Leni fordert Sommerleseclub für jüngere Kinder

von Redaktion

Aus der zweiten Klasse der Mangfall-Schule dürfen fast alle Schüler am Sommerleseclub der Stadtbücherei Kolbermoor teilnehmen. Nur zwei nicht – eine davon ist Sophie, denn sie ist zu jung. Ihre große Schwester Leni fand das ungerecht und startete eine Unterschriftenliste. Das sagt die Stadtbücherei Kolbermoor dazu.

Kolbermoor – Es sind wieder Sommerferien: Das bedeutet für viele Kinder Ferienprogramm. Auch für Leni aus Kolbermoor. Sie ist in der vierten Klasse und nimmt dieses Jahr zum dritten Mal am Sommerleseclub der Stadtbücherei Kolbermoor teil. Sie liest gerne, genauso wie ihre kleine Schwester Sophie. Die ist erst sieben Jahre alt, aber schon in der zweiten Klasse. Dadurch, dass sie erst nach den Sommerferien acht wird, kann sie nun aber nicht wie ihre anderen Klassenkameraden am Leseclub teilnehmen.

Teilnahme erst
für Kinder ab acht

Denn der Leseclub ist erst ab acht Jahren. Eine Tatsache, die ihre Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung veröffentlicht sehen möchte, bereits hat kommen sehen. So hat sie schon im Jahr zuvor bei der Stadtbücherei angefragt, ob man an der Problematik etwas machen kann. Doch weitergekommen ist sie damit nicht. Auch die Klassenlehrerin und die Direktorin von Sophie haben laut der Mutter mit der Bücherei geredet, konnten aber nichts bewirken. So können Sophie und ein weiterer Schüler aus der zweiten Klasse der Mangfall-Schule nicht am diesjährigen Sommerleseclub teilnehmen.

Das, obwohl der Club extra in den zweiten Klassen vorgestellt wird. „An dem Tag war Sophie sehr traurig und kam weinend nach Hause, weil sie das so gemein fand, dass sie nicht teilnehmen darf“, erzählt ihre Mutter. Das fand ihre große Schwester Leni so ungerecht, dass sie etwas dagegen tun wollte. Also setzte sie etwas um, das sie erst in der Schule gelernt hatte.

Ein Bürgerbegehren – oder in diesem Fall ein „Schülerbegehren“. „Ich habe in der Schule gelernt, wie ein Bürgerbegehren funktioniert und dachte mir, das kann man auch als Kind machen“, erklärt Leni. Und so entwarf sie eine Unterschriftenliste mit der Forderung, den Sommerleseclub der Stadtbücherei Kolbermoor bereits für Kinder ab der ersten Klasse zu öffnen. „Ich wünsche mir, dass es keine Ausgrenzung mehr für Kinder gibt, die gerne beim Sommerleseclub mitmachen würden. Denn Lesen ist einfach unglaublich wichtig und das braucht jeder Mensch“, sagt Leni zu den Hintergründen. Innerhalb von drei Tagen hatte sie schon 153 Unterschriften gesammelt. Dabei konnte sie viele Mitschüler und Eltern für ihr Anliegen gewinnen.

Die Stadtbücherei Kolbermoor steht einer Absenkung der Altersgrenze jedoch kritisch gegenüber. Ihr zufolge wurde das Alter in den vergangenen Jahren bereits mehrmals gesenkt und eine weitere Senkung sei aus pädagogischer Sicht nicht sinnvoll. „Beim Leseclub steht nicht im Vordergrund, wie gut ein Kind lesen kann, sondern Kinder zum Lesen zu ermuntern und ihnen die Stadtbücherei näherzubringen“, erklärt Christian
Poitsch vom Stadtmarketing Kolbermoor auf Anfrage des Mangfallboten.

Das Konzept an sich stößt auch auf positives Feedback. So auch bei Leni. Von den zweimal, in denen sie bereits an dem Programm teilgenommen hat, war sie begeistert. „Ich fand es richtig cool. Da kann man sich mit seinen Freunden in der Bücherei treffen und sich über Bücher austauschen“, sagt die Viertklässlerin. Ihrer Mutter zufolge haben Leni und ihre Freunde sogar eine Challenge daraus gemacht, wer wie viele Bücher liest.

Umso mehr möchte natürlich auch die kleine Schwester Sophie mitmachen, denn sie liest auch gerne. Über Lenis Aktion mit der Unterschriftenliste habe sie sich gefreut, sagt ihre große Schwester. Und auch ihre Mutter ist von dem „Schülerbegehren“ beeindruckt: „Ich finde es super, dass sie das macht und sich getraut hat, da auf andere zuzugehen. Ich finde das mutig und glaube, ich hätte mich das nicht getraut.“

Unterschriften
werden übergeben

Die gesammelten Unterschriften möchte Leni an die Stadt Kolbermoor übergeben. Einen Termin gibt es dafür auch: Am Montag, 1. September, trifft sich die Viertklässlerin mit der Dritten Bürgermeisterin von Kolbermoor, Sabine Balletshofer. Ob das etwas an der Position der Bücherei ändern wird, ist unklar. Poitsch vom Stadtmarketing sagt dazu: „Auch durch eine Unterschriftenliste bleibt das Alter des Kindes gleich.“ Außerdem sei es gegenüber anderen Kindern ungerecht, die Altersgrenze nachträglich zu reduzieren, da sie in der Ausschreibung bei acht Jahren lag.

Für dieses Jahr scheint es, als könnte Lenis Unterschriftenliste nichts bewirken. Doch vielleicht für nächstes Jahr. Den Vorschlag, die Bedingungen zur Teilnahme am Sommerleseclub formal von „acht Jahren“ auf „ab der zweiten Klasse“ zu ändern, werde Poitsch zufolge intern für 2026 diskutiert. Das würde Lenis Forderungen etwas entgegenkommen.

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