Ein Ring für den Zusammenhalt

von Redaktion

Hauptversammlung der europäischen Schmiedestädte in Kolbermoor

Kolbermoor – Kolbermoor ist eine Schmiedestadt. Daran wird der eine oder andere Kolbermoorer derzeit wieder erinnert, denn im Obergeschoss des Rathauses stellt Josef Still derzeit einige seiner Schmiedearbeiten aus. Und gewissermaßen überbrückt er damit die Zeit bis zum kommenden Sommer, wenn Kolbermoor vom 6. bis 9. August wieder ganz im Zeichen der XV. Biennale der Schmiede stehen wird.

Diese Biennale bringt auf den Punkt, weshalb sich seit 24 Jahren 18 Kommunen aus elf Nationen zu einem Ring der Schmiedestädte zusammengeschlossen haben, mit Kolbermoor als eine der Gründergemeinden: Es geht vor allem darum, ein Zeichen für Europa zu setzen, ein Europa in dem gemeinsame Ideen Grenzen und Nationalitäten überspannen.

Lokale Leuchttürme
der Tradition

Ziel ist es aber auch, das Schmiedehandwerk, eines der ältesten Gewerbe der Menschheit, zu bewahren. Die Schmiedestädte sind dabei gewissermaßen als lokale Leuchttürme gedacht, von denen aus die Erinnerung an die Tradition aber auch an die heutige Bedeutung ausstrahlt. Ausstrahlt, weil sie, so die Vorstellung, in den einzelnen Kommunen des Rings besonders lebendig ist.

Scheck für den
Wiederaufbau

Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo, bis zu Sommer der Vorsitzende des Rings der europäischen Schmiedestädte betont immer wieder die Bedeutung, die der Zusammenschluss etwa für seine Kommune gehabt hat. Kolbermoor, so sagt er, habe mit dem Niedergang der Spinnerei so etwas wie seine Identifikation verloren, zumindest vorübergehend. Das, was Selbstverständnis und Selbstbewusstsein geschaffen hat, lokales Zentrum eines wichtigen Gewerbezweiges zu sein, war binnen relativ kurzer Zeit einfach weg. Dass Kolbermoor ein Gründungsmitglied des Rings der Schmiedestädte war, habe, so Peter Kloo, da ein kleines, aber nicht zu unterschätzendes Gegengewicht geschaffen. Man hatte wieder etwas, wodurch man sich auszeichnen konnte.

So einen europaweiten Zusammenschluss, wie es der Ring der Schmiedestädte ist, über fast zweieinhalb Jahrzehnte und alle möglichen Änderungen in der politischen Landschaft Europas hinweg am Leben zu halten, benötigt intensiven Austausch. Ein fester Punkt dafür ist immer die jährliche Hauptversammlung, die in diesem Jahr in Kolbermoor stattfand und eine Besonderheit hatte: Peter Kloo wurde als Vorsitzender des Rings verabschiedet. Da er ja im kommenden Jahr sein Amt als Bürgermeister aufgibt, verliert er damit auch seine Position als Vorsitzender. Die Wahl, beziehungsweise das Warten auf deren Ergebnisse, ist aber auch der Grund, warum bislang noch kein „richtiger“ Nachfolger gewählt werden konnte. Bis nach der Wahl wird deshalb der bisherige Stellvertreter Peter Kloos, Bernhard Ruf, Bürgermeister von Bad Hall in Österreich, die Geschäfte kommissarisch weiterführen.

Den Geist des Rings zeigte schlaglichtartig aber ein anderer Höhepunkt der Hauptversammlung. Dabei war nämlich auch ein Mitglied aus Ivano Frankivsk in der Westukraine: Volodymyr Gaidar. Und er bekam auf der Hauptversammlung von den holländischen Ringstädten einen Scheck, nach Kriegsende für den Wiederaufbau zu verwenden.

„Nägel schmieden
für den Frieden“

Das Geld kam aus einer Aktion, die für die europäischen Schmiede geradezu typisch ist: „Nägel schmieden für den Frieden“ hieß das europaweite Projekt, bei dem auf vielen Schmiedeveranstaltungen Besucher gegen eine Spende von 100 Euro unter Anleitung ihre eigenen Friedensnägel schmieden konnten. Volodymyr Gaidar wiederum hatte die Reste einer Mine mitgebracht, die von Schmieden in Ivano Frankivsk bearbeitet und bemalt worden war. Beides ein großes Symbol: Die Mine mit ihrem aufgemalten Blumenfeld und Sternen stand dafür, dass zumindest bisweilen selbst Hass am Ende in Positives verwandelt werden kann.

Kleine Aktionen halten
Europa zusammen

Die geschmiedeten Nägel wiederum sollen eines in Erinnerung bringen: Das Haus von Europa wird in erster Linie nicht durch die große Politik zusammengehalten. Sondern durch viele kleine Nägel, sprich Aktionen, die für sich selber unbedeutend erscheinen mögen, als Tropfen auf einen heißen Stein, in der Summe aber große Wirkung entfalten können: In ihnen nämlich ist der Geist Europas wirklich lebendig. Und die Schmiede und damit auch Kolbermoor sind ein Teil davon.

Artikel 4 von 5