Kolbermoor – Sein Motto ist „Ein Leben für den Zirkus“: Der Österreicher Louis Knie (50) entstammt einer mehr als 200 Jahre alten Zirkusfamilien-Dynastie, die auch in Zukunft Bestand haben soll. Mitte September kommt der 50-Jährige mit seinem Circus Louis Knie, dem nach eigenen Angaben größten Zirkus Österreichs, nach Kolbermoor, um die Bürger 25-mal mit dem Programm „Celebrate!“ zu unterhalten. Mit von der Partie: Rund 60 zweibeinige und circa 60 vierbeinige „Mitarbeiter“. Worauf sich die Besucher bei den Aufführungen in Kolbermoor freuen können, wie der Zirkus auf Kritik von Tierschützern reagiert und wieso derartige Shows trotz immer größer werdendem Freizeitangebot eine Zukunft haben werden, verrät Zirkus-Chef Louis Knie im OVB-Interview.
Dass der große Circus Louis Knie im eher kleinen und beschaulichen Kolbermoor gastiert, ist ja eher einem Zufall zu verdanken. Wie kam es dazu?
Ja, das war wirklich ein schöner Zufall. Normalerweise bekommen wir bei so spontanen Anfragen eher Absagen, aber in Kolbermoor war das ganz anders. Die Stadt hat sich unglaublich bemüht und uns sogar aus Eigeninitiative einen Platz gesucht – das passiert wirklich nicht oft. Das rechne ich den Verantwortlichen sehr hoch an. Wir freuen uns, hier die Saison ausklingen zu lassen und ein neues Publikum für unseren Zirkus zu begeistern.
Einen Zirkus in dieser Größe unterzubringen, ist vermutlich nicht so leicht, nachdem beispielsweise das Zelt alleine 1200 Besucher fasst. Wie schwer war es, in Kolbermoor ein passendes Areal zu finden?
Natürlich braucht ein Zirkus unserer Größenordnung einiges an Platz – da reden wir von Zelten, Stallungen, Technik und hunderten Menschen. Aber durch die Stadt haben wir hier sehr schnell eine gute Lösung gefunden. Der Aufbau ist für uns immer eine Herausforderung, egal wo wir hinkommen. Manchmal ist es enger, manchmal härterer Boden oder schwierige Zufahrten. Aber das gehört zu unserem Alltag, wir sind das gewohnt. Wichtig ist: Wir haben hier alles, um eine große Show zeigen zu können.
25-mal wird sich in Kolbermoor der Vorhang für die Zuschauer heben: Worauf können sich die Besucher bei den Aufführungen freuen?
Die Besucher erwartet eine moderne, bunte Zirkusshow, die aber gleichzeitig unsere Tradition nicht vergisst. Wir haben internationale Artisten, spektakuläre Nummern hoch oben in der Luft, Comedy und natürlich auch unsere Tiere. Mir ist wichtig, dass das Publikum Emotionen spürt – vom Staunen bis zum Lachen. Jeder Abend soll für die Zuschauer ein Erlebnis sein, das sie nicht so schnell vergessen.
Der Circus Louis Knie ist nicht nur ein Zirkus mit langer Tradition, sondern wird oftmals auch in einem Atemzug mit ähnlichen Ensembles wie beispielsweise dem Münchner Circus Krone genannt. Was ist das Besondere an Ihrem Zirkus?
Unsere Familie macht seit über 200 Jahren Zirkus, das steckt uns einfach im Blut. Wir verbinden das, was man am Zirkus seit Generationen liebt, mit modernen Showelementen. Mir persönlich ist die Nähe zum Publikum ganz wichtig – die Menschen sollen nicht nur Zuschauer sein, sondern Teil des Abends. Genau diese Mischung macht unseren Zirkus besonders.
Seitens Tierschützern gibt es immer wieder Rufe nach einem Verbot von Tier-Nummern bei Zirkus-Ensembles. Wäre das für Ihren Zirkus überhaupt denkbar?
Für mich ist klar: Ohne Tiere wäre es nicht mehr der Circus Louis Knie. Unsere Tiere gehören zur Familie, sie sind mit uns unterwegs und werden mit viel Liebe betreut. Wir haben großzügige Stallungen, Auslauf und kümmern uns Tag und Nacht. Die Besucher sehen sofort, dass es unseren Tieren gut geht. Wer uns kennt, weiß: Hier geht es nicht um Showobjekte, sondern um Lebewesen, die wir schätzen und lieben.
Ein breiteres Freizeitangebot sowie viele digitale Angebote für Kinder und Jugendliche machen Angeboten wie dem Zirkus seit Jahren das Leben schwer. Haben Sie auch mit einem Besucherrückgang sowie wirtschaftlichen Einbußen aufgrund dieser Faktoren zu kämpfen?
Natürlich merkt man, dass die Menschen heute viel mehr Auswahl haben, wie sie ihre Freizeit verbringen. Aber ein Zirkus-Erlebnis kann man mit nichts Digitalem vergleichen. Hier sitzen mehrere Generationen zusammen, lachen, staunen, fiebern mit – das gibt es sonst kaum noch. Und ich habe das Gefühl, dass die Leute genau nach solchen echten Begegnungen wieder stärker suchen. Das macht uns optimistisch.
In Deutschland wird – beispielsweise im Bereich der Pflege oder in der Gastronomie – über den Fachkräftemangel geklagt. Gibt es den auch beim Zirkus?
Ja, den gibt es bei uns genauso. Gute Fachkräfte für Technik, Logistik oder auch die Tierpflege zu finden, ist nicht einfach. Auch bei Artisten wird es schwieriger, weil die Anforderungen und Auflagen immer größer werden. Aber wir sind ein internationaler Betrieb, wir arbeiten mit Menschen aus vielen Ländern zusammen. Und gerade diese Vielfalt macht uns als Zirkus stark.
An welchen Stellschrauben muss ein Zirkus wie der Circus Louis Knie drehen, um auch in Jahrzehnten noch bestehen zu können?
Wir dürfen nie stehen bleiben. Das heißt: Unsere Tradition bewahren, aber immer wieder mit frischen Ideen überraschen. Qualität und Emotion müssen im Mittelpunkt stehen, sonst verliert man die Leute. Solange wir die Herzen des Publikums berühren und sie für ein paar Stunden den Alltag vergessen lassen, hat der Zirkus Zukunft. Daran glaube ich fest.
Interview: Mathias Weinzierl