Für den Moment der leuchtenden Augen

von Redaktion

Mobil zu sein, ist in der heutigen Zeit enorm wichtig. Doch manche können sich ein eigenes Auto oder Fahrrad nicht leisten. Der Asylhelferkreis in Kolbermoor führt deshalb seit einem Jahr die ehrenamtliche Radlwerkstatt. Aktuell ist das Angebot nur für Geflüchtete – doch es soll breiter werden.

Kolbermoor – Alle im Asylhelferkreis kennen ihn nur als Gerhard. Mittlerweile weiß er viel über Fahrräder. Ein bis zweimal die Woche ist er, der nicht mit vollem Namen genannt werden möchte, in der ehrenamtlichen Radlwerkstatt in Kolbermoor. Dort bringt er Fahrräder wieder in einen straßentauglichen Zustand. Doch eigentlich wünscht er sich Unterstützung.

„Eine Kette muss
gepflegt werden“

„Wir sind der Asylhelferkreis Kolbermoor für bedürftige Menschen und Flüchtlinge“, sagt Renate Grube. Sie kümmert sich um die Organisation. Der Asylhelferkreis hat viele Projekte: Zum Beispiel helfen sie auch Geflüchteten mit Briefen von Ämtern, dass sie diese richtig ausfüllen und verstehen können. Auch die Radlwerkstatt ist ein Projekt. „Die Geflüchteten gehen in die Schule oder zum Arbeiten. Dafür brauchen sie einen fahrbaren Untersatz und da sind die Fahrräder gefragt“, sagt Renate Grube. Der ausschlaggebende Punkt bei der Werkstatt sei, dass die Räder dabei bezahlbar seien.

Denn Gerhard verübt seine Reparaturen ehrenamtlich. Dadurch fallen nur die Kosten für das Fahrrad selbst und die Ersatzteile an. So liegt ein fertiges Rad bei ungefähr 40 Euro. „Wir machen das ehrenamtlich. Wir haben nicht das Geld dafür, die Räder zu verschenken“, sagt Renate Grube. Sie mache die Asylarbeit mittlerweile seit zehn Jahren – Gerhard ist erst seit einem Jahr dabei. „Es war eine Anzeige in der Zeitung, darauf haben sich Gerhard und noch jemand gemeldet“, erzählt sie.

Eigentlich sollte die ehrenamtliche Radlwerkstatt von Gerhard und dem anderen Herrn geplant und geführt werden. „Es war zu zweit gedacht, doch leider ist der Kollege krank geworden“, sagt Renate Grube. So ist Gerhard jetzt alleine für die Reparaturen zuständig. „Ich wusste am Anfang überhaupt nicht, was auf mich zukommt“, erzählt er. Denn er ist kein Techniker, sondern repariert die Räder hobbymäßig.

„Ich habe mich dann eingelesen und mir Videos auf YouTube dazu angeschaut“, sagt Gerhard. Jetzt weiß er, welche Ersatzteile er braucht, wie er Bremsen wechselt und Kettenschäden behebt. Letzteres kommt häufig vor. „Eine Kette muss gepflegt werden und das muss man den Leuten zeigen“, erklärt Gerhard. Denn häufig würden Leute in einem hohen Gang am Berg anfahren, kräftig in die Pedale steigen und am Lenker ziehen. „Das ist nur eine Frage der Zeit, bis dann die Kette explodiert“, sagt Gerhard. Dabei repariere er nicht nur, sondern leite auch an.

So macht er die unterschiedlichsten Fahrräder wieder fahrtauglich. Dabei kontrolliert er das Rad einmal komplett: Funktionieren die Bremsen? Sind alle Speichen da? Rostet das Rad? Sind die Reifen und die Kette in Ordnung? Danach entscheidet er, ob sich das Reparieren lohnt. Falls nicht, wird das Rad auseinandergebaut und Gerhard hat günstige Ersatzteile für ein anderes. „Außerdem wird jedes Fahrrad mit Licht ausgestattet und bekommt ein Schloss“, sagt Renate Grube.

Gerhard ist in der Werkstatt aktuell komplett ausgelastet. Renate Grube beschafft immer wieder Nachschub, dabei werden einige Räder gespendet. Andere bekommt sie als Fundräder von der Stadt Kolbermoor gegen Bezahlung. Mehr können sie nicht stemmen und wünschen sich deshalb Unterstützung. „Wir brauchen eine Helferkraft, am besten mit technischem Verständnis. Wir würden das Angebot nämlich gerne auf Bedürftige von der Tafel ausweiten“, sagt Gerhard.

Dankbarkeit
bei der Übergabe

Das ist mit den aktuellen Bedingungen aber nicht möglich, weshalb nur Flüchtlinge das Angebot wahrnehmen können. Diese seien laut Renate Grube sehr dankbar für dieses Angebot. „Da kommt sehr viel zurück von ihnen, weil sie froh sind, dass jemand für sie da ist“, sagt sie. Sie erlebe jedes Mal schöne Momente, wenn sie bei der Radlwerkstatt vorbeischaue. Diese Augenblicke treiben auch Gerhard an: „Ich mache es für die Leute. Wenn ich dann ihre leuchtenden Augen sehe, dann hat es sich gelohnt.“

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