Kolbermoor – Die erste Hürde für das geplante Parkhaus am Kolbermoorer Bahnhof, das nach derzeitigem Stand rund elf Millionen Euro kosten soll, ist genommen: Der Kolbermoorer Bauausschuss hat jetzt einstimmig den Vorentwurf des Bebauungsplans 94 „Parkhaus Haßlerstraße“ gebilligt, der die Art der Nutzung und Bebauung auf dem Areal am Bahnhof regeln soll.
Markus Schiffmann (CSU) sieht „Festsetzungsfehler“
Der Bebauungsplanprozess soll dabei in einem beschleunigten Verfahren durchgeführt werden. Die Stadtverwaltung wird auf Wunsch des Ausschusses nun die Beteiligung der Öffentlichkeit und Behörden, die sich dann zu den Planungen äußern können, in die Wege leiten. Sorgen bereitet der Stadt allerdings noch eine Mini-Wohnung im kleinen Gebäude, in dem der Imbiss „Dönerium“ beheimatet war, ehe er im Herbst 2024 ausbrannte.
In seiner Juli-Sitzung wurden dem Stadtrat die detaillierten Planungen für das Parkhaus auf dem Gelände des bisherigen Parkplatzes vorgestellt, die das Gremium letztlich mit deutlicher Mehrheit von 17:5 Stimmen absegnete. Laut Planung soll dort ein Parkhaus mit acht Halbebenen in Holzbauweise entstehen, das 236 Fahrzeugen Platz bietet. Ein Drittel der Stellplätze, also rund 80 Stück, soll Elektrofahrzeugen vorbehalten sein.
Als Herzstück der Anlage ist ein sogenannter Stadtbalkon geplant. Er soll den Parkenden nicht nur einen Blick über das Stadtzentrum ermöglichen, sondern auch für viel Natur am Bahnhof sorgen. Schließlich soll sich an dem Stadtbalkon üppige Bepflanzung in die Höhe ranken. Eine Dachbegrünung ist ebenfalls vorgesehen, des Weiteren die Vorbereitung für eine mögliche Solaranlage, die aber aktuell nicht Gegenstand der Planungen ist.
Kopfzerbrechen bereitet den Stadtverantwortlichen allerdings das kleine Gebäude, in dem sich bis Herbst 2024 das „Dönerium“ befunden hatte, in dem aber auch eine kleine Wohnung genehmigt ist. Das kleine Bauwerk ist für die Planungen des Parkhauses zwar nicht direkt im Weg, könnte aber dennoch zum großen Problem werden. Denn um keine Klage gegen den Bebauungsplan zu riskieren, hat die Bauverwaltung vorgeschlagen, den Bereich als Mischgebiet festzusetzen, in dem also Gewerbebetriebe, aber auch Wohnungen zulässig sind.
Ein Vorgehen, das Bauausschuss-Mitglied Markus Schiffmann als „Festsetzungsfehler“ bezeichnet. Der CSU-Vertreter befürchtet, dass ein Gericht der Stadt in Hinblick auf die Wohnung dann vorschreiben könnte, „dass am Parkhaus nach 22 Uhr niemand mehr ein- und ausfahren darf.“ Er schlug vor, das Areal direkt als Gewerbegebiet zu deklarieren und notfalls an den Eigentümer des Gebäudes „lieber eine Entschädigung“ zu zahlen.
Ein Vorschlag, der so aber nicht umsetzbar sein dürfte, wie Julia Wirth von der Bauverwaltung zu verstehen gibt. Denn bei diesem Vorgehen bestünde die Gefahr, dass der Eigentümer gegen den Bebauungsplan rechtliche Schritte einleitet, was wiederum zur Aufhebung des Bebauungsplans führen könnte. „Da machen wir uns angreifbar“, glaubt Wirth, die ein Mischgebiet für die „sauberste Lösung“ hält, auch wenn ihr selbst dabei „das Herz blutet.“
Die ursprüngliche Idee war laut Wirth eigentlich, dem Eigentümer das Grundstück abzukaufen. „Wir haben lange Gespräche mit ihm geführt, weil wir das natürlich gerne gehabt hätten“, so die Stadtangestellte. „Er war aber selbst zu einem deutlich über dem Marktwert liegenden Preis nicht bereit, zu verkaufen.“
Besitzer will Areal nicht
an die Stadt verkaufen
Trotz der Bedenken rund um die Wohnung, die nach Angaben von Bürgermeister Peter Kloo einst vom Landratsamt Rosenheim genehmigt worden war (Kloo: „Die haben uns da ein richtiges Ei ins Nest gelegt“), bat der Rathauschef die Bauausschussmitglieder um Zustimmung zum Aufstellungsbeschluss, um „jetzt wenigstens ins Verfahren zu kommen.“ Zudem kündigte der Rathauschef an, die Bedenken seitens der Bauverwaltung prüfen zu lassen.
Ein Vorschlag, dem die Mitglieder des Gremiums einstimmig folgten. Angedacht ist, dass bereits im kommenden Jahr die Bagger für das Parkhaus, das Grünen-Vertreterin Andrea Rosner im Juli als „Tempel für Autos“ bezeichnet hatte, anrollen. Kloo: „Wir wollen das Verfahren jetzt recht zügig durchziehen, damit wir bereits im Frühjahr 2026 eine Baugenehmigung bekommen.“