Schwere Vorwürfe von beiden Seiten

von Redaktion

Kolbermoor hat den seit zwei Jahren laufenden Pachtvertrag für den Freibad-Kiosk mit Sabahat Kayisoglu nicht verlängert. Während die Stadt den Schritt offiziell mit der Suche nach „innovativen Konzepten“ begründet, gibt es hinter den Kulissen schwere Kritik.

Kolbermoor – Im Mai 2024 hatte Sabahat Kayisoglu (58) als neue Pächterin den Kiosk im Kolbermoorer Freibad erstmals geöffnet. Jetzt wird für sie schon wieder Schluss sein. Die Stadt hat den Pachtvertrag mit Kayisoglu nicht verlängert, wie Christian
Poitsch, Leiter des Stadtmarketings und Sprecher der Stadt, gegenüber dem OVB bestätigt: „Wir haben den Pachtvertrag neu ausgeschrieben.“ Die Stadt hoffe seitens der Bewerber auf „innovativere Konzepte“. Wobei es anscheinend aber auch Kritik an der derzeitigen Pächterin gibt.

„Unfreundlich, unappetitlich und überteuert“, „Verstehen schlecht Deutsch!“, „Nicht mehr so gut, wie er mal war“: Auf einschlägigen Bewertungsportalen im Internet ist der Kiosk im Kolbermoorer Freibad in den vergangenen Wochen nicht gerade gut weggekommen. Doch das sind nach Angaben von Poitsch nicht die hauptsächlichen Gründe dafür, dass die Stadt sich entschlossen hat, den Pachtvertrag nicht zu verlängern.

„Der Pachtvertrag mit dem Pächter läuft zum Saisonende 2025 aus“, erklärt der Stadtmarketingchef. „Wir sind seit Jahren auf der Suche nach neueren gastronomischen Konzepten und Ideen fürs Freibad.“ Da die Stadt festgestellt habe, „dass eine Ausschreibung zu Jahresbeginn für manche potenziellen Interessenten deutlich zu spät kommt, haben wir dieses Jahr bereits jetzt in der laufenden Saison ausgeschrieben.“

Unterschiedliche
Preise für Gäste?

Die schlechten Online-Bewertungen für den Kiosk seien der Stadt hingegen „nicht bekannt“. Wobei Poitsch nicht verhehlen will, dass es seitens der Stadt auch Kritikpunkte gegeben haben könnte. Näher darauf eingehen will der Stadtsprecher aber nicht. „Falls es aus unserer Sicht Punkte gab im Bereich der Gastronomie, wo wir uns Verbesserungen oder Veränderungen gewünscht haben, wurde und wird dies generell mit dem jeweiligen Pächter direkt und zeitnah besprochen“, teilt er dazu mit und betont, dass hier „generell ein laufender Austausch“ stattfinde.

Aus dem Umfeld des Schwimmbads werden die Vorwürfe an die Kiosk-Betreiberin und ihr Personal dafür deutlich formuliert. So sei es Badegästen sauer aufgestoßen, dass vor allem die Aushilfskräfte teilweise gar kein Deutsch sprechen. Auch an der Speisenauswahl soll es Kritik gegeben haben. Vor allem, dass die Betreiberin auf jegliche Schweinefleischprodukte verzichten würde, habe einigen Besuchern nicht geschmeckt.

Und dann das Problem mit unterschiedlichen Preisen: So seien Badegästen für das gleiche Produkt unterschiedliche Preise berechnet worden. Daher sei der Kiosk-Betreiberin schließlich auferlegt worden, an den Kiosk-Fenstern Preislisten aufzuhängen. Was dann auch geschehen sei.

