Kolbermoor – Es soll nicht nur ein Blickfang im Herzen der Stadt werden, sondern auch in puncto Nachhaltigkeit glänzen: Mehr als elf Millionen Euro will die Stadt Kolbermoor für ein Parkhaus in Holzbauweise, das direkt am Kolbermoorer Bahnhof zwischen Haßlerstraße, Tonwerkunterführung und der Bahnlinie entstehen soll, in die Hand nehmen. Dazu hat der Stadtrat am vergangenen Mittwochabend mit großer Mehrheit (17:5) der Stadtverwaltung den Auftrag erteilt, die weiteren Planungsschritte zu veranlassen und die Realisierung der Baumaßnahme vorzubereiten. Vorausgegangen war der Abstimmung eine kontroverse, von der CSU-Fraktion angestoßene Diskussion über günstigere Alternativen.
Acht Halbebenen, auf denen 236 Pkw Platz finden sollen: Diese Dimensionen soll das Parkhaus an der Haßlerstraße bekommen, das nach Angaben der Planer als „Gelenk zwischen Altstadtkern und Bahnhof“ dienen soll. Die Zufahrt der Fahrzeuge ist über die Haßlerstraße angedacht, eine Videokontrolle ohne Schranke soll die Einfahrt schnell und unkompliziert machen. Ein Drittel der Stellplätze – also rund 80 – wird dabei, wie gesetzlich vorgeschrieben, zum Laden mit Strom vorbereitet. Der Haupteingang mit Kassenautomat soll über die Rainerstraße erfolgen, für Rollstuhlfahrer soll zudem ein barrierefreier Zugang zur Fußgängerbrücke über die Tonwerkunterführung ermöglicht werden. Auch eine WC-Anlage mit behindertengerechten Toiletten findet sich in den Planungen wieder.
Einer der Höhepunkte der Anlage soll zudem der sogenannte Stadtbalkon sein. Er ermöglicht den Parkenden nicht nur einen Blick über das Stadtzentrum. An ihm soll sich auch eine üppige Bepflanzung in die Höhe ranken. Eine Dachbegrünung ist ebenfalls vorgesehen, des Weiteren die Vorbereitung für eine mögliche Solaranlage, die aber noch nicht Gegenstand der Planungen ist.
Busgarage soll rund
300000 Euro kosten
In puncto Kosten für das Parkhaus gehen die Planer nach derzeitigem Stand von einem Betrag von rund 11,1 Millionen Euro aus. Hinzu kommen weitere 300000 Euro für eine Busgarage, die am westlichen Gebäuderand untergebracht werden soll und deren Anfahrt über den Kreisverkehr an der Haßlerstraße geregelt wird.
Die siebenstelligen Kosten haben bei der CSU-Fraktion jedoch extreme „Bauchschmerzen“ ausgelöst, sodass bereits im April in der Stadtverwaltung ein Antrag eingegangen war, in dem die Christsozialen forderten, auch eine konventionelle Bauweise zu untersuchen. Zudem bat die CSU-Fraktion darum, die ökologischen Fußabdrücke beider Bauweisen zu vergleichen, um beurteilen zu können, ob etwaige Sparmaßnahmen eventuell in anderen nachhaltigen Projekten besser angelegt sind.
Nach Angaben der Planer könnte beim Bau mit Beton anstelle von Holz rund eine Million Euro eingespart werden. Beim Thema Fußabdruck sei der Holzbau allerdings deutlich im Vorteil, da der Bau in diesem Fall nicht nur CO2 verbrauche, sondern das Holz auch jede Menge Kohlendioxid binde, die Stadt somit durch das Votum „eine Entscheidungsgewalt über 2200 Tonnen CO2“ habe. Was aktuell der Menge an Kohlendioxid entspricht, die jährlich von rund 211 Menschen produziert wird.
„Im Ergebnis ist festzustellen, dass mit einer Umplanung in ein Gebäude mit Stahlbetontragwerk, ähnlich wie am Rathaus, eine Einsparung von unter einer Million Euro erzielbar wäre“, kommentierte die Stadtverwaltung den Vergleich. „Da jedoch die Objektplanung ab der Vorplanung und die Tragwerksplanung und der Brandschutznachweis komplett neu erstellt werden müssten, vermindere sich dieser Betrag nochmals deutlich.“
Eine „signifikante Kostenreduzierung“ ist nach Angaben der Stadtverwaltung wohl nur bei einer „Systembauweise eines einschlägigen Parkhausherstellers“ möglich. Was die CSU-Fraktion daher anschließend einforderte. „Es dürfte ja keine großen Schwierigkeiten machen, sich da ein Richtpreisangebot von einem Systembauer einzuholen“, sagte beispielsweise CSU-Stadtrat Gerhard Duschl. „Elf Millionen sind schließlich sehr viel. Da auf Vermutungen zu setzen, dafür steht zu viel auf dem Spiel.“
Für Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoor) hingegen waren die Ausführungen zum Vergleich der verschiedenen Bauweisen deutlich genug. „Ich finde es sehr hilfreich, dass die CSU diesen Antrag gestellt hat“, sagte der Zweite Bürgermeister der Stadt. „Denn es hat mir aufgezeigt, dass die Entscheidung, dass wir es in Holzbauweise machen, einfach die richtige ist.“
Auch AfD-Rat Christian Demmel betonte, dass es sinnvoll sei, dort „lieber was Gescheites oder gar nichts“ zu machen. Er wollte von Bürgermeister Peter Kloo (SPD) aber dennoch wissen, ob die Haushaltslage der Stadt diese Investition überhaupt hergebe. Eine Frage, die Kloo mit Ja beantwortete, allerdings einschränkte: „Ich weiß natürlich nicht, wie es finanziell in zehn Jahren aussieht.“ Er forderte die Stadträte dazu auf, Mut zu beweisen und den Bau auf den Weg zu bringen: „Auch das Rathaus hätten wir uns damals nicht leisten dürfen – aber Gott sei Dank haben wir es gemacht.“ Schließlich werden „uns die Bürger nicht fragen, ob wir in zehn Jahren einen Schuldenstand von 20 oder 25 Millionen Euro haben werden, sondern ob unsere Stadt lebenswert ist oder nicht.“
Hohe Investition
trotz Haushaltslage
Argumenten, denen ein Großteil des Stadtrats schließlich folgte. Der Antrag der CSU, die Kosten für ein Parkhaus in Systembauweise zu ermitteln, wurde mit fünf zu 17 Stimmen abgelehnt, die Planungen in Holzbauweise fortzusetzen hingegen mit 17 zu fünf Stimmen angenommen. Worüber sich unter anderem Andrea Rosner (Grüne) freute: „Wird das ein Tempel für Autos? Das weiß ich nicht. Es wird aber auf jeden Fall ein nachhaltiges Projekt in Holzbauweise und ein richtiges und wichtiges Projekt für unsere Kinder.“