Teamwork im Gaming-Stuhl

von Redaktion

Interview E-Sport-Abteilungsleiter Maximilian Walbert über die Lust am sportlichen Computerspiel

Kolbermoor – Den Aufstieg im Fokus, die Roadshow „Next Stop: E-Sport“ vor der Tür: Der E-Sports-Abteilung des SV-DJK Kolbermoor stehen spannende Wochen bevor. Eine Entwicklung, die die mittlerweile knapp 20 Mitglieder der erst im März 2024 gegründeten Abteilung mit Freude verfolgen dürften. Der Verein, der in seiner E-Sports-Abteilung vor allem mit dem Computerspiel „League of Legends“ am Start ist, nimmt nach Angaben von Abteilungsleiter Maximilian Walbert (21) Kurs auf den Aufstieg in eine nächsthöhere Spielklasse. Derzeit liegt das Team „Int Nation Kolbermoor“ in der zweitniedrigsten Spielklasse 7 der sogenannten „Prime League“ auf Platz zwei. Doch fast noch mehr Freude bereitet den E-Sport-Fans die Tatsache, dass der „E-Sport Verband Bayern“ mit seiner vom Bayerischen Digitalministerium geförderten Roadshow „Next Stop: E-Sport“ am morgigen Freitag und am Samstag, 15. November, im Kolbermoorer Mareissaal Halt macht. Ein Event, das allen Interessierten die Möglichkeit geben soll, mehr über den E-Sport zu erfahren.

Bei E-Sport denken viele Menschen vermutlich an das Fußball-Computerspiel FC26, das Basketballangebot „NBA 2K26“ oder die Eishockey-Alternative „NHL 26“. Trifft diese Vermutung zu?

Auch, aber nicht ganz. Theoretisch kann jedes Computer- oder Konsolenspiel E-Sport-fähig gemacht werden. Bei uns wird aber hauptsächlich das Spiel „League of Legends“ gespielt, gelegentlich auch das Shooter-Spiel „Counter-Strike“, wobei wir natürlich genau auf die Altersfreigabe achten. Begonnen haben wir mit „League of Legends“, das bei uns auch mindestens die Hälfte der Mitglieder spielt. Dennoch ist es ein Ziel für die Zukunft, unser Angebot um andere Spiele zu erweitern.

Bei „League of Legends“ handelt es sich um ein sogenanntes „Multiplayer-Online-Battle-Arena“-Spiel, in dem zwei Teams auf einem Spielfeld versuchen, ihre jeweilige Hälfte des Feldes zu verteidigen. Wie darf man sich die Vereinsarbeit in Hinblick auf dieses Spiel vorstellen?

Letztlich treten wir als Team in einer Liga, der sogenannten „Prime League“, an. Derzeit sind wir dort in der zweitniedrigsten Klasse 7 angesiedelt, haben aber große Hoffnungen, in die nächsthöhere Klasse 6 aufzusteigen. Wir treten mit einer Mannschaft, die mindestens aus fünf Spielern besteht, im Ligabetrieb gegen andere Teams an. Letztlich ist die Saison in drei sogenannte Splits aufgeteilt, die jeweils aus acht Spieltagen bestehen. Zusätzlich gibt es auch noch kleinere Turniere. Der übrige Vereinsalltag besteht aus Trainingseinheiten, wobei unser Team letztlich von zwei Personen trainiert wird.

Trainer für ein Computerspiel?

Ja, das sind zumeist ältere und gute Spieler, die ihre Erfahrung an die Jüngeren weitergeben. Mittlerweile ist es sogar möglich, eine C-Lizenz als Trainer zu machen. Auch das steht für uns in Zukunft zur Debatte, was ein Schritt zu einem noch professionelleren Angebot wäre.

Hören Sie denn oft die Frage, was das überhaupt mit Sport zu tun hat?

Hin und wieder schon. Ich finde aber, dass man es sehr gut mit Schach vergleichen kann, was ja auch unter Sport läuft. So hat beispielsweise „League of Legends“ unter anderem sehr viel mit Reaktion und geistigen Fähigkeiten zu tun. Zudem spielt gerade bei diesem Spiel die Kommunikation unter den Teammitgliedern eine wichtige Rolle und kann durchaus spielentscheidend sein. Es kommt, wie bei anderen Sportarten auch, nicht immer nur darauf an, wer wirklich besser spielt, sondern darauf, welches Team besser kommuniziert und als Gemeinschaft funktioniert.

Dinge, die Sie bei der Roadshow am 14./15. November auch den Besuchern vermitteln wollen?

Ja, genau. Das ist nicht nur ein guter Termin für Leute, die einfach mal ins Thema E-Sport reinschnuppern wollen, sondern auch für Menschen, die wissen wollen, worum es da genau geht. Ich denke, dass viele ältere Menschen glauben, dass sich alles nur im Monitor abspielt. Aber viel wichtiger ist, was vor dem Monitor passiert – also zwischen den Menschen, die diesem gemeinsamen Hobby nachgehen. Ich glaube, dass wir das bei dieser Roadshow gut vermitteln können.

Jetzt muss ich Sie mit einem weiteren Vorurteil konfrontieren. Viele Menschen glauben, dass sich bei einem derartigen Angebot nur Nerds zusammenfinden.

Auch das stimmt meiner Meinung nach nicht, auch wenn ich als Fachinformatiker für Systeme natürlich auf den ersten Blick vielleicht in dieses Schema reinpasse (lacht). Unser Zweiter Abteilungsleiter ist dagegen Erzieher von Beruf. Letztlich findet man bei uns alles – vom Computer-Nerd bis zum Spieler, der auch sonst sportlich sehr aktiv ist. Der harte Kern ist zwischen zwölf und 22 Jahre alt, aber wir haben beispielsweise auch einen 45-Jährigen, der uns bei der Gründung der Abteilung sehr geholfen hat. Unser ältester aktiver Spieler ist 33 Jahre alt.

Mit knapp 20 Mitgliedern ist die Abteilung ja noch recht überschaubar. Wie sieht die Unterstützung durch den Hauptverein sowie durch die Stadt aus?

Sehr gut. So hat uns die Stadt mit den Räumlichkeiten in der ehemaligen Mareis-Gaststätte wirklich ein Alleinstellungsmerkmal verschafft, das es in der Umgebung für derartige Angebote sicherlich nicht noch einmal gibt. Hier haben wir den perfekten Platz, um nicht nur online, sondern auch offline zusammenzukommen, uns zu unterhalten oder gemeinsam unsere Spiele auf dem großen Bildschirm zu analysieren, so- dass wir uns immer weiter verbessern können.

Räumlichkeiten, die aber umgestaltet und wieder als Gaststätte genutzt werden sollen…

Ja, das stimmt. So wie es aktuell aussieht, haben wir noch sechs Monate Zeit, bis wir hier ausziehen müssen. Daher sind wir auch schon im Austausch mit verschiedenen Stellen. Extra etwas anzumieten, dazu haben wir kein Budget. Wir werden aber auch mit den Bürgermeisterkandidaten das Gespräch suchen und hoffen, dass uns das etwas bringen wird.Mathias Weinzierl

Roadshow „Next Stop: E-Sport“: Das erwartet die Besucher

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