Kolbermoor – Erst vor wenigen Tagen in der neuen Heimat angekommen, ist das Wikingerschiff Freya bereits zum beliebten Fotomotiv geworden: „Am Samstagvormittag war gut was los“, erzählt Franz Stettner junior, Juniorchef der Franz Stettner Beverage Group, der den Wikinger-Coup eingefädelt hatte. „Viele Begeisterte kamen auf das Firmengelände, um ein Selfie zu machen und das Schiff aus der Nähe anzusehen.“
Filmrequisit vor der
Zerstörung gerettet
Bereits vor Jahren hatte Franz Stettner junior ein Auge auf das aus dem Kinofilm „Wickie auf großer Fahrt“ bekannte Wikingerschiff Freya geworfen. Nun hat der 34-Jährige Nägel mit Köpfen gemacht und das Filmrequisit quasi vor der Zerstörung gerettet. Denn nachdem das Boot, das seit 2017 Chiemsee-Besucher über das Bayerische Meer schipperte, im Herbst 2024 gesunken war, standen teure Reparaturen an, die nach Angaben des damaligen Besitzers Manfred Eckerl, Geschäftsführer der Schraml GmbH in Prien, so „unwirtschaftlich“ waren, dass er sich letztlich dagegen entschieden hatte.
So blieb als eine der wenigen Optionen, das Schiff auszuschlachten, was Stettner aber unbedingt verhindern wollte. Mit Erfolg. Vom bisherigen Besitzer bekam er die Freya letztlich geschenkt, organisierte dafür aber für einen mittleren fünfstelligen Betrag den Transport und ließ das schwerbeschädigte Wikingerschiff Donnerstagabend, 27. November, per Schwertransport von Prien aufs Stettner-Firmengelände nach Kolbermoor bringen.
Ein Umzug, der reibungslos geklappt hat. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Stettner auf OVB-Anfrage. „Alle Beteiligten haben Hand in Hand zusammengearbeitet.“ Er selbst habe damit „kaum Arbeit“ gehabt, denn: „Alles wurde seitens der Spedition organisiert und durchgeführt.“ So sei auch die Zimmerei Baumann, die ein passendes Podest zum Transport des 14 Tonnen schweren Schiffs gebaut hatte, „sehr zufrieden gewesen“, die Kommunikation sei „super“ abgelaufen.
Auf dem Stettner-Firmengelände soll das Schiff ab kommenden Frühjahr von Mitarbeitern des Unternehmens restauriert, in den Bauch der Freya zudem eine Bar gebaut werden. Für Pfingsten ist dann eine große Einweihungsfeier für das neue Wahrzeichen der Edelobstbrennerei geplant, ehe an der Bar Tastings durchgeführt werden sollen oder Stettner-Mitarbeiter dort ihre Mittagspause verbringen können.
Und wie ist die Arbeit mit Blick auf das monströse Wikingerschiff? „Anfangs noch befremdlich“, sagt der Juniorchef des Kolbermoorer Unternehmens. „Aber man gewöhnt sich an alles.“ Am schönsten sei es am Sonntagvormittag gewesen, da sich an diesem Tag das Wetter von seiner schönsten Seite präsentiert habe und die Berge „direkt vor der Nase“ zu sehen gewesen seien. Stettner: „Man hatte das Gefühl, in Skandinavien zu sein, da die Alpen im Hintergrund der Freya zu sehen waren.“
Christian Poitsch, Marketingchef der Stadt Kolbermoor, findet den Freya-Coup „eine super Marketingidee“. „Hier verbindet sich die Aufmerksamkeit für die Firma mit einem zusätzlichen augenzwinkernden Schmunzeln“, findet der Stadtvertreter. „Und natürlich auch dem konkreten späteren Einsatz vor Ort im ,Hafen Kolbermoor‘.“
Dass das Schiff zukünftig ein Besuchermagnet für die Stadt Kolbermoor wird, hält Poitsch aber „für zu hoch gehängt“. „Es wird sicher ein Hingucker auf dem Betriebsgelände“, glaubt der Stadtmarketingchef, „und als Bar oder Eventlocation auch von Interesse und gut verwertbar sein“.
Pfingsten kommt die
große Einweihungsfeier
Doch könnte das hölzerne Filmrequisit mit einer Länge von rund 17 Metern und einer Höhe von rund 6,5 Metern neben Schaulustigen und Wickie-Fans auch Randalierer und Vandalen anlocken, die sich am Wikingerschiff austoben wollen?
Diese Angst hat Franz Stöttner junior nicht, schließlich sei „unser Firmengelände gut von allen Seiten einsehbar“, weshalb Vandalismus „sofort auffallen“ würde. Und auch ein weiteres Argument hat der 34-Jährige, wenn auch augenzwinkernd, parat: „Auch die Götter werden Freya schützen.“