Fabian Mottl peilt Weltmeisterschaft an

von Redaktion

Mit seiner Teilnahme am Ironman auf Hawaii erfüllte sich der Kolbermoorer Fabian Mottl 2024 einen Kindheitstraum. Doch kann der 44-Jährige den Extremsport neben Familie und Job nun weiter betreiben? Was er nun plant und wie ihn ein schlimmes Erlebnis aus der Bahn warf.

Kolbermoor – Es glich einer kleinen Sensation, als sich der Kolbermoorer Fabian Mottl für den weltbekannten Triathlon-Wettkampf, den Ironman auf Hawaii, qualifizierte. Schließlich ist der zweifache Familienvater im wahren Leben eigentlich Marketingmanager. Doch neben Job und Familie quälte sich Mottl jahrelang für diesen Traum und ging im vergangenen Jahr tatsächlich auf der größten Insel der hawaiianischen US-Inselgruppe im Zentralpazifik an den Start.

Für den heute 44-Jährigen ein unbeschreibliches Erlebnis, das eigentlich den krönenden Abschluss seiner Leistungssport-Karriere hätte darstellen können. Eigentlich. Denn der Kolbermoorer hat doch noch nicht genug – und nach reiflicher Überlegung einen großen Plan.

Unglaubliches Erlebnis vor einem Jahr

Nach dem Wettbewerb im Oktober 2024 auf Hawaii sagte Mottl gegenüber dem Mangfall-Boten, dass er nach dem Mythos Ironman sportlich ein wenig kürzer treten werde. „Ich brauche schon weiterhin auch Herausforderungen, aber es werden bestimmt nicht mehr 18 Trainingsstunden in der Woche“, sagte Mottl damals. Doch was ist aus diesem Plan nun geworden? Verbringt der Vollblutsportler jetzt wirklich einen relativ „normalen“ Alltag mit Beruf, Familie und womöglich ein bisschen sportlicher Betätigung in der Freizeit?

„Mein Plan war, alles etwas zu reduzieren, so habe ich es mit meiner Familie besprochen“, sagt Mottl nun. Aber: „Ich bin schon ein Typ, der ein neues Ziel, ein Projekt braucht“, sagt der 44-Jährige. Und so kam für ihn die jährliche Weltmeisterschaft mit der sogenannten „Ironman 70.3 Distanz“, der halben Hawaii-Distanz, als nächstes Ziel wie gerufen.

Da hier die Triathlon-Distanzen in allen Disziplinen kürzer sind, konnte er eine Teilnahme an diesem Wettkampf also im Gespräch mit seiner Familie „heraushandeln“, wenngleich der Trainingsaufwand für einen Otto Normalbürger noch immer mehr als beachtlich erscheinen dürfte. „Im Schnitt sind es aber eben nur noch zwölf oder 13 Stunden Training in der Woche, anstatt 17 oder 18.“ Natürlich weiß aber auch Mottl, dass der Rückhalt seiner Familie hierbei nicht selbstverständlich ist. „Viele Freunde sagen mir, dass ihnen ihre Frau schon längst den Vogel gezeigt hätte“, schmunzelt der Kolbermoorer.

Nach einer Verschnaufpause begann für Mottl also die Vorbereitung auf sein neues großes Ziel: WM-Qualifikation. Doch bevor das Training so richtig beginnen konnte, hatte er bei einer Trainingsfahrt einen schweren Unfall mit dem Rennrad. Vermutlich war es ein platter Vorderreifen, der ihn bei der Einfahrt in einen Verkehrskreisel in der Nähe von Heidelberg vom Sattel warf. Bei dem Sturz überschlug sich Mottl und prallte unter anderem mit dem Kopf auf den Asphalt. „Beide Hände waren gebrochen und ich hatte ein Schädel- Hirn-Trauma.“

Letzteres erwies sich als ernster als gedacht, denn auf den CT-Aufnahmen erkannten die Ärzte sogar eine kleine Einblutung im Gehirn. „Damit war also nicht mehr zu spaßen und das hat mich, vor allem aber meine Familie, schon sehr belastet“, erinnert sich Mottl. Mit einem Schlag war die gesamte Saisonplanung inklusive einer möglichen Qualifikation für die diesjährige Weltmeisterschaft über den Haufen geworfen, sagt der 44-Jährige. Zwar saß Mottl schon kurz darauf wieder mit eingegipsten Armen im Keller auf dem Radergometer, um sich einigermaßen fit zu halten. Doch Wochen später wurde deutlich, dass sich die Blutung durch die weitere körperliche Belastung nicht richtig resorbieren konnte. Spätestens um Pfingsten war dann klar: „Ich muss wirklich runter vom Gas.“

Eine Zwangspause, die für den leidenschaftlichen Sportler alles andere als einfach war. Da sich damit auch die WM 2025 in Marbella endgültig erledigt hatte, richtete sich sein Fokus auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Nizza. „Dort in der Nähe haben meine Schwiegereltern ein Ferienhaus, das wäre also fast schon ein Heimrennen für mich“, zeigt sich Mottl euphorisch. Und auch wenn er damit überhaupt nicht gerechnet hatte, konnte er die Qualifikation für die WM 2026 tatsächlich vor zwei Wochen bereis eintüten.

„Ich habe erst Anfang August grünes Licht von den Ärzten bekommen und konnte so nur drei Wochen richtig trainieren“, sagt Mottl. Dennoch nahm er Ende August an der Triathlon-Rennserie „Ironman 70.3 Zell am See-Kaprun“ teil. „Ich habe es einfach probiert“, sagt Mottl. Mit Erfolg. „Ich hätte es niemals gedacht, aber ich wurde in meiner Altersklasse zweiter von 140 Startern“, insgesamt belegte er Platz 111 von 1900. Und mit dieser beeindruckenden Leistung sicherte er sich nun deutlich früher als gedacht den Platz in Nizza, wo die WM in rund einem Jahr stattfinden wird.

Danach ist Schluss
mit Leistungssport

„Mein Plan ist es, dass Nizza wirklich der Abschluss für mich im Leistungssport wird.“ Zwar habe er dies schon des Öfteren vorgehabt. Doch in diesem Fall bietet sich der Wettkampf ideal an, betont der Kolbermoorer. Und auch im Anschluss sei klar, „dass ich mein Leben lang acht Stunden Sport in der Woche machen werde“. Nur vom Extremen, werde er in Zukunft Abstand nehmen. Nicht zuletzt, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. „Das Ganze ist für mich kein einfaches Thema, das wird eine Umstellung und ich muss mir einfach etwas anderes suchen, nur eben keinen Wettkampf mehr“, so Mottl. Doch was ihn zufrieden stimmt: „Wenn das mit Nizza klappt, habe ich eigentlich alles erreicht“, sagt der 44-Jährige.

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