Kolbermoor – Eine gewisse Ratlosigkeit war vielen Besuchern, aber auch den fünf Kandidaten, anzusehen: Eineinhalb Stunden hatten sich die fünf Bewerber für das Amt des Bürgermeisters in Kolbermoor bemüht, die gut 200 anwesenden potenziellen Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Ob es dem ein oder anderen gelungen ist, darf aber durchaus bezweifelt werden. Was allerdings weniger an den Kandidaten selbst, sondern vielmehr an der Moderation des Abends lag.
Kapitän Kloo verlässt
„Kommandobrücke“
Zu einer „Vorstellungsveranstaltung“ der Bürgermeisterkandidaten Christian Morgenroth (SPD), Thomas Rothmayer (Parteifreie Kolbermoor), Leonhard Sedlbauer (CSU), Johanna Bössl (Linke) und Christian Demmel (AfD) hatte der Verein „Energieberatung Kolbermoor“ am vergangenen Montagabend in den Mareissaal geladen. Und das Interesse der Bürger war durchaus groß. Zumal bei einer Bürgermeisterwahl die Sympathie „eine weitaus größere Rolle“ spiele, als die Parteizugehörigkeit, wie Vereinsvorsitzender und Moderator Rainer Tschichholz anmerkte.
Schließlich verlasse mit Bürgermeister Per Kloo (SPD), der seit 24 Jahren an der Spitze der Stadt steht, ein „erfahrener Kapitän die Kommandobrücke des Kreuzfahrtschiffs Kolbermoor“, wie Tschichholz in Anlehnung an die Segel-Leidenschaft des Langzeit-Bürgermeisters anmerkte. Die Entscheidung, wer dessen Arbeit fortführen soll, müsse „wohlüberlegt“ sein, schließlich soll die Kommune auch weiterhin als „lebenswerte und bürgerfreundliche Stadt“ wahrgenommen werden.
Wer für sie der geeignete Bürgermeisterkandidat sein könnte, auf diese Frage dürften an diesem Abend aber die wenigsten Besucher eine Antwort gefunden haben. Was zum einen daran lag, dass der Veranstalter die Diskussionsblöcke ausschließlich auf die Thematiken Klima- und Umweltschutz gemünzt hatte. Zum anderen daran, dass Tschichholz bei vielen Fragen nur wenigen Kandidaten die Möglichkeit gegeben hatte, Stellung zu beziehen.
So erfuhren die Besucher bei der Frage, wie die Bürgermeisterkandidaten die Zukunft der E-Mobilität in der Stadt sehen, zwar, dass sich SPD-Kandidat Thomas Morgenroth nicht „auf Erfolgen ausruhen“ und „Visonen und Mut“ beweisen will, Thomas Rothmayer von den Parteifreien Kolbermoor der Stadt „eine gute Vorreiterrolle“ bescheinigt und daher auch das geplante Parkhaus mit 80 weiteren Ladesäulen befürwortet sowie CSU-Bewerber Leonhard Sedlbauer E-Mobilität zwar unterstützt, er aber auch etwas für „Leute tun will, bei denen das finanziell einfach nicht drin ist“. Wie die Linken-Kandidatin und der AfD-Bewerber zu diesem Thema stehen, blieb aber offen, nachdem Tschichholz gleich zum nächsten Thema, der Rad-Mobilität, davongebraust war.
Zumindest hier durfte Linken-Vertreterin Johanna Bössl dann für einen weiteren Ausbau des Radwegnetzes eintreten, wobei sie sich mit den Worten „Ich mache jetzt gerne weiter, nachdem Sie uns ja bei der letzten Frage ausgelassen haben“ einen Seitenhieb auf die Moderation nicht verkneifen konnte. Was Bössl zudem anmerkte: Dass die Mangfallradwege – im Vergleich zu den Strecken in der Stadt Rosenheim – in Kolbermoor „nicht gestreut werden“, was ein großes Sicherheitsrisiko sei. Die Verwunderung Tschichholzs darüber, dass Bössl jetzt eher über Sicherheit, als über den Umweltgedanken dahinter rede, konterte Bössl mit einer Frage: „Natürlich rede ich über Sicherheit. Denn wer soll auf den Wegen fahren, wenn sie nicht sicher sind?“
Auch AfD-Vertreter Christian Demmel zeigte sich offen für einen Ausbau des Radwegenetzes und eine gute Verbindung zwischen den Städten, betonte aber auch, dass die Radwege nicht „zu viel Raum einnehmen“ dürfen. Er mahnte stattdessen ein besseres „Miteinander von Fußgängern und Radfahrern“ an. Und legte den Fokus zudem auf Menschen mit Behinderungen: „Die Wege müssen auch für Rollstuhlfahrer befahrbar sein.“
Deutlichere Unterschiede – zumindest zwischen den Kandidaten, die Antworten durften – dann bei der Frage nach alternativen Energien in und für die Stadt: Während Sedlbauer die Kraft der Sonne als „wichtigstes Pfund, mit dem wir wuchern können“ sieht und diese über Speicher für Strom und Wärme nutzbar machen möchte, schielt Morgenroth zumindest „mit einem Auge“ auch auf die Windkraft. „Auch wenn Kolbermoor nicht die stärksten Winde hat, können wir davon vielleicht partizipieren“, findet der SPD-Vertreter und verweist auf mögliche Standorte in Bruckmühl, Tuntenhausen und Feldkirchen-Westerham. Demmel hingegen brachte die „Melasseblase, auf der wir sitzen“ ins Spiel, „die für uns viel wert sein kann“. Er sprach sich daher dafür aus, in Richtung Geothermie zu forschen, sich außerdem „technologieoffen“ zu zeigen.
Zur letzten Frage, wie die Bürger bei der kommunalen Wärmeplanung, die bis 2028 seitens der Stadt umgesetzt werden muss, ins Boot geholt werden könnten, bekam dann nochmals Parteifreie-Bewerber Rothmayer das Wort. Er nutzte die Möglichkeit, an die Zuhörer zu appellieren: „Wir haben in der Stadt kostenlose Angebote, bei denen man sich darüber informieren kann. Ich kann nur raten, das zu tun.“