Freya wird Kolbermoors neues Wahrzeichen

von Redaktion

Auch wenn er sich nicht wie Wickie die Nase gerieben und anschließend mit dem Finger geschnippt hat, ist Franz Stettner junior aus Kolbermoor ein sagenhafter Einfall gekommen: Er bringt das Schiff Freya als neues Wahrzeichen nach Kolbermoor. Wie es zum Wikinger-Coup kam – und wie der Transport abläuft.

Das Schiff Freya weist derzeit noch massive Schäden auf. Foto Nägele

Kolbermoor – Dieser Blickfang könnte nicht nur Kolbermoors neues Wahrzeichen, sondern ein absoluter Besuchermagnet werden: Die Franz Stettner Beverage Group wird dem Wikingerschiff Freya, bekannt aus dem Film „Wickie auf großer Fahrt“, eine neue Heimat geben. Doch bevor es dort bewundert werden kann, muss der hölzerne Koloss erst einmal von Prien in die Stadt an der Mangfall gebracht werden.

Man kann Franz Stettner junior, Juniorchef der Kolbermoorer Edelobstbrennerei, durchaus als Wicki-Fan bezeichnen: So hatte er als Kind nicht nur die Zeichentrick-Serie verfolgt, sondern vor einigen Jahren auch die Kinofilme „Wicki und die starken Männer“ und „Wickie auf großer Fahrt“ gesehen. Neben den menschlichen Protagonisten quasi einer der Hauptdarsteller: das Wikinger-Schiff Freya, das extra für die Dreharbeiten der Wicki-Fortsetzung angefertigt worden war.

Transport wird
mehrere Stunden dauern

Wurde das Schiff nach seinem Einsatz als Filmrequisit zunächst 2016 bei der Wikingerausstellung im Rosenheimer Lokschuppen zum Blickfang, konnten Chiemsee-Gäste seit 2017 an Bord der Freya einen Hauch von Wikinger-Luft erleben. Bis das bekannte Boot im Herbst 2024 im wahrsten Sinne des Wortes in Schieflage geriet. Sprich: Das Boot war gesunken, die Bergung extrem aufwendig, eine anschließende Reparatur unwirtschaftlich. So entschloss sich Besitzer Manfred Eckerl, Geschäftsführer der Schraml GmbH in Prien, das Boot abzugeben.

Für Stettner junior der Moment, aktiv zu werden. „Ich hatte gehört, dass das Schiff ausgeschlachtet werden soll, was wirklich schade gewesen wäre“, erzählt der 34-Jährige, der bereits vor Jahren ein Auge auf die Filmkulisse geworfen hatte. „Wenn ich die Freya am Chiemsee gesehen habe, fand ich das immer super“, erinnert sich der Unternehmer. „Ich habe damals schon zum Besitzer gesagt, dass ich Interesse daran hätte, wenn‘s nicht mehr gebraucht wird – als Wahrzeichen auf dem Dach“, sagt der 34-Jährige und lacht.

Mit dem Dach wird‘s zwar nichts – dafür soll das Holzschiff, das Eckerl Stettner sogar kostenlos überlässt, eine neue „und endgültige“ Heimat auf dem Firmengelände bekommen. Und zwar in Sichtweite zum Eingang ins Bürogebäude, direkt hinter den Firmenparkplätzen. „Da können dann unsere Mitarbeiter ihre Mittagspause auf dem Schiff verbringen“, sagt der Juniorchef.

Doch bis es so weit ist, sind wie bei Wickie einige starke Männer vonnöten: Am Donnerstag, 27. November, soll das rund 17,5 Meter lange, knapp sechs Meter breite, rund 6,5 Meter hohe und 14 Tonnen schwere Holzschiff per Schwertransport von Prien nach Kolbermoor gebracht werden. „Das Transportunternehmen hat die möglichen Routen dokumentiert und Bilder angefertigt“, berichtet Stettner von den Planungen, die bereits 2,5 Monate andauern.

Nach Angaben von Stettner soll das Schiff am Donnerstagnachmittag verladen werden. In Prien ist die Abfahrt dann gegen 20 Uhr anvisiert, „um den Berufsverkehr nicht zu behindern“, wie Stettner verrät. Mit einer Ankunft auf dem Firmengelände in Kolbermoor rechnet der Juniorchef nach rund drei Stunden, also zwischen 22 und 23 Uhr. Dort soll die Transportkolonne dann mit Fackeln, Schmankerln und von einer Wikinger-Gruppe empfangen werden.

