13. Stockwerk. Dass es bei den ICE-Zügen der Deutschen Bahn in der Regel keinen Waggon 13 gibt, hat hingegen technische Gründe, die in der Zusammensetzung und Länge eines jeweiligen Zuges begründet sind.
Kein Glück bei
der Recherche
Doch wie halten es die Kolbermoorer in puncto Aberglaube und der „Unglückszahl“ 13? Das OVB hat sich auf die Suche nach Antworten gemacht. Und schon der Start der Recherche-Fahrt vom Sitz der Redaktion in Bad Aibling beginnt mit einem kuriosen Detail. Denn die Strecke in Richtung Kolbermoor führt über die Aiblinger Straße, die im Straßennetz auch unter dem Namen RO13 geführt wird. Reiner Zufall?
Im Kolbermoorer Stadtteil Lohholz angekommen, führt die Fahrt dann zunächst in eine typische Wohnsiedlung. Schmucke Einfamilien- und Reihenhäuser prägen hier das Bild, das Gebäude mit der Hausnummer 13 ist eine für die Region typische Doppelhaushälfte inklusive kleinem Vorgarten. Und doch gibt es hier erste Anhaltspunkte darauf, dass die Bewohner abergläubisch sein könnten. Denn oberhalb der Haustür sind gleich zwei Glücksbringer angebracht: ein Hufeisen und ein Kleeblatt. Vorsorge gegen den möglichen Fluch der (Haus)-Nummer 13? Diese Frage bleibt leider unbeantwortet, denn niemand öffnet dem Reporter die Tür.
Mehr Glück habe ich dann in einer weiteren Wohnsiedlung des Stadtteils Lohholz. In diesem Straßenzug, der ebenfalls von Einfamilienhäusern bestimmt wird, öffnet mir an der Hausnummer 13 ein älteres Ehepaar. Ihren Namen wollen die beiden nicht im Bericht lesen, da sie „nicht so gerne im Vordergrund stehen“. Das Ehepaar macht aber schnell deutlich, dass es mit Aberglauben nichts am Hut hat, die Hausnummer 13 ihm auf keinen Fall Pech gebracht habe.
„Wir hatten eigentlich sehr viel Glück in unserem Leben“, sagt die Frau, die gemeinsam mit ihrem Mann vor 40 Jahren in die Region gezogen war und nun das Rentnerleben genießt, beispielsweise beim Wandern in der Bergwelt. „Ich halte überhaupt nichts von Aberglaube“, sagt der Hausherr, während seine Frau ergänzt: „Für uns spielt so etwas überhaupt keine Rolle. Wir sind bestimmt auch schon mal an einem 13. in den Urlaub gefahren und uns ist nichts passiert.“
Wobei sich der Mann in puncto Aberglaube bei seiner Frau nicht so ganz sicher zu sein scheint. „Na ja, wenn‘s ums Gießen der Blumen im Garten geht, bist du schon abergläubisch“, stellt er mit einem Augenzwinkern fest. Was seine Ehefrau wiederum so nicht stehen lassen will: „Ich orientierte mich bei der Gartenarbeit am Mondkalender. Aber das hat ja nichts mit Aberglauben zu tun.“
Weiter geht die Fahrt schließlich – erneut auf der RO13 – ins Zentrum Kolbermoors, dann weiter auf einer großen Verbindungsstraße in Richtung Staatsstraße 2078. An vielen Fenstern des kleinen Mehrfamilienhauses mit der Hausnummer 13, das an dieser Straße liegt, sind die Jalousien heruntergelassen. So, als wollten sich die Bewohner gegen das drohende Unheil am 13. Juni wappnen. Vielleicht hat es aber auch nur mit der frühsommerlichen Hitze zu tun, die aus den Räumen herausgehalten werden soll. Daheim ist jedenfalls niemand, der zum Thema Aberglaube Stellung nehmen kann.
Also wieder zurück, vorbei an der Glückstraße und rein in die Rosenheimer Straße in Richtung Kolbermoorer Bahnhof, wo die Reporter-Pechsträhne in puncto Gesprächspartner dann endlich ein Ende hat. Denn unter der Adresse Rosenheimer Straße 13 firmieren gleich drei Unternehmen, beispielsweise das Ingenieurbüro W.FM Ingenieurdienstleistungen GmbH.
