Selbst gemacht ist es doppelt schön

von Redaktion

Zwei Expertinnen geben im Rahmen eines Miedernähkurses ihr Wissen weiter

Kolbermoor – Eine Augenweide, das beschreibt es wohl am besten, wenn die Trachtlerinnen zu den Festtagen ihr „guads Gwand“ anhaben. Wie sich wohl jeder vorstellen kann, ist so eine Ausstattung ein nicht gerade billiges Unterfangen. Kauft man sich beispielsweise ein Mieder im Laden, muss man dafür tief in die Tasche greifen. Aber was macht den Preis eigentlich so teuer?

Drei Treffen und
etwas Arbeit daheim

Zum einen handelt es sich um eine Maßanfertigung, zum anderen ist alles Handarbeit und zum Schluss muss noch in der Miederart unterschieden werden, ob es sich um ein halbsteifes oder steifes Mieder handelt. Das bedeutet, mit wie vielen Muster die Mieder ausstaffiert werden. Also: Je mehr Muster es hat, desto steifer ist es, bei weniger Muster spricht man von halbsteifen Miedern.

Die Preise für Letztere fangen meist bei 450 Euro an und natürlich gibt es dabei noch viel Luft nach oben. Um das Ganze erschwinglich zu gestalten, wurde von Rosmarie Henke (ehemalige Gautrachtenwartin vom Gauverband I) und Trachtenschneidermeisterin Helene Kirschenhofer ein Miedernähkurs für steife Mieder angeboten, welcher im Frühjahr stattfand.

Dieses Angebot nahmen Damen aus den Trachtenvereinen aus Rott am Inn (Inngau), Edelweiß Höhenmoos (Chiemgau Alpenverband) sowie aus den Vereinen aus Vagen und den Immergrünen aus Kolbermoor (beide Gauverband I) wahr. So traf man sich über mehrere Wochen drei mal bei der Rosmarie in Aschau zum Arbeiten, aber auch daheim waren die Teilnehmerinnen gefordert.

Beim ersten Treffen wurde von jeder Mitwirkenden die Maße genommen, die Schnitte auf den Stoff übertragen und zugeschnitten. Zuhause durften dann alle ein Design für das Muster, welches das Mieder bekommen sollte entwerfen. Hierbei finden meistens die klassischen Muster Anwendung, welche aus Blumen, Fischgräten oder Rauten bestehen.

Beim zweiten Treffen in Aschau wurde dann das gestaltete Muster besprochen und auf das Mieder übertragen. Als man wieder zuhause angekommen war, musste das Muster abgenäht werden und es ging an das Ausfüllen, sodass das erstellte Muster auch zur Geltung kommt. Dafür wird ein sogenanntes Peddigrohr verwendet, das besonders biegsam ist.

Beim letzten Kurstreffen verklebte man die verschiedenen Lagen des Mieders mit einer Roggenmehl-Wasser-Mischung miteinander, um mehr Stabilität zu erhalten – zusätzlich kommt das Muster auch noch besser zur Geltung. Der natürliche Kleber im Roggenmehl erstellt eine erstaunlich feste Verbindung mit den verklebten Materialien, sodass die verbundenen Teile nur noch mit Gewalt voneinander getrennt werden können.

Trachtenwartin
mit großem Interesse

Als letzte Arbeit wurde dann das Mieder innen noch gefüttert. Falls man nicht komplett fertig wurde, hat man die restliche Arbeit zuhause erledigt. Zum Abschluss trafen sich dann alle Teilnehmerinnen im Kolbermoorer Trachtenheim bei Kaffee und Kuchen.

Der Veranstaltung schloss sich auch die Trachtenwartin des Gauverbands I Irmi Impler an, um die gefertigten Mieder zu begutachten. Sprichwörtlich fühlen konnte man an dem Nachmittag den Stolz der einzelnen Teilnehmerinnen darauf, das „eigene Gwand“ selbst hergestellt zu haben.

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