Kolbermoor – Ende April eingerichtet, dauerte es letztlich nur wenige Tage, bis die Baustelle an der Flurstraße in Kolbermoor das Blut einiger Verkehrsteilnehmer in Wallung brachte. Die Aufregung gipfelte letztlich in einer Würge-Attacke auf einen Bauarbeiter sowie einem Angriff auf ein mobiles Blitzgerät an der Bergstraße. Doch seitdem scheint Ruhe eingekehrt zu sein, wie Polizei und Stadt gegenüber dem OVB bestätigen.
„Mehr Sicherheit und Komfort für Schulkinder, Personen mit Kinderwagen und Rollator sowie alle, die zu zweit nebeneinander gehen möchten“ – das ist nach Angaben der Stadt das Ziel, das durch die Umgestaltung der Flurstraße erreicht werden soll. Dazu wird seit Ende April der Geh- und Radweg auf Höhe des Unternehmens Textilservice Stangelmayer GmbH verbreitert, im Gegenzug die Fahrbahn im Bereich der Unterführung verengt. Des Weiteren wird dort die Treppenanlage, die von der Flur- zur Bergstraße hinaufführt, neu gestaltet.
Baufortschritt
ist „im Soll“
Arbeiten, die allerdings dazu führen, dass die Flurstraße seit Ende April für den motorisierten Verkehr gesperrt ist. Was zumindest bei einem Autofahrer die Sicherung durchbrennen ließ. Der 37-jährige, offensichtlich alkoholisierte Autofahrer, hatte am 12. Mai, nachdem er von einem Bauarbeiter an der Durchfahrt gehindert worden war, diesen mit einem Schlagstock in der Hand attackiert und letztlich am Hals gepackt und gewürgt. Der Angreifer musste von Polizisten abgeführt werden.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich nur fünf Tage später in der Bergstraße, über die der Umleitungsverkehr geführt wird. Um die Verkehrsteilnehmer auf dieser Strecke, auf der viele Fußgänger auf einem nicht befestigten Fußweg unterwegs sind, für das dort geltende Tempolimit zu sensibilisieren, hatte der seitens der Stadt für die Verkehrsüberwachung beauftragte Zweckverband Kommunale Dienste Oberland dort einen Blitzeranhänger aufgestellt. An dem machten sich in der Nacht auf 17. Mai bislang unbekannter Täter zu schaffen und besprühten das Gerät mit roter Farbe.
Nun scheint sich die Situation rund um die Baustelle aber beruhigt zu haben. „Seitdem gab es keine derartigen Vorfälle mehr“, teilt eine Sprecherin der Polizeiinspektion Bad Aibling auf OVB-Anfrage mit. Eine Aussage, die auch die Stadt bestätigen kann. Und auch das Problem potenzieller Temposünder an der Bergstraße hat sich scheinbar aufgelöst. So hat die Stadt nach Angaben von Christian Poitsch, Leiter des Stadtmarketings und Sprecher der Stadt, seitens der Bürger zu Beginn der Sperrung einige Beschwerden „über die hohe Geschwindigkeit“ auf der Umleitungsstrecke gehabt. Diese sei aber durch „die vermehrten Geschwindigkeitskontrollen abgestellt“ worden.
Und wie läuft‘s insgesamt mit den Bauarbeiten rund um die Flurstraße? „Trotz einiger unvorhergesehener Arbeiten, vor allem im Bereich der Fremdleitungen, ist der Baufortschritt im Soll“, teilt Poitsch mit. Parallel zu den Umbauarbeiten der Straße sind dort nach Angaben der Stadt auch „etliche Anpassungsarbeiten weiterer Versorgungsträger wie Bayernwerk, Telekom und Stadtwerke Rosenheim“ durchgeführt worden. „Hierbei kam es immer wieder auch zu kleineren und größeren Überraschungen, auf die zu reagieren war“, berichtet der Leiter des Stadtmarketings. „So wurden zum Beispiel Leitungen in etwas anderer Lage oder geringerer Tiefe als erwartet angetroffen.“ Doch diese zum Teil „umfangreichen Arbeiten“ seien nun „größtenteils abgeschlossen“, wodurch die Unwägbarkeiten „immer weniger“ würden.
Zudem hatte die Stadt in einer „konzentrierten gemeinsamen Aktion“ mehrerer Firmen und Fachangestellten des Wasserwerks Kolbermoor vier alte Wasserschieberkreuze, deren Absperreinrichtung nicht mehr funktionsfähig war, in Flur- und Stettnerstraße erneuert. „Hierdurch wurde die Versorgungssicherheit für die Anwohner und auch einiger wichtiger angeschlossener gewerblicher Abnehmer deutlich verbessert und das Netz ist damit nun insgesamt störungssicherer.“
In puncto Straßenumbau sind mittlerweile alle neuen Straßensinkkästen zusammen mit den dazugehörigen Leitungen erstellt und an den bestehenden Kanal angeschlossen, wohingegen nicht genutzte Altkanäle rückgebaut worden sind. „Mittlerweile kann sowohl nördlich als auch südlich der Eisenbahnunterführung sukzessive mit der Erstellung der neuen Einfassung und Oberflächen begonnen werden“, so Poitsch weiter.
Autofahrer
befürchten Staufalle
Zudem läuft aktuell der Einbau der neuen Bordsteine an der Einmündung zur Wiesenstraße. In den kommenden Wochen sollen nun die Einfassungen und Pflasterungen fertiggestellt sowie die Treppe zur Bergstraße abgerissen und neu gebaut werden. Dann soll‘s Ende August beziehungsweise Anfang September an die Asphaltbauarbeiten sowie die Markierungsarbeiten gehen. „Nach dem momentanen Stand der Arbeiten, ist mit der Fertigstellung vor Schulbeginn zu rechnen“, gewährt Poitsch einen Einblick in den Zeitplan.
Ob der ganze Ärger rund um den Umbau an der Flurstraße dann aber völlig ausgestanden ist, wird sich letztlich aber erst zeigen, wenn die Straße bereits wieder einige Tage für den Verkehr freigegeben ist. Denn einige Verkehrsteilnehmer befürchten, dass durch die Verengung der Fahrbahn an der Unterführung die wichtige Verbindungsstraße zwischen Kolbermoor und Großkarolinenfeld für Autofahrer zur Staufalle wird. Eine Angst, die die Stadt für unbegründet hält, wie Poitsch bereits Mitte Mai erklärte. „Die Engstelle Bahnunterführung gab es bisher schon“, argumentierte der Stadtsprecher damals. „Zukünftig sind allerdings der Durchgang für Fußgänger und die Durchfahrt für Radfahrer, vor allem auch für die Schulkinder, sicher und gefahrlos.“