„Es begleitet junge Menschen 24/7“

von Redaktion

Millionen Schüler sind Opfer von Cybermobbing. Lijana Kaggwa, bekannt durch ihren freiwilligen Ausstieg aus dem Finale bei „Germany‘s Next Topmodel“ im Jahr 2020, engagiert sich seit Jahren für Prävention und spricht nun über die aktuelle Relevanz in der Gesellschaft. Was die 29-Jährige jungen Menschen im Umgang mit Mobbing rät.

Bad Aibling – Erst im vergangenen Jahr sorgte die Studie „Cyberlife V – Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefahr“ vom Karlsruher Bündnis gegen Cybermobbing für Aufsehen – und bedenkliche Zahlen. Demnach waren mindestens zwei Millionen Schüler in Deutschland, also etwa jeder Fünfte, bereits Opfer von Cybermobbing. Schauplatz war und ist hierfür oftmals die Schule.

Veranstaltung
an der Schule

Nicht zuletzt aufgrund dieser Entwicklung hatte der Verein Mut & Courage Bad Aibling Ende 2024, damals im Rahmen des internationalen Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, eine Veranstaltung in der St.-Georg-Grund- und Mittelschule organisiert. Dabei sprach auch Lijana Kaggwa, bekannt als Model und Influencerin, mit rund 150 Schülern in bemerkenswerter Offenheit über Mobbing und Cybermobbing. Nun, knapp ein Jahr später, erklärt die Kasselerin gegenüber dem OVB, wie sich das Thema in der Gesellschaft mittlerweile entwickelt hat.

Lijana Kaggwa erlangte 2020 große Bekanntheit, als sie im Finale der ProSieben-Show „Germany‘s Next Topmodel“ vor die Jury trat und völlig überraschend ihren Ausstieg erklärte. „Ich werde nicht mehr das Futter sein für mehr Hass“, sagte sie damals während der Live-Übertragung zu Heidi Klum und Co. und bezog sich dabei etwa auf Morddrohungen, die sie und ihre Familie in den Wochen zuvor erhalten hatten. Während der Topmodel-Staffel polarisierte die junge Frau und erntete vor allem in den sozialen Netzwerken Kritik, die oftmals unter die Gürtellinie ging.

„Die Aufklärung ist heute wichtiger denn je, weil sich Gewalt ins Digitale verlagert hat und dort oft unsichtbarer, schneller und intensiver wirkt“, sagt Kaggwa, die nach ihren schlimmen persönlichen Erfahrungen den Verein „Love Always Wins“ gründete. Auch als Autorin des Buches „Du verdienst den Tod“ reist sie seit Längerem durch Deutschland und referiert an Schulen. Dafür wurde der Verein in diesem Jahr etwa mit dem Hessischen Präventionspreis ausgezeichnet. Ihre Botschaft: Cybermobbing verschwindet nicht nach Schulschluss – „es begleitet junge Menschen 24/7“. Gleichzeitig verfügten viele Kinder und Jugendliche nicht über die nötige Medienkompetenz oder Resilienz, um mit Hass und Druck im Netz umzugehen, erklärt sie. Prävention sei deshalb entscheidend.

Doch ist eine Besserung in Sicht, nachdem das Thema mehr und mehr in der öffentlichen Debatte angekommen ist? „Ja, definitiv“, ist sich die 29-Jährige sicher. „Ich erlebe, dass Schulen, Eltern und auch Jugendliche heute viel sensibler auf digitale Gewalt reagieren.“ Das Thema habe eine gesellschaftliche Relevanz bekommen, die es vor einigen Jahren noch nicht gehabt habe. „Trotzdem gibt es weiterhin große Wissenslücken – vor allem in Bezug auf Meldewege, rechtliche Schritte und die psychischen Folgen“, so die Buchautorin. So sei das Bewusstsein zwar da, echte Handlungssicherheit fehle jedoch häufig noch.

Als sie damals persönlich Opfer von Cybermobbing geworden ist, hätte sich Kaggwa mehr Hilfe und Aufklärung zu dem Thema gewünscht, blickt die heute 29-Jährige zurück. „Ich hätte mir gewünscht, dass Betroffene wie ich ernster genommen werden. Damals hatte ich lange das Gefühl, weder gesehen noch gehört zu werden – und genau deshalb ist es mir heute so wichtig, darüber zu sprechen und Strukturen zu verändern.“ Denn: Keine junge Person sollte diese Erfahrung alleine machen müssen, betont sie.

Anderen Menschen
anvertrauen

Deshalb rät sie jungen Menschen, die selbst zum Opfer werden, nicht alleine zu bleiben. „Sich einer vertrauten Person anvertrauen – sei es Familie, Lehrkräfte, Freundinnen und Freunde oder Fachstellen wie JUUUPORT oder die Nummer gegen Kummer.“ Dann sollte man alle Beweise sichern, Inhalte melden, blockieren und das eigene Profil schützen. „Und in schweren Fällen unbedingt zur Polizei gehen, auch damit Fälle statistisch sichtbar werden“, sagt Kaggwa.

Freunde, die entsprechende Mobbing-Fälle mitbekommen, sollten zudem unbedingt hinschauen, Haltung zeigen, Betroffene stärken und Hilfe holen. „Schon ein einziger Mensch, der sagt ‚Ich sehe dich. Ich glaube dir. Du bist nicht allein‘ kann unglaublich viel verändern“, sagt die Autorin, die mit ihrer Arbeit mittlerweile auch in Unternehmen, Ausbildungsbetrieben und bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen unterwegs ist.

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