Ein besonderer Tanz zum rechten Moment

von Redaktion

Auftakt der Schäffler-Saison vor dem Rathaus in Kolbermoor – „Gelebtes Brauchtum am Puls der Zeit“

Ein Höhepunkt waren zwei Fassschläger mit ihrer Handwerksdarstellung.

Kolbermoor – Punkt 18.01 Uhr marschierten am vergangenen Montag die Kolbermoorer Schäffler in kompletter Mannschaftsstärke hinter ihrer Festmusi, der Panger Musikkapelle „Am Wasen“, und in Blaulichtbegleitung der Kolbermoorer Floriansjünger von der Rosenheimer Straße zu ihrer 17. Tanzsaison auf den Vorplatz des Rathauses. Hinter dem Zugführer folgten die Fahnenträger mit der Schäfflerfahne, die Reifenschwinger und die Träger des Fasses sowie der Kronenstange. Nach den Fasskaspern bildeten der Tanzmeister und die Tanzmannschaft in Marschordnung sowie die Helfer hinter den Kulissen das Schlussbild. Bei Temperaturen um die Null-Grad-Marke wurde der bunte Traditionsaufzug von 500 bestens aufgelegten Zuschauern begeistert in Empfang genommen.

Flutlicht sorgt
für besondere Stimmung

Dazu hauchte das von der Feuerwehr installierte Flutlicht dem Veranstaltungsplatz im Herzen der Stadt eine besondere nächtliche Atmosphäre ein. Für den optischen Farbtupfer sorgten die Schäffler höchstpersönlich mit ihren schwarzen Schuhen, weißen Kniestrümpfen, schwarzer Kniebundhose, gelbem Schurzleder, roter Jacke und grüner Kappe mit weißem Federbusch.

Nach der Begrüßung des Publikums, zu der die Tänzer ihre Bögen absenkten, begann der Auftanz zu den Klängen eines „Schottischen“ mit der sogenannten Königsschlange, die die Pest als schlangenartiges und Gift verbreitendes Wesen symbolisierte. Der Auftakt wechselte dann zu einer Laube, mit der die eng zusammenstehenden Tänzer die Angst, Furcht und Zurückgezogenheit der Menschen vor dem schwarzen Tod erzählten. Das nächste Bild, ein großes Kreuz, schlug den Bogen zum christlichen Glauben und zur Kirche. Für das Ende der Pest und den Beginn des neuen Lebens folgte der Wechsel zu vier Quadrillen.

Als optischer Höhepunkt erinnerte eine Kronenformation an das damalige Herrscherhaus der Wittelsbacher. Nicht nur hierfür erhielten die Schäffler tosenden Beifall von den dicht gedrängten Zuschauerrängen. Besonders waren auch zwei Fassschläger mit ihrer Handwerksdarstellung im großen Kreisgebilde. Dazu changierten die Tänzer mit ihren Bögen gegeneinander im Takt des Klopfens.

„Gutes und
friedliches Miteinander“

Bei dem Grußwort, zu dem Christian Staudinger auf das in der Kreismitte platzierte Fass stieg, dankte er den Kolbermoorern und Gästen für ihren Treuebeweis. Auch ging er noch einmal auf die Beweggründe des Schäfflertanzes ein: „Das Thema ist aktueller denn je. Wir haben mit diesem gelebten Brauchtum die Hand am Puls der Zeit, gerade bei den aufgeladenen Themen rund um Social Media und der KI sowie den vielen Krisenherden auf der ganzen Welt, wollen wir ein Zeichen von einem guten und friedlichen Miteinander setzen. Heute wollen wir mit euch einfach für einen kleinen Moment Spaß und Freude haben.“ Danach ließ er zum flotten Musik-Takt zwei kleine Reifen mit je einem Glaserl Schnaps über seinen Kopf kreisen.

Im Anschluss schwangen sich die Kasperl in ihren bunten Kostümen abwechselnd auf das Fass. Mit ihren lustigen Versen sorgten sie für Lacher. Nach einem dreifachen „Pfiffkas-Hoch“ erfolgte der mit viel Applaus bedachte Abmarsch. Einige kamen aber gleich wieder aus dem Rathaus nach draußen und präsentierten sich beim „Bad in der Zuschauermenge“ als Sympathieträger.

Aus dem Geschichtsbuch: 140 Jahre Kolbermoorer Schäffler

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