Das Landratsamt Rosenheim als zustimmende Behörde hat dem Transportvorhaben unter Auflagen zugestimmt. So muss nach Angaben von Behördensprecherin Sibylle Gaßner-Nickl der Transport von drei Begleitfahrzeugen eskortiert werden. „Aufgrund der Verladearbeiten wird für die Osternacher Straße 96 in Prien am Donnerstag, 27. November, von 17 bis 20 Uhr eine Vollsperrung gelten“, teilt Gaßner-Nickl zudem auf OVB-Anfrage mit. „Während des Transports nach Kolbermoor kann das Fahrzeug nicht überholt werden.“ 

Stettner wird für das Schiff selbst zwar nichts zahlen, muss nach eigenen Angaben aber für den Transport einen mittleren fünfstelligen Betrag hinblättern. „Kaufmännisch macht das natürlich keinen Sinn“, sagt der 34-Jährige. Oder vielleicht doch? Denn für das Unternehmen gibt es durchaus Produkte, die in Verbindung mit Wikingern stehen. Nicht nur, dass das Unternehmen seit über 40 Jahren den bereits bei Wikingern beliebten Honigwein Met produziert. Mit „Vikingsler“ hat die Franz Stettner & Sohn GmbH zudem eine neue Produktlinie auf Honigbasis mit sieben Produkten im Sortiment – vom Whisky bis zum Eierlikör.

Daher findet auch der bisherige Freya-Besitzer Eckerl, dass das Schiff jetzt „in gute Hände kommt“. „Das war mir persönlich auch sehr wichtig“, so der Priener Unternehmer, für den eine Wiederflottmachung des Holzschiffs aufgrund der hohen Auflagen „absolut unwirtschaftlich“ gewesen wäre. „Wir hatten da sehr viel Herzblut reingesteckt“, so Eckerl, der durch Freya nach eigenen Angaben einen großen Werbeeffekt erzielen konnte. „Das Schiff war schließlich eines der meistfotografierten Objekte in Prien – und bis nach Hamburg bekannt.“ Einer erneuten Reparatur des Schiffs hat aber gewissermaßen die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Hätten wir da nicht auf Einnahmen verzichten müssen und Rücklagen bilden können, hätte das finanziell anders ausgesehen.“

Nun ist Eckerl zumindest froh, dass das Schiff im Landkreis Rosenheim bleibt und er Freya in Kolbermoor besuchen kann. Und auf dem Schiff wohl die Stettner-Produkte genießen kann. „Wir werden das Schiff vor Ort restaurieren und eine große Wikinger-Bar in den Bauch des Schiffes bauen“, verrät Franz Stettner junior, dem durchaus bewusst ist, dass sich Freya derzeit in einem „sehr maroden“ Zustand befindet. Eine echte Herausforderung für das Unternehmen, das die Restaurierung in Eigenregie durchführen wird, denn: „Mit Küfer- und Holzarbeiten kennen wir uns ja sehr gut aus.“

Einweihungsfeier
nach der Restaurierung

Ab Frühjahr 2026 soll das Schiff restauriert werden und anschließend nicht nur als Blickfang dienen, sondern auch für Tastings und kleinere Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Für Interessierte ist es aber auch abseits dieser Events möglich, das Schiff auf dem Gelände zu bewundern. Sobald Freya in neuem Glanz erstrahlt, will das Unternehmen zudem zu einer Einweihungsfeier laden. Geplant ist, dass das Schiff bereits zu Pfingsten runderneuert präsentiert werden kann.

Doch bis es so weit ist, muss nun zunächst der Umzug von Prien nach Kolbermoor über die Bühne gehen. „Natürlich ist es eine Spinnerei, aber ich freue mich sehr“, sagt Franz Stettner junior, der aus der Belegschaft bisher nur positive Rückmeldungen erhalten hat. „Wir erhalten damit ja auch ein Stück Filmgeschichte.“ Und schenken der Stadt Kolbermoor quasi ein neues Wahrzeichen und einen Besuchermagneten.

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