Die Mauer muss – teilweise – weg

von Redaktion

Sie ist fast schon Wahrzeichen der Stadt – die Steinwand am Glasberg in Kolbermoor, die eine SPD-Vertreterin einst als „Klagemauer“ bezeichnet hat. Derzeit wird wieder an dem rund 300000 Euro teuren Bauwerk gearbeitet. Was dort gerade passiert – und wie es am Ende aussehen soll.

Kolbermoor – Es ist ein Bauwerk, das seit 2019 die Gemüter erhitzt: Die Mauer am Glasberg in Kolbermoor, die jedem, der im Kreuzungsbereich Glasberg/Grillparzerstraße unterwegs ist, sofort ins Auge sticht. Mit einer Länge von 36 Metern und einer Höhe von acht Metern türmte sich die Steinwand einst auf.

2023 erteilt die Stadt
die Genehmigung

Doch mittlerweile ist die Mauer geschrumpft, nur noch ein Drahtgeflecht und Eisenstreben lassen die frühere Höhe erahnen. „Wir setzen gerade die Vorgaben um, die uns das Landratsamt gemacht hat“, teilte die Grundstücksbesitzerin auf OVB-Anfrage mit. „Dann ist das Thema für uns erledigt.“

Richtig aufgeschaukelt hatte sich der Mauerbau, der laut Eigentümer 300000 Euro gekostet hat, im Januar 2020, als die Steinwand im Kolbermoorer Bauausschuss thematisiert worden war. Damals hatte unter anderem Dagmar Levin-Feltz (SPD) die Frage aufgeworfen, was es mit der laut ihren Worten „Klagemauer“ am Glasberg auf sich habe, nachdem sie nach eigenen Angaben bereits mehrfach von Bürgern darauf angesprochen worden sei.

Auch die Stadt zeigte sich alles andere als glücklich über das Bauwerk, das zwar bereits 2018 seitens der Kommune und des Landratsamtes abgesegnet worden war. Die Ausführung sei allerdings nicht so erfolgt, wie genehmigt, so die Einschätzung der Stadt Anfang 2020. „Aus Sicht der Stadt wurde hier planabweichend gebaut, denn für uns zeigt sich eine Gabionenwand“, kommentierte ein Mitarbeiter der Kommune damals das Bauwerk, das als begrünte Mauer genehmigt worden sei.

Den Hinweis des Bauwerbers, die Mauer sei noch nicht fertig, ließ die Stadt letztlich nicht gelten und forderte ihn zu Nachbesserungen auf. In den Folgejahren kam es letztlich immer wieder zu Abstimmungen zwischen dem Bauherren, der Stadt und dem Landratsamt, die letztlich fünf Jahre nach Einreichen des Bauantrags abgeschlossen werden konnten. „Nach langen Verhandlungen wurde im April 2023 das gemeindliche Einvernehmen zur Tektur ,Errichtung eines Drei-Familienhauses mit Tiefgarage, Pool und Hangbefestigung‘ erteilt“, so Julia Wirth von der Kolbermoorer Bauverwaltung gegenüber dem OVB.

Letztlich wurden dem Grundstücksbesitzer rund um den Zankapfel „Hangbefestigung“ klare Vorgaben gemacht: „Von der Straßenkante circa fünf Meter mit 80 Grad Neigung – dieser Bereich wird mit Efeu und wildem Wein begrünt“, umschrieb Wirth nun die Vereinbarung. „Anschließend folgt ein circa 1,50 Meter hoher Bereich mit einer Tiefe von circa zwei Metern, der sich als Übergang zum Garten um 45 Grad zurückneigt.“ Dort sollen nach Angaben der Stadtmitarbeiterin dann „verschiedene Bodendecker und kleinere Büsche gepflanzt“ werden.

Dieser Bereich sei das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Stadt, Landratsamt und dem Bauherren gewesen. „Das Landratsamt und die Stadt bestanden auf dem Abtrag von zwei Gabionenreihen und einem Zurücklehnen der Befestigung“, so Wirth weiter. „Wunsch der Stadt und vom Eigentümer zugesichert sowie aus den Eingabeplänen erkennbar, soll die Mauer über die Jahre komplett begrünt sein.“

Erste Arbeiten hatten dazu – nachdem dem Bauherren laut Stadt im August 2023 ein Bescheid mit den Vereinbarungen zugestellt worden war – bereits im Sommer 2024 begonnen. „Die Arbeiten scheinen sehr aufwendig, da die Körbe wohl per Hand entleert werden müssen“, so Wirth. Was die Hausherrin bestätigen kann. „Zwei der drei Seiten sind bereits fertig“, stellte die Frau, die anonym bleiben möchte, klar. „Der Aufwand ist aber sehr groß, weil wir auch vieles selbst machen.“

„Zwei Jahre Zeit
für die Umsetzung“

Wann die Arbeiten komplett fertig sein werden, dazu konnte sie noch keine Angaben machen. „So weit ich das im Kopf habe, haben wir zwei Jahre Zeit, das umzusetzen“, so die Kolbermoorerin. „Und die sind noch nicht um.“ Kann sie denn mit den Vereinbarungen, die sie mit Stadt und Landratsamt getroffen hat, auch leben: „Ja, auf jeden Fall. Wir sind damit sehr zufrieden.“ Zudem scheinen sich die Kolbermoorer mittlerweile an den Anblick gewöhnt zu haben. Nach Angaben von Wirth hat es zumindest dazu in den vergangenen Monaten „keine Rückmeldungen“ aus der Bevölkerung gegeben.

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