Nach den Forellen kommt die Kunst

von Redaktion

In Kolbermoor wird eine alte Fischzucht zur Kunstwerkstatt. Anna-Maria Speckbacher (25) verwandelt den Ort in ein kreatives Zentrum. Was sie dort alles vor hat und warum die Vergangenheit manchmal noch anklopft.

Kolbermoor – Dass ausgerechnet an diesem herbstlichen Oktober-Nachmittag ein Mann an der Türe steht und nach frischem Fisch fragt – „Gibts hier noch Forellen?“ – ist sicher einem kuriosen Zufall geschuldet. Denn hier im Hofladen der ehemaligen Forellenfischzucht Franz Oswald in der Pullacher Au 19 wird seit Monaten geputzt, gewerkelt und renoviert. Während Anna-Maria Speckbacher durch die „neuen“ Räume läuft, ist von Fisch, zumindest auf den ersten Blick, keine Spur mehr.

Shop, Werkstatt
und freies Töpfern

Regale gefüllt mit etlichen Tassen, Vasen und Schüsseln, Keramik-Glasuren jeder erdenklichen Farbe, professionelle Töpferscheiben. Kunst liegt in der Luft. „Ich bastel’ schon immer gerne. Kreativ zu sein, das ist mein Hobby“, sagt die 25-Jährige.

Ob Holzbrandmalerei, gegipste Skulpturen oder Blumenkränze – Speckbachers künstlerisches Repertoire ist groß. Und besonders hat es der Kolbermoorerin die Arbeit mit Keramik angetan. „Irgendwann hat es mir nicht mehr gereicht, das Ganze für mich im stillen Kämmerlein zu machen“, erzählt die junge Frau, die als Diplom-Verwaltungswirtin eigentlich im Landratsamt Rosenheim arbeitet. Und so reifte in ihr vor Monaten die Idee, einen Raum zu schaffen, in dem sie mit anderen Interessierten gemeinsam Kreativität ausleben kann.

Zusammen mit ihrem Freund Patrick Heigl, dessen Vater die ehemalige Fischzucht betrieb sowie der ganzen Familie arbeiten seit Mai viele fleißige Hände „an meinem Traum“, sagt Speckbacher mit strahlenden Augen. Unter dem Namen „Keramiikero“ setzt die junge Künstlerin ein ihren Angaben zufolge bisher einzigartiges Konzept im Landkreis Rosenheim um. So sollen unter einem Dach das Keramikbemalen, das Töpfern (Kurse und eine freie Werkstatt) sowie ein „Local Artist Shop“ verbunden werden. Eben „eine kreative Plattform für Kunstliebhaber und Neugierige gleichermaßen“, wie sie es beschreibt.

Während in ihrem kleinen „Local Artist Shop“ im Eingangsbereich junge Künstler die Möglichkeit haben sollen, dort ihre Werke auszustellen oder zu verkaufen, liegt im Hauptraum des ehemaligen Hofladens das Augenmerk auf dem freien kreativen Bemalen von Keramik. Besucher könnten sich hierfür ein Zeitfenster buchen und darin etwa Tassen, Vasen oder Teller, die zahllos als weiße „Rohlinge“ in den Regalen stehen, mit speziellen Glasuren bemalen. „Man kann das mit dem Pinsel nach Lust und Laune auftragen“, sagt Speckbacher. Dabei fände jeder seine Methode, etwa die Kratz-, Abklebe- oder Marmoriertechnik, „auch die, die meinen, sie könnten nicht malen“, ist sich die 25-Jährige sicher. Im Anschluss werden die bemalten Kunstwerke dann noch gebrannt.

Eine weitere Besonderheit: Im hinteren Bereich des Ladens stehen zwei Töpferscheiben, die nach einer einmaligen Anleitung von Besuchern rund um die Uhr, also auch außerhalb der Öffnungszeiten, genutzt werden können. „Wer beispielsweise dieses ‚freie Töpfern‘ gebucht hat, kann dann über ein digitales Zutrittssystem theoretisch jederzeit hier rein“, erklärt die Inhaberin. Unabhängig davon bietet „Keramiikero“ auch Töpferkurse an. Zum einen, sagt Speckbacher, wolle man neue Impulse für die regionale Kulturszene setzen und auch lokale Künstler sowie kreative Begegnungen fördern. „Zum anderen wollen wir einfach auch ein breites Publikum ansprechen, etwa für Kinderaktionen, Firmenevents oder auch Junggesellenabschiede.“

Und so ganz ausblenden können Anna-Maria Speckbacher und Patrick Heigl dabei die ursprüngliche Nutzung der Räumlichkeiten noch nicht, wie sie mit einem Augenzwinkern verraten. „Zum Beispiel der Raum, in dem jetzt die Öfen zum Brennen stehen, war früher der Räucherraum für die Fische“, sagt Speckbacher. Deshalb werde dieser auch immer noch so genannt. Und auch im Hauptraum versteckt sich etwa unter einer großen Arbeitsfläche ein ursprüngliches Fischbecken. „Das wird halt jetzt zur Lagerung von Keramik genutzt“, sagt Heigl schmunzelnd.

Eröffnung findet
am 31. Oktober statt

Los geht es für die beiden jungen Kolbermoorer am 31. Oktober mit der Eröffnung des neuen Kreativ Ateliers Keramiikero um 14 Uhr, ab 15 Uhr beginnt zudem ein spezieller Malkurs, zu dem interessierte kreative Köpfe herzlich willkommen seien, so Speckbacher. Anschließend wird die Kunstwerkstatt dann immer montags und donnerstags von 18 bis 21 Uhr, freitags von 14 bis 21 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 21 Uhr geöffnet haben. Gerade mit den abendlichen Zeiten wolle man Menschen eine Anlaufstelle bieten, die in der Stadt bereits ab 19 Uhr vor vielen verschlossenen Türen stünden, meint Heigl.

Auch wenn mit viel Laufkundschaft in der Pullacher Au weniger zu rechnen ist – der ein oder andere Fischliebhaber wird sicher noch das ein oder andere Mal nach Forellen fragen und dabei zufällig auf die neue Kunststätte stoßen.

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