Kolbermoor – In den 1980er- Jahren schwappte die BMX-Welle, befeuert durch den Kultfilm E.T. von Steven Spielberg, nach Deutschland. Auch in Kolbermoor sprang der Funke schnell über: Einige Jungs bauten sich auf dem Weg nach Bad Aibling, nahe der Mangfall, ihre ersten Trails im Wald. Entdeckt wurden sie vom Kolbermoorer Pfarrer Klaas, der gemeinsam mit dem begeisterten Radfahrer Erwin Hartl die Vereinsgründung und den Bau einer eigenen Bahn am heutigen Standort tatkräftig unterstützte.
Mithilfe der Stadt und lokaler Bauunternehmen entstand schließlich die BMX-Bahn in der Kolbermoorer Straße – damals noch recht improvisiert, aber mit viel Herzblut. Die BMX-Abteilung im SV-DJK Kolbermoor brachte seither zahlreiche erfolgreiche Fahrer hervor – darunter sogar zwei Weltmeister.
Der bislang größte Erfolg: 1996 holte Steffi Lechner bei der BMX-Weltmeisterschaft in Brighton (England) den Weltmeistertitel. Bei derselben Veranstaltung belegte Klaus-Dieter Brunn den dritten Platz in der Klasse 40 plus. 2003 folgte Alexander Rockenberg mit einem weiteren Weltmeistertitel in der Klasse 34–39 in Perth (Australien). Anfang August dieses Jahres durfte die Abteilung ein weiteres Highlight feiern: Erich Grabichler wurde Vizeweltmeister. Besonders stolz ist die Abteilung auch auf ihre „Urgesteine“ – Fahrer, die seit Jahrzehnten aktiv sind oder über ihre Kinder wieder zurückgefunden haben. Ihre Technik, Erfahrung und Leidenschaft führten zu einer beeindruckenden Erfolgsbilanz: mehrere deutschen Meistertitel, Top-Platzierungen bei Europacup-Rennen und Finalteilnahmen bei Weltmeisterschaften. Doch die Nachwuchsarbeit gestaltet sich aktuell schwierig. Zwar gibt es immer wieder Ausnahmetalente, doch die heutigen Anforderungen sind enorm gestiegen. Moderne BMX-Strecken sind höher, schneller und technisch komplexer – mit steileren Kurven und anspruchsvolleren Hindernissen. Eine Infrastruktur, die die bestehende Bahn in Kolbermoor nicht mehr leisten kann.
Deshalb setzt sich die Abteilungsleitung seit Jahren für einen Neubau ein. Ursprünglich war ein Standort im Süden Kolbermoors angedacht, inzwischen wird seit über drei Jahren am bestehenden Gelände geplant. Erste Entwürfe entstanden in Eigenregie, gemeinsam mit dem Hauptverein und der Stadt Kolbermoor wurden Kostenschätzungen erarbeitet. Von Anfang an stand die Stadt hinter dem Projekt und unterstützt es finanziell wie ideell. Was früher mit einfachen Mitteln umzusetzen war, ist heute ein Großprojekt: Planungen, Kostenschätzungen, Einholen von Angeboten, Überzeugungsarbeit bei vielen Beteiligten und die Gewinnung von Unterstützern – all das macht den Bau einer modernen BMX-Anlage zu einer Mammutaufgabe. Vor allem, weil es sich eben nicht um ein Standardprojekt handelt. Ein Fußballfeld lässt sich mit bekannten Verfahren errichten – eine BMX-Bahn dagegen erfordert spezielles Know-how. Nach den ersten Kostenschätzungen wurden Bauunternehmen angefragt – doch viele winkten ab. Grund: Es fehlten Statik und Detailplanung, zudem ist eine BMX-Bahn für die meisten Firmen kein Routineprojekt. Unterstützung kam schließlich vom Ingenieurbüro ilp2 aus Rosenheim, dessen radbegeistertes Management sofort bereitstand. Es begleitet die technische Planung des Startbergs und einer neuen Betonkurve. Erste Ergebnisse werden zum Ende der Sommerferien erwartet. Anschließend sollen Angebote eingeholt und Förderanträge gestellt werden. Auch die Stadt Kolbermoor hat ihre finanzielle Beteiligung zugesichert. Die Abteilung selbst bringt Eigenleistungen ein, und der Hauptverein unterstützt nach Kräften.
Das Ziel ist klar: Noch in diesem Jahr sollen die ersten Vorarbeiten beginnen, und 2026 – nach dem traditionellen Trainingslager – soll die neue Strecke eingeweiht werden.
Damit dieser Traum Wirklichkeit wird, braucht die Abteilung weiterhin tatkräftige Unterstützung. Ob durch finanzielle Mittel, handwerkliche Hilfe oder Materialspenden – jede Hilfe zählt. Besonders willkommen wäre kieshaltiges Aushubmaterial, das direkt beim Bahnbau verwendet werden könnte. Anstatt es zu entsorgen, könnte es den Weg nach Kolbermoor finden und dort einen wichtigen Beitrag leisten. Wer helfen möchte oder Ideen zur Unterstützung hat, ist herzlich eingeladen, sich an die BMX-Abteilung des SV-DJK Kolbermoor zu wenden. Jeder Kontakt und jede Hilfe bringt die Vision einer neuen BMX-Strecke ein Stück näher – und damit die Chance, dass Kolbermoor auch in Zukunft BMX-Talente „von der Mangfall zur Weltspitze“ hervorbringt. re