Friedhofsgeschichten eines Totengräber-Sohnes

von Redaktion

Humorvolle Lesung im Gemeindehaus aus dem Buch „Verdienstvolle Leich“

Kolbermoor – Heidi Andrä und Christoph Bensch-Andrä haben vor Kurzem zu einer sehr humorvollen Lesung in das Evangelische Gemeindehaus Kolbermoor eingeladen – und es kamen rund 50 Interessierte.

Klaus Weber, der jüngste Sohn des ehemaligen Totengräbers Siegfried Weber, las aus dem Buch „Verdienstvolle Leich – Friedhofsgeschichten aus Kolbermoor“ und ergänzte sie mit drei neuen Erzählungen.

Siegfried Weber prägte 40 Jahre lang das Bild des Kolbermoorer Friedhofs. In dieser Zeit hat der Totengräber mehr als 9.000 Gräber ausgeschaufelt – und damit ein Stück Stadtgeschichte mitgeschrieben. Doch der Weber Sigg, wie ihn viele vom Stammtisch kannten, war weit mehr als ein Totengräber. Das tägliche Arbeiten mit Toten und ihren Angehörigen war für ihn keineswegs nur grau und traurig. Ganz im Gegenteil: Wie das Leben selbst, waren seine Geschichten bunt, lebendig und oft von einem proletarischen Humor geprägt, der sich nicht selten gegen die „Oberen“ der Kleinstadt richtete.

„Manchmal musste man lachen, auch wenn es ums Graben ging – sonst würde man hier verrückt werden“, erzählte Weber einmal lachend. Viele Kolbermoorer erinnern sich noch an seine humorvollen Anekdoten: Etwa die Geschichte von der Katze, die sich in einem frisch ausgehobenen Grab niederließ – sehr zum Ärger, aber auch zur Belustigung der Trauergäste.

Doch Weber engagierte sich nicht nur für humorvolle Momente. Er setzte sich für das Recht der Schwächeren ein und kämpfte für den Erhalt des natürlichen Lebensraums in Kolbermoor. Siegfried Weber war ein echtes Urgestein der Stadt – ein Mann, dessen Geschichten, Einsatzbereitschaft und Humor die Menschen Kolbermoors noch lange begleiten werden.

Es war ein Abend, der zum Schmunzeln und Erinnern einlud, auch weil Klaus Weber nicht stur aus dem Buch las, sondern immer wieder in eine humorvolle Interaktion mit den Zuhörern ging, von denen viele „den Sigg“ noch gut kannten.

Der Erlös dieses Abends wurde Eltern gespendet, die sich an der Adolf-Rasp-Schule die kostenpflichtige Mittagsbetreuung nicht leisten können, da die kostenfreie Offene Ganztagsschule von der Stadt Kolbermoor beendet wurde.

Das Ehepaar Andrä wird auch zukünftig unregelmäßig Veranstaltungen in Kolbermoor aus Kultur und Politik anbieten.

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