Mangfalltal – Die Ampel-Koalition hatte es im Herbst 2024 als große Entlastung für Hotels in Deutschland angekündigt und die Entlastung sogar mit einem Wert versehen: Auf einen Entlastungseffekt von 62 Millionen Euro bezifferte die damals von Bundeskanzler Olaf Scholz angeführte Bundesregierung den Wegfall der Hotel-Meldeplicht für inländische Gäste ab 1. Januar 2025. Diese verabschiedete der Bundestag schließlich im Rahmen des vierten Bürokratieentlastungsgesetzes.
Keine Entlastung
zu spüren
Mussten bis 31. Dezember 2024 Hotelgäste beim Einchecken an der Rezeption noch handschriftlich Namen und Meldeanschrift angeben sowie das Formular unterschreiben, fällt dieser Vorgang seit Beginn des Jahres für inländische Gäste weg. Wobei Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland, bereits vor der Abstimmung Kritik an dem Vorhaben äußerte.
Vor allem die Unterscheidung zwischen in- und ausländischen Gästen hatte Luthe gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) moniert: „Das ist nicht in unserer DNA, Gäste unterschiedlich zu behandeln“, so Luthe damals. „Da erwarten wir durchaus Stress und Nachfragen an der Hotelrezeption.“ Diese Befürchtung hat sich zwar für Hotels im Mangfalltal scheinbar nicht bestätigt. Doch von der angekündigten Entlastung durch das Gesetz spüren die Hoteliers nichts. „Für uns ist dadurch nichts weggefallen“, sagt beispielsweise Ludwig Demmel, Geschäftsführer des Hotels Garni Demmel in Bruckmühl.
Zwar müsse er die Formulare nicht mehr weitergeben, doch aufgrund der Europäischen Datenschutzverordnung sei er weiterhin verpflichtet, sich seitens des Gastes eine Erlaubnis einzuholen, dessen Daten weiterverarbeiten zu dürfen. Und so lange ein Gast nicht anonym anreise und in bar zahle, was laut Demmel so gut wie nicht vorkommt, würden eben Daten des Gastes erhoben.
Genau genommen habe ihm das neue Gesetz sogar eine Zusatzaufgabe beschert, denn: „Wenn jemand eincheckt und beispielsweise Müller heißt, muss ich jetzt ja erst mal klären, ob er nicht etwa aus Österreich oder aus der Schweiz kommt.“ Denn als ausländischer Gast müsse er die Meldeformulare ja weiterhin ausfüllen und unterzeichnen. Demmel: „Man könnte sogar sagen, dass ich jetzt ein bisschen mehr Arbeit damit habe.“
So weit will Rainer Lechner, Geschäftsführer des Aschbacher Hofs in Feldkirchen-Westerham, zwar nicht gehen. Eine Arbeitserleichterung sieht er im Wegfall der Meldepflicht für inländische Gäste dennoch nicht. „Bei ausländischen Gästen ist die Meldung ja nach wie vor Pflicht“, erklärt Lechner. „Und bei inländischen Gästen machen wir das weiterhin auf freiwilliger Basis, da es beim nächsten Aufenthalt in unserem Hotel den Check-in erleichtern kann.“ Wobei die meisten Daten sowieso vorliegen würden, wenn die Gäste beispielsweise über Online-Buchungsportale gebucht hätten.
Die Behauptung, dass die neue Regelung zum Bürokratie-Abbau beitrage, bezeichnet Lechner als „totalen Quatsch“, die Arbeitserleichterung für seinen Betrieb sei „ bei Null“. Sein klares Urteil: „Letztlich war das eine reine Marketing-Maßnahme der Regierung.“ Nach Angaben von Lechner gäbe es andere Punkte, die den Hotels deutlich mehr Erleichterung bringen würden. Beispiel Arbeitszeitgesetz: „Wenn wir eine Wochenarbeitszeit hätten und nicht die tägliche Arbeitszeit, dann wäre uns schon viel geholfen“, sagt der Hotelier. Denn die aktuelle Regelung gehe „an der Lebensrealität vorbei“. Lechner: „Es geht nicht darum, dass unsere Mitarbeiter mehr arbeiten, sondern dass es für den Mitarbeiter und den Betrieb passgenauer gemacht wird.“
„Marketing
der Regierung“
Eigentlich gar nichts verändert hat sich übrigens für Heilbäder und Kurorte, nachdem dort die Daten aufgrund von möglichen Kur- und Fremdenverkehrsbeiträgen erfasst werden müssen. „Als der Prozess losging, dachten alle, die Welt wird dadurch neu erfunden“, erinnert sich Bad Aiblings Kurdirektor Thomas Jahn noch gut an den Start der neuen Regelungen, die er bereits damals kritisch gesehen habe. Heute sei jedem klar, dass dieser Schritt alles andere als „ein Gamechanger“ für die Hotels geworden ist.
Zumal Jahn auch mit einem Sicherheitsaspekt argumentiert. Denn er glaube nicht, dass es Hoteliers gäbe, die sich über anonyme Gäste freuen. Jahn: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Hoteliers gibt, die kein Problem damit haben, wenn sie nicht wissen, wer bei ihnen im Haus übernachtet.“