Kolbermoor – Zu einem Kennenlern-Abend lud kürzlich der Ortsverband der Grünen Kolbermoor ein. Ziel der Veranstaltung war es, interessierten Bürgern die Kandidaten für die Stadtratswahl am 8. März persönlich vorzustellen und Einblick in ihre kommunalpolitischen Schwerpunkte zu geben. Im Mittelpunkt stand dabei weniger Parteipolitik, sondern vielmehr die Frage, wie Kolbermoor verantwortungsvoll und mit Augenmaß weiterentwickelt werden kann.
Ein zentrales Thema war das geplante Bauvorhaben im Quartier Nord-Ost „Am Alpenblick“. Stadträtin und Spitzenkandidatin Caroline Schwägerl berichtete über die Stadtratssitzung im vergangenen November, in der die Beauftragung des Projekts mit einem Patt von zwölf zu zwölf Stimmen keine Mehrheit fand (wir berichteten). Gegen die Vorlage stimmten neben der Grünen-Fraktion auch die CSU-Fraktion sowie ein Stadtrat der Freien Wähler. Das Projekt werde seit fast zwei Jahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit vorbereitet. Dennoch bestünden aus Sicht der Grünen weiterhin erhebliche Bedenken, insbesondere bezüglich der Bebauungsdichte, der Verkehrsanbindung und der Sicherheitsaspekte.
Auf den Hochwasserschutz ging Silke Rath-Reißmann ein. Sie verwies darauf, dass das Gebiet bereits heute sensibel sei. Eine stärkere Begrünung, beispielsweise durch Aufforstung entlang des Schellgrabens, könne den Hochwasserschutz verbessern. Zusätzliche Versiegelung verschärfe hingegen die Situation. Der Verlust alter Bäume – unter anderem durch Fällungen im Jahr 2023 und Schneebruch – habe aus ihrer Sicht zur Überflutung im Sommer 2024 beigetragen. Auch der geplante Aushub großer Mengen Seeton für Tiefgaragen sei mit erheblichen ökologischen und finanziellen Folgen verbunden.
Die Diskussion weitete sich auf das Thema bezahlbaren Wohnraum aus. Anna-Lena Rosner verwies darauf, dass die Stadt Kolbermoor in den 1990er-Jahren einen umfangreichen Bestand an ehemaligen Werkswohnungen der Baumwollspinnerei in kommunales Eigentum übernommen habe. Diese Entscheidung habe sich bis heute als wichtiger Beitrag zur Sicherung bezahlbaren Wohnraums erwiesen. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Neubau allein die steigenden Mieten nicht wirksam begrenzen könne, da neu entstehende Wohnungen nur einen vergleichsweise kleinen Teil des gesamten Wohnungsmarktes ausmachten. Ausschlaggebend sei vielmehr der politische Umgang mit dem bestehenden Wohnungsbestand. Fehlentwicklungen und Weichenstellungen der vergangenen Jahrzehnte hätten wesentlich zur heutigen angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt beigetragen.
Anton Eisenkolb betonte, dass Kolbermoor in den vergangenen Jahren bereits stark gewachsen sei. Weitere großflächige Neubaugebiete müssten sorgfältig abgewogen werden, auch mit Blick auf kommende Generationen und deren Entwicklungsmöglichkeiten. Zugleich kritisierte er die „zunehmende Finanzialisierung“ des Wohnungsmarktes, deren Kosten letztlich die Mieter trügen.
Praktische kommunale Handlungsmöglichkeiten zeigte Monika Exler, selbst in der Immobilienwirtschaft tätig, auf. Kommunen könnten beispielsweise durch Leerstandskataster, Abgaben auf dauerhaft leerstehende Wohnungen oder durch Förderung von Umbau und Aufstockung bestehender Gebäude zu mehr bezahlbarem Wohnraum beitragen. Diese Maßnahmen seien häufig auch ökologisch sinnvoller als Neubauten, die mit hohem CO2-Ausstoß verbunden seien.
Ein weiteres Anliegen brachte Korbinian Schwägerl ein: die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum. Als Betroffener kennt er die bestehenden Mängel aus eigener Erfahrung. Seit Juli 2025 ist Barrierefreiheit gesetzlich vorgeschrieben. Sein Ziel sei es, insbesondere im Straßenverkehr konkrete und spürbare Verbesserungen für Menschen mit Einschränkungen zu erreichen.
Aus dem Publikum kam schließlich die Frage, warum die Grünen bei der kommenden Kommunalwahl keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellen. Caroline Schwägerl erklärte, man setze bewusst auf ein starkes Stadtratsteam. Ziel sei es, die Stadt konstruktiv mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen. Das Amt des Bürgermeisters erfordere zudem eine besondere persönliche und zeitliche Lebenssituation.