Kolbermoor/Bad Feilnbach – Als Ende 2023 eine Ära in Kolbermoor tränenreich zu Ende ging, stand die Zukunft an selbigem Ort noch in den Sternen. Nach 36 Jahren schloss Stefan Harster sein über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Abend-Bistro „Grammophon“ für immer zu. Umso mehr freute sich Harster gegenüber dem OVB darüber, dass er nur wenige Monate später einen neuen Pächter für die Räumlichkeiten in der Rosenheimer Straße 30 gefunden hatte. Und so traten im Mai 2024 Dennis Gärtner und Patrick Braasch, die kurz zuvor das Unternehmen „Your Event“ gegründet hatten, das Grammophon-Erbe an und machten aus der Kult-Kneipe das „Your Baristro“.
Neues Konzept
versucht zu etablieren
Doch jetzt ist klar, dass das Kolbermoorer Gastro-Abenteuer für den inzwischen alleinigen Inhaber Dennis Gärtner nach weniger als zwei Jahren schon wieder endet. Doch was steckt dahinter?
Fast unscheinbar kündigte das Lokal Ende November das anstehende Ende über die sozialen Medien an. „Sorry, wir schließen“, hieß es damals etwa in einem Facebook-Post. „Unterstützt noch mal die Bands, die kommen, schaut noch mal rein. Wir freuen uns, mit Euch die Bar zu leeren.“ Ein offensichtlich unregelmäßiger Besucher der Kneipe kommentierte darunter: „Vielleicht hätte man da öfters mal hingehen sollen…“ Womit er wohl treffend zusammenfasst, warum es für das „Your Baristro“ über den Dezember hinaus keine Zukunft mehr gibt.
„Im Endeffekt wurde das Angebot einfach nicht ausreichend angenommen“, bedauert Dennis Gärtner die Entwicklung auf OVB-Anfrage. Er blickt nun mit „gemischten Gefühlen“ auf das nahende Ende, schließlich habe er in den vergangenen Monaten und Jahren vieles versucht, um den Menschen eine besondere Location zu bieten.
Schon zu Beginn sei dem 37-Jährigen klar geworden, dass das Essen nicht mehr wie früher angenommen wurde. „Ich habe dann gemerkt, dass ich Bock auf Musik habe“, erinnert sich Gärtner an die Überlegungen, das Konzept grundlegend anzupassen.
„Ich bin dann auf den Vermieter zugegangen und wir haben darüber gesprochen, etwas anderes zu probieren“, sagt der Inhaber. Es folgten größere Sanierungs- und Umbauarbeiten, an deren Ende eigentlich nur die Bar aus dem alten Bestand übrig blieb. „Auf einmal hatten wir Platz für 130 Leute, hatten eine eigene Bühne und super Acts bei uns zu Gast“, sagt er. Im November 2024 erhielt der Gastronom für sein musikalisches Engagement sogar von Landtagsabgeordnetem Sebastian Friesinger und Finanz- und Heimatminister Albert Füracker die Auszeichnung „musikantenfreundliches Wirtshaus“. Das neue Abendbistro wurde zur Anlaufstelle für diverse Musikveranstaltungen mit besonderen Musikern und Bands. Darunter etwa „Lost in a Bar“, die in München ganze Hallen füllen, oder „Stubenfliege“ aus Wien, die ihren ersten Deutschland-Auftritt gar im Kolbermoorer „Your Baristro“ feierten, erzählt Gärtner. Doch zur großen Enttäuschung wurden selbst diese besonderen Events in der Rosenheimer Straße nicht wirklich gut angenommen.
„Wenn man dann für ‚Lost in a Bar‘ acht Tickets verkauft, ist das einfach viel zu wenig“, bilanziert Gärtner das mangelnde Interesse des Publikums. Trotz intensiver Werbung, trotz aufwendiger Plakate – letztlich musste Gärtner viele Veranstaltungen aufgrund ausbleibender Nachfrage absagen, „weil einen die Kosten auch auffressen“. Und so war die Entscheidung irgendwann unumgänglich, das Projekt Ende Dezember 2025 zu beenden. Gärtner hofft nun darauf, dass die letzten Live-Konzerte, bei denen nun allesamt der Eintritt frei sei, für ein versöhnliches Ende sorgen. Es folgen am 12. Dezember die Blaulichtparty, am 13. Dezember „Da Oide Schlog Live“, am 19. Dezember „ALT. House Session – DJ Set im Baristro“, am 20. Dezember eine Jazz-Weihnachtssession sowie am 27. Dezember ein Abschlusskonzert mit verschiedenen Bands, unter anderem Rock mit Mundart. „Und dann war’s das für uns“, sagt Gärtner.
Er fürchtet, mit Kolbermoor für sein Konzept letztlich den falschen Ort gewählt zu haben. „Man weiß es natürlich nie und mit Livemusik ist es heutzutage ohnehin schwierig geworden. Aber vielleicht hätte es in einer anderen Stadt wie Rosenheim oder München diese Probleme nicht gegeben.“ Dennoch sei er froh, es hier versucht zu haben, wenngleich sich der 37-Jährige jetzt auch freut, künftig wieder näher und mehr in seiner Wahlheimat Bad Feilnbach sein zu können. Denn dort betreibt er seit diesem Sommer ohnehin zusätzlich auch den Kiosk im Schwimmbad Bad Feilnbach.
Gärtner aktiv im
DEHOGA-Vorstand
Neben einer Angestellten-Tätigkeit, der der leidenschaftliche Gastronom nun wieder nachgehen wird, will Gärtner seinen vollen Fokus auf den Feilnbacher Kiosk legen. Denn auch hier hat er bereits große Pläne und will künftig auch weiterhin Musikveranstaltungen im Schwimmbad auf die Beine stellen. „Es ist echt cool, wie die Gemeinde das Ganze annimmt“, lobt er die kooperative Zusammenarbeit. Aktuell feilt der 37-Jährige sogar schon an den Plänen für ein Open Air, das noch nicht ganz in trockenen Tüchern sei, jedoch, wenn alles klappt, am 29. August 2026 in Bad Feilnbach stattfinden soll.
Und überhaupt will Gärtner der Musik, vor allem der handgemachten Musik, treu bleiben. Vor allem Bands, die in Mundart spielen, hätten es ihm angetan. Neben seinem Engagement bei „meiVEREIN“, der sich mit gezielten Projekten und Synergieeffekten um die Förderung von Mundart und Kultur in Bayern kümmert, ist Gärtner im November auch in den Vorstand der DEHOGA Bayern-Fachabteilung Musik und Szene gewählt worden. „Auch wenn ich dann in Kolbermoor keine eigene Bühne mehr haben werde, will ich beiden Seiten, also Musikern und Gastwirtschaften helfen.“ Wie es konkret ab Januar in den Räumen des dann ehemaligen „Your Baristro“ weitergehen wird, ist aktuell noch unklar.