Mit offenen Augen und offenem Herzen erleben

von Redaktion

Herbstferienzeit ist Künstlerzeit: Noch bis einschließlich Sonntag, 9. November, zeigen die Kolbermoorer Künstler in der Aula der Pauline-Thoma-Mittelschule eine Auswahl ihrer Werke. Was es alles zu bestaunen gibt – und welche besonderen Hingucker es gibt.

Kolbermoor – „Allerheiligenferien? Oh ja: Kunstausstellung!“ Man darf es ungestraft vermuten: In den Köpfen aller Kunstbegeisterten – nicht nur in Kolbermoor, sondern weit darüber hinaus – ist das eine feste „Verdrahtung“. Denn schon zum 46. Mal nutzen die Kolbermoorer Künstler die schulfreie Woche zu Allerheiligen, um in der Aula der Pauline-Thoma-Mittelschule einen Ausschnitt ihres Schaffens vorzustellen.

Und ebenso sicher ist, dass viele der Stammbesucher aus zwei Gründen kommen: Weil sie wieder einmal etwas von ihren „Lieblingskünstlern“ sehen wollen. Und auch weil sie sehen möchten, wie sich die Kolbermoorer Künstler entwickeln, auf welcher Technik, welchen Motiven deren Augenmerk derzeit liegt.

Seelenlagen
anschaubar machen

Zum Beispiel Erich Wagner, der seit Langem in jeder Ausstellung mit seinen kubistischen Werken zu sehen ist, die aber in diesem Jahr in fast allen Bildern keinen gegenständlichen Hintergrund haben, sondern ein gänzlich abstraktes Zusammenspiel von Farben und Formen sind. Sie verlangen, so sagt er, noch mehr an Komposition und innerer Abstimmung, müssen genau geplant sein, um ihre Wirkung zu erzielen.

Anders gehen dabei etwa Hanni Harzenetter, Hildegard Czizegg und Therese Pramböck vor. Ihnen geht es in ihren abstrakten Werken vor allem auch darum, Empfindungen und auch Seelenlagen anschaubar zu machen. Während Hanni Harzenetter und Hildegard Czizegg sich den Anstoß zu ihrem Malen aus Landschaft und Natur holen und das, was bei der Betrachtung in ihnen zum Schwingen kommt, lässt Therese Pramböck ihrem Inneren und dem Bild freien Lauf. Sie sagt, dass es sich – wenn einmal ein Anfang gemacht sei – gewissermaßen von selbst male: „Das Bild verlangt dann selbst nach den nächsten Farben und den Formen, in denen sie ihren Ausdruck finden.“

Dabei suchen viele Künstler nach ganz unterschiedlichen Ausdrucksweisen. Nik Kannengießer etwa stellt nicht nur fein gemalte, detailreiche Landschaften und Stadtszenen aus, sondern auch Bilder von geradezu expressionistischem Ausdruck.

Sabine Koschier wiederum zeigt nicht nur ihre beliebten Tierporträts, sondern auch Menschen und diese in ganz besonderer Technik und Eindrücklichkeit: Sie kombiniert in ihnen ihre Malerei mit Holzstrukturen. Und Ingeborg Benninghoven etwa malt nicht nur, sie schafft auch filigrane Figuren aus Pappmaschee, die in ihrer Leichtigkeit Anmut und Witz vereinen.

Überhaupt sind in der diesjährigen Ausstellung die Skulpturen ein besonderer Hingucker: etwa die ungeheuer fein aufgebauten Metallfiguren von Leo Huber, einem der Gäste in dieser Ausstellung. Und auch die aus Ton modellierten Köpfe von Tatjana Raum, deren Haartracht aus Holzfundstücken besteht. Allein sie wären ein Grund, die Ausstellung mehrmals zu besuchen, denn diese Skulpturen sind so voller Leben, dass man versucht ist, mit der eigenen inneren Stimme mit ihnen in Kontakt zu treten. Oder anders formuliert: Es gibt Menschen, die sind so ausdrucksstark, dass man sie gerne länger ansähe, wenn das denn schicklich wäre. Bei den Kunstwerken von Tatjana Raum ist das möglich.

Hervorzuheben ist auch ein anderer Gast, Jürgen Gössl, der Landschaftsimpressionen schafft, die von so ausdrucksstarker Leuchtkraft sind, dass sie in den gesamten Ausstellungsraum hineinstrahlen. Und auch die Bilder von Gerd Brosch verdienen es, mit etwas Abstand angesehen zu werden. Dann nämlich wirken seine Aquarelle, die Stadtansichten Kolbermoors zeigen, als wären sie eine geniale Kombination aus Fotografie und Malerei. Und die witzigen Bildbenennungen sorgen dafür, dass man Kolbermoor mit ganz neuen Augen sieht, etwa erkennt, dass die Stadt gar nicht an der Mangfall, sondern am Mississippi liegt.

Ein Höhepunkt
im Kulturjahr der Stadt

Auch die kraftvollen Farbwelten von Dagmar Wittmann, auch sie ein Gast, oder die Collagen von Penny Seitz-Würdemann müsste man näher beschreiben. Es ist aber einfach nicht möglich, wirklich alle Künstler zu erwähnen – und schon gar nicht, ihren Werken und ihrem Können gerecht zu werden. Sicher ist aber eines: dass die Ausstellung mit Recht zu den großen Höhepunkten im Kolbermoorer Kulturjahr gehört. Und auch, dass man beileibe kein erfahrener Kunstausstellungsbesucher sein muss, um mit Gewinn hineinzugehen. Es genügt, offene Augen zu haben, ein offenes Herz – und vor allem einen Sinn für Schönheit.

Infos zur Ausstellung

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