Harte Vorwürfe, die Kiosk-Pächterin Sabahat Kayisoglu nicht unkommentiert lassen will. Laut ihren Angaben seien die Preise schon immer an den Kiosk-Fenstern ersichtlich. Dass sie mit ihren türkischen Mitarbeitern auch Türkisch spreche, gibt die 58-Jährige zwar zu, findet das aber auch nicht problematisch. „Mit den Kunden spreche ich ja Deutsch“, sagt Kayisoglu. „Ich weiß nicht, wo das Problem ist, wenn ich die Bestellung auf Türkisch an den Mitarbeiter im Kiosk weitergebe.“

Falsch sei zudem die Behauptung, dass sie komplett auf Schweinefleisch in ihrem Kiosk verzichte. „Ich bin Alevitin und kein Moslem“, erklärt die 58-Jährige. „Ich habe kein Problem damit, Schweinefleisch zu servieren.“ So sei ihre Currywurst zwar aus Rind, der Darm aber ein Schweinedarm. Zudem habe sie immer wieder auch Salami-Semmeln im Sortiment, deren Belag auch Schweinefleisch enthalte.

Erneut um den Kiosk im Kolbermoorer Freibad bewerben wird sie sich nach eigenen Angaben nicht. Dass sie vom Verhalten der Stadt enttäuscht ist, daraus macht die 58-Jährige keinen Hehl. Besonders verletzt habe sie, dass die Stadt im Vorfeld nicht mit ihr gesprochen habe, sondern sie per Brief davon erfahren habe, dass der Vertrag nicht verlängert wird. „Das finde ich nicht in Ordnung.“

Und dann erhebt die Alleinerziehende noch einen schweren Vorwurf gegen die Kommune. „Im ersten Jahr als Pächterin wurde ich seitens der Stadt gebeten, meinen behinderten Sohn nicht mehr mit ins Schwimmbad zu bringen“, behauptet Kayisoglu, die nach eigenen Angaben ihren Sohn daraufhin in die Türkei zu Verwandten gebracht hat, da sie sonst nicht mehr hätte arbeiten können. Stadtsprecher
Poitsch bestätigt auf OVB-Nachfrage, dass es bezüglich Kayisoglus Sohn Gespräche mit der Pächterin gegeben habe. „Wir haben 2024 die Pächterin mehrmals auf ihre Aufsichts- und Fürsorgepflicht als Erziehungsberechtigte gegenüber ihrem Sohn hingewiesen, da wir diese zum Teil im laufenden Betrieb der Kiosk-Gastronomie und des Freibades als nicht gewährleistet ansahen.“

Doch wie geht es jetzt rund um den Kiosk weiter? Die Stadt hofft nun, dass sich schnellstmöglich ein geeigneter Betreiber findet. Wobei Poitsch bewusst ist, dass die Rahmenbedingungen vor Ort nicht optimal sind. „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir uns für die Zukunft wünschen, dass der Kiosk-Betreiber die Möglichkeit hat, seine Speisen auch an Nicht-Badegäste zu verkaufen.“ Derzeit sei das aufgrund der Lage des Kiosks nicht möglich. Es gäbe allerdings Konzepte, die einem Betreiber wirtschaftlich helfen könnten, so der Stadtmarketing-Chef. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass, wenn ein Betreiber beispielsweise dort eine Abendveranstaltung machten möchte, er seitens der Stadt unterstützt werden würde.“

Lob für „das große 50-Meter-Becken“

Freude bereitet der Stadt Jahr für Jahr auf jeden Fall das Lob, das sie für ihr Freibad bekommt. Zwar gäbe es zu Beginn der Saison oftmals auch Kritik, „weil die Stadt Kolbermoor das Wasser nicht zusätzlich mit Gas aufheizt“. Doch auch viele lobende Worte seien dabei, so beispielsweise „für die Kolleginnen und Kollegen im Bad, für ihre Freundlichkeit und Flexibilität“. Außerdem bekäme „das große 50-Meter-Becken“ von den Schwimmern immer positive Resonanz. Doch langsam werden sich die Schwimmer von diesem Becken und dem Freibad verabschieden müssen. Denn das Ende der Sommerferienzeit läutet in Kolbermoor in der Regel auch das Ende der Freibad-Saison ein. Wobei Poitsch aber verspricht: „So lange das Wetter und die Temperaturen passen, lassen wir auf.“

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