Gefahr durch eingeschleppte Japankäfer

von Redaktion

In Deutschland fürchtet man den Japankäfer, da er in der Natur großen Schaden anrichten kann. Die invasive Art ist nun erneut in Lindau entdeckt worden, was die Alarmbereitschaft erhöht. Doch warum taucht auch Kolbermoor in dem Zusammenhang auf?

Kolbermoor – Es ist wieder passiert: In der Nähe von Lindau am Bodensee wurden kürzlich fünf männliche Japankäfer in den Fallen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gefunden. Dies kam 2024 schon einmal vor, seitdem überwacht die LfL das Auftreten des Quarantäneschädlings in Bayern mit über 80 Fallen, welche entlang von Verkehrswegen und an Risikostandorten aufgestellt sind. Medienberichten zufolge fand man den schädlichen Käfer im Vorjahr auch in Kolbermoor. Doch stimmt das wirklich und wie geht man hier mit der Gefahr um?

Erste Funde in Bayern
vor knapp einem Jahr

Klar ist: Vor knapp einem Jahr wurden die ersten Funde in Bayern gemeldet. Zunächst fand man den meldepflichtigen Quarantäneschädling in Lindau, etwas später führte die Spur des Japankäfers auch in den Landkreis Rosenheim nach Kiefersfelden.

Derzeit ist in Berichten auch von Funden in Kolbermoor die Rede, was die Landesanstalt für Landwirtschaft auf OVB-Nachfrage nun jedoch nicht bestätigen konnte. „Vielleicht liegt da eine Verwechslung vor, da in Kolbermoor ja der Asiatische Moschusbockkäfer eine Rolle spielt“, vermutet ein LfL-Sprecher.

Und auch wenn 2025 bislang nur in Lindau der Japankäfer entdeckt wurde, gehöre die Region durchaus zu den potenziellen Gefahrenbereichen. „Eben alles, was in der Nähe der Grenze liegt, weil der Käfer hier eingeschleppt werden könnte“, sagt der Sprecher. Auch deshalb habe man hier mit der Aufstellung der zahlreichen Fallen reagiert.

Die Erhebungen um die entsprechende Falle herum habe bis jetzt keine weiteren Anzeichen für das Auftreten des Japankäfers ergeben. Die Fallen im Umkreis von 1000 Metern wiesen keine weiteren Käfer auf. Auch Fraßschäden an Pflanzen oder der Grasnarbe konnten nicht entdeckt werden, so die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft.

Sehr großes
Schadenspotenzial

Der Japankäfer ist als „prioritärer Unionsquarantäneschädling“ in der EU eingestuft und meldepflichtig. Er gehört damit zu den 20 Schädlingen mit dem größten zu erwartenden Schadpotenzial, wenn er eingeschleppt wird. Die Einstufung beruht zum einen darauf, dass der Käfer schnell hohe Populationsstärken erreicht, weil er sich massenhaft vermehren kann, und zum anderen darauf, dass er „polyphag“ ist, weil er mehr als 400 Pflanzenarten attackiert. Dazu zählen etwa viele Obstkulturen, Wein oder Mais, aber auch Zierpflanzen und Bäume wie Ahorn, Birke oder Linde.

Bei auftretendem Befall erfolgt oft ein Kahlfraß, nach dem von der Pflanze nur die Blattadern und der Stängel beziehungsweise Stamm übrig bleiben. Ein Szenario, von dem auch Kolbermoors Stadtgärtner Simon Reiter weiß. „Wenn das passiert, können beispielsweise die Bäume regelrecht absterben.“

Deshalb würde man auch in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt werden, sollten in Kolbermoor Japankäfer auftauchen. „Davon ist mir aber nichts bekannt, auch nicht aus dem Vorjahr“, gibt Reiter Entwarnung. Dem Stadtgärtner zufolge handele es sich beim Japankäfer um eine „invasive Art“, die bislang glücklicherweise in Deutschland nur in Einzelfällen aufgetreten sei. „Das Gefährliche an ihm ist, dass er über 300 Wirtspflanzen hat, die er befällt.“

Mitreisender in
Verkehrsmitteln

Der Japankäfer habe somit hierzulande keinen natürlichen Gegenspieler. „Bis sich das hier in der Natur regelt, würde es Jahre dauern. Und in dieser Zeit kann der Japankäfer natürlich erheblichen Schaden anrichten“, so Reiter. Ziel sei deshalb immer, invasive Arten so gut es geht einzudämmern, „damit Flora und Fauna hier möglichst viel Zeit haben, sich auf die Umstände anzupassen“.

Laut LfL gibt es bis jetzt in Europa nur in Italien und der Schweiz mit dem Japankäfer befallene Gebiete. Deshalb werden Verkehrswege aus diesen Ländern nach Deutschland, Umschlagplätze für Waren aus diesen Ländern sowie grenznahe Gebiete überwacht. „Der Käfer breitet sich nach der Etablierung einer Population anfangs nur mit einer Geschwindigkeit von ein bis fünf Kilometern pro Jahr aus. Doch er überwindet auch wesentlich größere Entfernungen, indem er in Verkehrsmitteln mitreist“, heißt es seitens des Landesamtes. Auch die jetzt in der Nähe von Lindau gefangenen Käfer könnten deshalb Mitfahrer aus den Befallsgebieten in Italien und der Schweiz sein.

In Deutschland wurden bislang nur in Baden-Württemberg und Bayern Käfer in Fallen gefangen. Zum jetzigen Zeitpunkt geht man davon aus, dass diese Käfer nicht in Deutschland geschlüpft sind. Es sei jedoch auch in Deutschland jederzeit mit der Ansiedelung des Japankäfers und der nachfolgenden Ausweisung von Befallsgebieten durch die Pflanzenschutzdienste der Länder zu rechnen.

Funde per
E-Mail melden

Informationen zum Aussehen des Japankäfers und Verwechslungsmöglichkeiten erhält man auf der Homepage der LfL unter www.lfl.bayern.de. Wer glaubt, einen Japankäfer in Bayern gefunden zu haben, fängt ihn möglichst lebend ein und sendet ein Foto mit Angabe der Fundstelle per E-Mail an popillia@lfl.bayern.de.

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