Kolbermoor – Die jüngste Hitzewelle macht die Auswirkungen des Klimawandels auch in Kolbermoor deutlich spürbar. Vor diesem Hintergrund luden die Grünen Kolbermoor zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Klimaschutz bei uns in Kolbermoor“ ein, wie die Partei mitteilt. Vorstandssprecher Uwe Reusche begrüßte dazu den Klimaschutzmanager der Stadt, Thomas Ertl, der über aktuelle Maßnahmen und Angebote berichtete.
Ein zentrales Beispiel für das Engagement vor Ort ist der Verein Energieberatung Kolbermoor, der Bürger unabhängig und fachkundig beim Reduzieren ihres Energieverbrauchs oder beim Umstieg auf umweltfreundliche Systeme unterstützt. Neben individueller Beratung bietet der Verein Themenabende an. Informationen zu den Aktivitäten sind auf der Website www.energieberatung-kolbermoor.de abrufbar.
Die Stadt Kolbermoor setzt in Sachen Klimaschutz seit Jahren auf technische Maßnahmen: Die Straßenbeleuchtung wurde auf LED umgerüstet, was sowohl den Energieverbrauch senkt als auch den Insektenschutz verbessert. In städtischen Einrichtungen sorgen smarte Thermostate für eine effizientere Heizsteuerung.
Bei den Liegenschaften der Stadt bestehen derzeit unterschiedliche Heizlösungen: Ein Kindergarten wird mit Fernwärme versorgt, der Sportplatz Am Rothbachl nutzt eine Wärmepumpe für die Umkleidekabinen, während in der Adolf-Rasp-Schule weiterhin Gasthermen im Einsatz sind.
Besonders engagiert zeigt sich Kolbermoor im Bereich Photovoltaik. Bereits 2002 wurde mit dem Verein „Sonnenstrom Kolbermoor“ der Grundstein gelegt. Nach Angaben von Stadt- und Kreisrätin Andrea Rosner gibt es inzwischen 1070 PV-Anlagen auf Dächern mit einer installierten Leistung von 11730 Kilowatt. Hinzu kommen 223 Balkon-PV-Anlagen, die aktuell mit 213 Kilowatt etwa zwei Prozent der Gesamtleistung beitragen. Ein Blick auf das Klima-Dashboard der Bundesnetzagentur zeige, dass Kolbermoor auch im landesweiten Vergleich gut dastehe.
Ein zentrales Thema des Abends war die kommunale Wärmeplanung. Klimaschutzmanager Thomas Ertl betonte die Herausforderungen, die sich aus der Vielfalt der Heizsysteme ergeben. Ziel sei es, die Wärmeversorgung langfristig klimaneutral zu gestalten. Laut Zahlen aus dem Zensus 2022 heizen 40,3 Prozent der Haushalte mit Gas, 38,6 Prozent mit Heizöl, 7,6 Prozent mit Holz, 5,4 Prozent mit Wärmepumpen, Solar oder Geothermie, 4,8 Prozent mit Fernwärme und 2,9 Prozent mit Strom. Die Arbeitsgemeinschaft Fernwärme erarbeitet derzeit zusammen mit der Firma Inn-Energie und einem Fachplaner ein Konzept, das laut Gesetz bis Montag, 30. Juni 2028, vorliegen muss.
In der abschließenden Diskussion standen die Eigeninitiativen der Bürger im Mittelpunkt. Themen waren unter anderem Wärmedämmung, sparsamer Wasser- und Warmwasserverbrauch, Entsiegelung von Flächen sowie der Einsatz neuer Luft-Luft-Wärmepumpen anstelle von Gasthermen. Windkraft spiele laut Ertl aufgrund der örtlichen Windverhältnisse keine Rolle.
Angesichts globaler Unsicherheiten und Kriege sei die Unabhängigkeit von fossilen Energien und der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energiequellen auch in Kolbermoor dringlicher denn je.