„Ein Wärmenetz für alle kriegen wir nicht hin“

von Redaktion

Start der Veranstaltungsreihe zur Nahwärme des Vereins „Energieberatung Kolbermoor“

Kolbermoor – Moderne, hocheffiziente Heiztechniken müssen nicht immer für die Bestandsimmobilie zum Einsatz kommen. Mitunter kann ein Anschluss an das vorhandene Nahwärmenetz effizienter sein als eine schlecht ausgelegte Wärmepumpe. Die Veranstaltungsreihe „Nahwärme in Kolbermoor“ des Vereins „Energieberatung Kolbermoor“ soll dabei für die Bürger mehr Klarheit in die Nahwärmeversorgung bringen.

Bei der Auftaktveranstaltung stand das Thema Erweiterungspläne des Energieversorgers „INNergie“ im Mittelpunkt. Rainer Tschichholz, Vorsitzender des Vereins „Energieberatung Kolbermoor“, wies auf den aktuellen Koalitionsvertrag hin, in dem festgehalten ist, sich für eine flächendeckende kommunale Wärmeplanung und den Ausbau der Wärmenetze einzusetzen. Ferner wollen die Koalitionsparteien bis 2030 50 Prozent der Wärme klimaneutral erzeugen. Gerade unter Berücksichtigung der kommunalen Wärmeplanung spielt die effektive und umweltfreundliche Nahwärmeversorgung eine wichtige Rolle zum Erreichen der regionalen Klimaschutzziele.

Dabei ist die in aller Munde liegende kommunale Wärmeplanung aber kein Allheilmittel, wie der Geschäftsführer der „INNergie“, Jakob Schober, darlegte: „Sie legt nur die ökonomisch und ökologisch sinnvolle leitungsgebundene Wärmeversorgung fest. Und nicht überall, wo sich die Bürger das vielleicht wünschen, ist eine Nahwärmeversorgung auch möglich.“

Tschichholz klärte die Besucher auch über das durchaus anfällige Innenleben einer Wärmepumpe auf. „Bei der Nahwärme ist die Übergabestation viel einfacher“, sagte er.

Nahwärme basiert laut Schober auf einer zentralen Wärmeerzeugung, die über gedämmte Leitungen in einem geschlossenen Kreislauf in den einzelnen Gebäuden Heiz,- und Warmwasser nutzen lässt. Die Vorteile liegen auf der Hand: hoher Komfort, keine eigene Anlage im Keller, wenig Wartung und geringe Emissionen. Als Nachteile nannte Schober den Verlust beim Wärmetransport durch die Erdleitungen (mindestens zehn Prozent), den Baustellenaufwand für die Leitungen und die Abhängigkeit vom Betreiber bei der Preisgestaltung (hier allerdings gering, da die Gesellschafterstruktur aus den Inntalgemeinden besteht).

In Kolbermoor bestehen bereits drei Nahwärmenetze: am Glasberg, bei der Firma Stangelmayer und in Kolbermoor Mitte, das mit 13.305 Metern das größte Netz ist.

Vorgesehen ist, so Schober, nun eine Verbindung Kolbermoor-Rosenheim. Diese Erweiterung des vorhandenen Nahwärmenetzes spielt für Kolbermoor eine wichtige Rolle, um die Ziele beim regionalen Klimaschutz zu erreichen, denn in diesem Gebiet befindet sich ein riesiges Abnahmepotenzial. Die Investitionskosten für diesen Ausbau mit einer Trassenlänge von 1.250 Metern liegen bei rund 2,5 Millionen Euro. Ein weiterer Vorteil: Man könnte die Wärme von Rosenheim beziehen.

In der abschließenden Diskussion ging es immer wieder um die Akquise. „Ich bin nicht gefragt worden, obwohl mein Haus nur 20 Meter von einer Leitung entfernt ist“, warf ein Besucher ein. Ein anderer Besucher fragte nach der Realisierung eines Netzes südlich der Staatsstraße bei Mitterhart. Schober wollte hier keine Erwartungen wecken. In 20 Jahren sei so etwas denkbar, aber nicht kurzfristig.

Zum Ende der Diskussion warf Thomas Ertl, Klimaschutzmanager der Stadt Kolbermoor, noch ein, dass vielfach die Erwartungshaltung der Bürger viel zu hoch sei. „Ein Wärmenetz für alle kriegen wir nicht hin“, betonte er. Siedlungen mit überwiegend Einfamilienhäusern würden kein Wärmenetz erhalten können. „Da macht es einfach keinen Sinn“, betonte Schober. Nach rund zwei Stunden interessanter Ausführungen bedankte sich Rainer Tschichholz für den Besuch und den informativen Vortrag der „INNergie“. Am Donnerstag, 11. Dezember, findet die nächste Veranstaltung der Reihe statt.

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