Seit zehn Jahren hat das Ingenieurbüro dort sein Domizil – Pech gebracht habe die Firmenadresse mit der Hausnummer 13 ihm auf keinen Fall, sagt Inhaber Franz Wudy. „Die Auftragslage ist gut, wir haben alle Hände voll zu tun.“ Auch zwischen ihm und seinen Kunden sei die Hausnummer 13 als vermeintlich böses Omen nie Thema gewesen: „Das Einzige, was für unsere Kunden zählt, ist, dass wir unsere Arbeit gut machen.“
Und wie hält es der ehemalige Kommandant der Feuerwehr selbst mit dem Aberglauben? „Ich habe mir kürzlich, weil ich nicht richtig aufgepasst habe, die Felgen meines Autos am Bordstein zerkratzt. Wenn das am 13. passiert wäre, hätte ich zumindest eine Ausrede gehabt“, sagt Wudy und lacht. „Aber nein, ich bin wirklich überhaupt kein abergläubischer Mensch.“ Auch in seiner Funktion bei der Feuerwehr sei Aberglaube für ihn nie ein Thema gewesen.
Ähnlich geht es Herbert Eibl, der direkt neben Wudys Büroräumen eine Fahrschule betreibt. Auch er ist nach eigenen Angaben nicht abergläubisch, habe sich auch noch nie Gedanken über seinen Firmensitz mit der Hausnummer 13 gemacht. Bei seinen Kunden sei dieser Aspekt ebenfalls kein Thema: „Wir haben einfach keine abergläubischen Fahrschüler“, ist er überzeugt.
Bei einigen seiner Fahrschüler sei sogar das Gegenteil der Fall. „Für uns ist Freitag, 13., ein ganz normaler Tag, an dem auch praktische Fahrprüfungen stattfinden“, erklärt der Fahrschul-Inhaber. „Viele Fahrschüler, die an diesem Tag ihre Prüfung machen, finden das dann sogar cool, dass es zufällig dieses Datum ist.“ Dass an diesem Tag mehr Schüler durch die Prüfungen rasseln oder sich auf der Straße mehr Unfälle ereignen, kann Eibl ebenfalls nicht bestätigen.
Gibt es also in Kolbermoor wirklich weit und breit niemanden, der abergläubisch ist und Freitag, dem 13., zumindest mit einer gewissen Portion Respekt begegnet? Oder wird der Reporter dann doch dort fündig, wo es eigentlich hauptsächlich um harte Fakten, belegbare Zahlen und menschengemachte Regeln geht – im Rathaus der Stadt? Denn was schnell auffällt: In keinem der vier Stockwerke des Gebäudes mit seinen durchnummerierten Zimmern gibt es einen Raum mit der Nummer 13!
„Ja, das stimmt“, bestätigt Christian Poitsch, Leiter des Stadtmarketings und Sprecher der Stadt. Und doch hat auch das nichts mit Aberglaube zu tun. „Es liegt einfach daran, dass wir auf den einzelnen Stockwerken nicht so viele Büros haben, dass wir bis zur Nummer 13 kommen.“ Wobei er selbst nach eigenen Angaben kein Problem damit hätte, im „Büro 13“ zu arbeiten, denn: „Ich bin eigentlich auch nicht abergläubisch.“
2026 wird nichts
für schwache Nerven
So habe er zwar gewisse Lieblingszahlen oder auch Lieblingsfarben, aber keine Zahlen und Farben, die bei ihm negative Gefühle auslösen. Wobei seine Vorliebe zu bestimmten Zahlen noch nicht einmal so weit geht, dass er diese unbedingt beim Lotto-Spiel verwenden muss. „Wenn ich mal Lotto spiele, sind das ganz unterschiedliche Zahlen, die ich ankreuze“, verrät der Stadtmarketingchef. „Eines der Tippfelder lasse ich oftmals dann auch durch Zufallszahlen befüllen.“
Fazit: Es scheint, als könnten die Kolbermoorer nicht nur ganz entspannt auf den 13. Juni – einziger Freitag, der 13., in diesem Jahr – blicken, sondern auch sorgenfrei aufs kommende Jahr 2026. Denn dann stehen für abergläubische Menschen gleich drei vermeintliche Schreckenstage im Kalender: Freitag, 13. Februar 2026, Freitag, 13. März 2026, und Freitag, 13. November 2026. Insgesamt 72 Stunden, in denen abergläubische Menschen besonders auf der Hut sein sollten.