Kolbermoor – Großflächige Plakate in den Fenstern des alten „Möbel Krug“-Gebäudes an der Rosenheimer Straße 41a in Kolbermoor weisen bereits darauf hin: Hier ist eine große architektonische Veränderung geplant. Geht es nach dem Bauherren, soll das alte Gebäude samt der zwei dahinterliegenden Bauriegel verschwinden, stattdessen ein Wohn- und Geschäftshaus mit neun Wohnungen entstehen. Der Bauausschuss hat der Bauvoranfrage jetzt zugestimmt – trotz einiger Überschreitungen von Bauvorgaben und Bedenken aufgrund der knappen Distanz zur benachbarten Bebauung.
Diskussion um diverse Überschreitungen
Wunsch des Bauwerbers ist es, auf dem Grundstück ein Gebäude mit vier Vollgeschossen und einem kleineren Zwischenbau zu errichten. Ein Übergangsbau soll den Neubau mit dem Bestandsgebäude, dem jetzigen Möbelgeschäft, verbinden, wobei das Erdgeschoss freigelegt und als Zufahrt genutzt werden soll. Im Erdgeschoss des Wohn- und Geschäftshauses soll auf einer Fläche von rund 170 Quadratmetern ein Ofenbaubetrieb eine Heimat finden, in den drei Obergeschossen sollen neun Wohnungen mit Wohnflächen zwischen knapp 70 und knapp 100 Quadratmetern entstehen.
Nach Einschätzung der Stadtverwaltung fügt sich das Bauvorhaben durchaus „in die Eigenart der näheren Umgebung“ ein, auch an den Maßen des Gebäudes gibt es seitens der Stadt keine Kritikpunkte. Schwieriger wird es da schon beim Bauvolumen des Baukörpers, was sich durch Überschreitungen der Grundflächenzahl sowie der Geschossflächenzahl zeigt. Hier würde nach Einschätzung der Bauverwaltung „ein Präzedenzfall“ geschaffen, auf den sich spätere Bauwerber berufen könnten.
„Da haben wir lange drüber diskutiert“, stellte daher auch Bürgermeister Peter Kloo (SPD) klar. „Wenn wir jetzt sagen, wir machen das nicht, dann muss der Bauwerber das Vorhaben deutlich reduzieren, was es wiederum deutlich unwirtschaftlicher macht.“ Und dass bei einem Gebäude, „das da ja gut passen würde“. Weshalb auch für Kerim Bacak (Parteifreie Kolbermoor) diese Überschreitungen kein Grund sind, dem Bauvorhaben nicht zuzustimmen: „Es passt ja hervorragend rein. Es wäre schade, wenn er das kleiner machen würde.“
Raubt der Neubau den
Anwohnern das Licht?
Auch Markus Schiffmann (CSU) konnte sich mit den Planungen durchaus anfreunden, wollte allerdings wissen, ob in puncto Sicherheit „die Feuerwehr-Befahrbarkeit schon untersucht worden“ sei. Was Kloo bejahte: „Die Aufstellungsfläche für die Leitern der Feuerwehr ist gegeben.“
Caroline Schwägerl (Grüne) richtete hingegen ihr Augenmerk auf die Anwohner des Nachbargebäudes. Sie befürchtet, dass die knappe Distanz zum Neubau den Bewohnern noch mehr Tageslicht rauben könnte: „Wenn man auf der Loggia steht, hat man ja zum Nebengebäude nur noch 2,50 Meter Abstand.“ Ein Problem, das den Planern nach Angaben von Claudia Kristian, Mitarbeiterin der Bauverwaltung, durchaus bewusst ist: „Die wissen, dass das nicht ganz prickelnd ist“, so Kristian. „Deswegen ist die Entscheidung, wie sie es letztlich machen wollen, auch noch nicht 100-prozentig gefallen.“
Auch bei den Stellplätzen für Autos sowie beim Thema Spielplatz weichen die Planungen des Bauwerbers nach Angaben der Bauverwaltung von den städtischen Vorgaben ab. Wobei hier aber eine jeweilige Ablöse angedacht ist. So müssten für das Bauwerk eigentlich 20 Stellplätze nachgewiesen werden, auf dem Baugrundstück finden aber nur zwölf Platz. Die übrigen acht könnte der Bauwerber durch eine Zahlung von 30.000 Euro pro Stellplatz – also insgesamt 240.000 Euro – ablösen. Dennoch bat CSU-Vertreter Schiffmann die Stadtverwaltung, den Bauwerber zu bitten, „die Möglichkeit einer Tiefgarage zumindest zu prüfen“.
Spielplatzablöse für die Stadt durchaus denkbar
In puncto Spielplatz müsste in Hinblick auf die städtische Spielplatzsatzung auf dem Areal ein Spielplatz von mindestens 50 Quadratmetern Fläche nachgewiesen werden. Da dafür aber kein Platz vorhanden ist, „befürwortet die Verwaltung eine Ablöse des Spielplatzes“. Hier würden laut Satzung je Quadratmeter 200 Euro, insgesamt also 10.000 Euro, fällig werden. „Es macht ja wirklich keinen Sinn, dort einen Spielplatz reinzupfriemeln“, findet Kloo die Ablöse einen durchaus gangbaren Weg. „Außerdem haben wir ja direkt gegenüber am Rathaus einen schönen Spielplatz.“