Kolbermoor – „Lesen? Was ist das eigentlich?“ Damit, so denken viele, seien die heutigen Kinder und Jugendlichen bestens beschrieben, für die das Handy längst dieses altmodische Ding „Buch“ abgelöst habe. Dass dem nicht so ist, beweist die Kolbermoorer Stadtbücherei Jahr für Jahr aufs Neue mit ihrem Sommerferien-Leseclub.
Denn der lockt Jahr für Jahr immer mehr Kinder an. In diesem Jahr waren es sage und schreibe 198, die ihre Sommerferien nicht nur vor dem Handy hockend verbringen wollten, sondern auch mit einem Buch.
Urkunden und tolle
Preise zum Abschluss
Und schon die Steigerung der Teilnehmer zeigt: Es sind beileibe nicht nur immer die gleichen Leseratten, die sich für den Sommerleseclub anmelden. Büchereileiterin Andrea Sondhauß sowie Jana Giebel und Tatjana Feuerer aus ihrem Team freuten sich in diesem Jahr über 43 Kinder, die sich neu bei der Bücherei angemeldet hatten, um am Leseclub teilnehmen zu können.
Denn Lesen im „Club“ ist noch ein bisschen mehr, als nur so in die Bücherei zu gehen. Schließlich werden jedes Jahr extra für den Leseclub neue Bücher angeschafft, von denen das Büchereiteam hofft, dass diese bei den Kindern und Jugendlichen einen Nerv treffen.
Und man liest auch nicht bloß so, sondern gewissermaßen mit Auftrag, denn jedem Buch liegt eine Karte bei, auf der man aufschreiben muss, ob einem das Buch gefallen hat – oder auch nicht – und warum.
Und dann ist da noch der besondere Abschluss des Sommerleseclubs, bei dem alle, die drei oder mehr Bücher gelesen haben, eine Urkunde bekommen und an einer Preisverlosung teilnehmen. Die örtlichen Geschäfte und Betriebe, die die Preise stiften, lassen sich dabei nicht lumpen: Die Glücksfee – auch dieses Jahr verkörpert von Bürgermeister Peter Kloo – zog den elf Jahre alten Valentino Heinicke als Hauptgewinner, und sein Preis war ein 50-Euro-Gutschein für einen Indoor-Freizeitpark in Rosenheim.
Dabei geht kein Kind leer aus, auch die nicht, die nicht das Glück haben, zu den „Großgewinnern“ zu zählen. Immer ist im Sitzungssaal des Rathauses ein großer Tisch aufgebaut, auf dem es für jeden etwas zu ergattern gibt – und dabei dreht es sich durchaus um mehr als nur bloße „Trostpreise“.
Die Urkunden und die Preise oder eben die kleinen Geschenke sind gut. Aber so richtig rund, so richtig zu einem kleinen Fest wird der Abschluss des Sommerleseclubs erst durch sein zusätzliches Highlight. In den vergangenen Jahren war das oft ein besonderer Kinderfilm, doch in diesem Jahr wollte das Büchereiteam statt auf Kinozauber auf echte Magie setzen und hatte sich einen Zauberer eingeladen.
Die Idee war ein durchschlagender Erfolg, wie sich zeigte, denn Werner Link zog die Kinder mit seiner Zauberei von Anfang an in seinen Bann: Immer wieder ging ein verblüfftes „Ahhhh“ oder „Ohhhh“ durch die Kinderschar, und als es dann nach einer knappen Stunde an die Preisverleihung ging, waren alle deutlich enttäuscht, dass jetzt schon Schluss war mit der Zauberei.
Man kann nicht alle Zaubereien aufführen, mit denen Werner Link seine Zuschauer begeisterte, doch zumindest eine Episode soll genannt werden. Da ging es um den Hasen, den jeder Zauberer eigentlich notwendigerweise braucht, denn schließlich gehört es zum Standardrepertoire eines jeden Magiers, ein Hasentier aus seinem Hut zu zaubern. Werner Link aber entschuldigte sich gleich zu Anfang, dass sein Hase leider kein fertig ausgebildeter Zauberhase sei, sondern nur ein Zauberhasen-Azubi, der, wie das bei Nachwuchskräften manchmal der Fall ist, leider etwas zur Widerspenstigkeit neige.
Und in der Tat: Werner Link hatte den Kindern erklärt, dass so ein Hase erst nach dem kompletten Zauberspruch „Abrakadabra Simsalabim“ erscheine, und bat die Kinder, diesen Zauberspruch gemeinsam und laut und deutlich zu rufen. Allein: Der Hase war voreilig und tauchte schon bei „Abraka….“ aus dem Hut auf. Auch die nächsten Versuche wurden nicht besser, der Unterschied war nur, dass die Hasenohren jetzt mal links, mal rechts, mal unten aus dem Zylinder hervorlugten. Die Folge, die dem widerspenstigen Hasen eigentlich hätte klar sein müssen: Der leicht angenervte Zauberer beschloss am Ende, den Hasen einfach fortzuzaubern – und siehe da: Der Zylinder war in der Tat leer.