Tierschutz in der Landwirtschaft

von Redaktion

Podiumsdiskussion im Stellwerk18 mit Ursachenforschung und Lösungsvorschlägen

Rosenheim – Auf Einladung der Grünen trafen sich jüngst Fachleute und Interessierte im Stellwerk18 zum Informations- und Erfahrungsaustausch. Zunächst beleuchtete Landtagsabgeordneter Paul Knoblauch, der für die Grünen im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sitzt, die Situation der in aller Regel hierzulande mittelständischen Betriebe. Dass im Raum Oberbayern in jüngster Zeit die bekannten Missstände aufgetreten sind, habe im Wesentlichen damit zu tun, dass hierzulande vor allem Viehwirtschaft betrieben wird. Wo Ackerbau vorherrscht, was hier die Bodenbeschaffenheit nicht hergibt, können solcherlei Probleme naturgemäß kaum auftreten.

Familiäre Strukturen
als Problemfeld

Ein weiteres Problemfeld ergäbe sich durch die veränderte familiäre Struktur in der Landwirtschaft. Wo keine – wie in vergangenen Zeiten – Großfamilie mehr vorhanden ist, können krankheits- und unfallbedingte Ausfälle nur schwerlich oder gar nicht aufgefangen werden. Bei einem 16-stündigen Arbeitstag rund um die Woche, wie zum Beispiel in Milchwirtschaftsbetrieben unumgänglich, ist in solchen Fällen eine absolute Überforderung unvermeidlich. Betriebshelfer, die in solchen Fällen einspringen, seien viel zu wenige verfügbar. Er wisse von Betriebshelfern die täglich drei Betriebe zu versorgen, beziehungsweise zu unterstützen haben. Andererseits, so wusste er zu berichten, speichere das Weidegrünland in hohem Maße CO2, und fördere die ökologische Kreislaufwirtschaft. Insoweit sei die Tierhaltung auch hilfreich gegen die Klimaerwärmung. Zwar sei die landwirtschaftliche Umstellung in Richtung Tierwohl teuer und unbequem aber eben unumgänglich. Wünschenswert sei auch und gerade, wenn sich dies im politischen Handeln niederschlagen würde. Ähnliches gelte für die inzwischen überbordende Bürokratie, mit der die Landwirte heute zu kämpfen hätten. All dies belaste die heutigen zwei Personen Betriebe, dass es in den härtesten Fällen zu den angesprochenen Extremfällen kommen könne.

Kai Braunmüller, leitender Veterinärdirektor, schilderte die Situation aus Sicht der Veterinäre, wobei er auf den erheblichen Personalmangel im Bereich der amtlichen Überwachung hinwies. So seien diese Mitarbeiter derart bei Tierhaltungsproblemen gefordert, dass eine anlasslose Überwachung überhaupt nicht mehr stattfinden könne.

Jutta Saumweber von der Verbraucherzentrale Bayern stellte die Glaubwürdigkeit verschiedener Qualitäts-Labels infrage und bemängelte deren Überprüfbarkeit und Transparenz. Des Weiteren forderte sie verpflichtende Video-Überwachung auch und gerade in Schlachthöfen, wo es nicht selten erhebliche Verrohung beim Umgang mit den Tieren gäbe. Martin Huber, aktiver Landwirt stellte fest, dass es bei vielen Kollegen einen Hang zur Selbstüberschätzung gäbe, und zuweilen ein Hilfe-Ersuchen als Schwäche oder gar als Fehler betrachtet werde.

Lebhafte Diskussion
um „Tierwohl“-Frage

In der darauf folgenden lebhaften Diskussion wurde festgestellt, dass es gute Ansätze zu förderlichen Projekten gäbe, diese aber in der Umsetzung einfach zu lange dauern. Ferner wurde bemängelt, dass es bis heute keine landesweit gültige Haltungsverordnung, etwa für Rinder, gäbe. In dem breit gefächerten Meinungsspektrum wurde unter anderem die Bezeichnung „Tierwohl“ generell infrage gestellt, wo doch die Tiere zu unserem Nutzen getötet würden. Ein Landwirt bestritt gar, dass es überhaupt ausreichende Unterstützung für seinen Betrieb seitens der Behörden gäbe.

Als Resümee der Veranstaltung wurde festgestellt, dass zwar noch immer beim Thema Tierschutz in der Landwirtschaft vieles im Argen liege, sich jedoch andererseits eine Menge in positiver Hinsicht bewege. Dabei „nicht nachzulassen“ sei das Gebot der Stunde und auch in Zukunft.

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