Kolbermoor – „Unübersichtlich“ und „sehr gefährlich“: So beschreibt Hans-Joachim Reuter (70) aus Kolbermoor die Verkehrssituation im Bereich der Filzen- und Kolberstraße in Kolbermoor. Vor allem die Doppelkurve im Bereich des Übergangs von der Filzen- in die Kolberstraße ist dem Anwohner ein Dorn im Auge. Weshalb er im Rahmen der Bürgerversammlung Mitte November den Antrag gestellt hatte, in diesem Bereich Tempo 30 einzuführen. Ein Thema, das die Stadt nach Angaben von Bürgermeister Peter Kloo (SPD) „auf der Agenda“ habe. Doch dass sich dort in naher Zukunft etwas tut, scheint eher unwahrscheinlich.
Beispiele aus der
näheren Umgebung
„Das Überqueren der Straße ist sehr gefährlich, egal ob zu Fuß, mit dem Rad oder beim Einfahren in die Straße mit dem Pkw“, findet Reuter. So würden Autofahrer an der Filzenstraße, an der es nur auf einer Seite einen Gehweg gibt, regelmäßig den Fahrbahn-Verschmälerungsstreifen touchieren und sogar über die Stellfläche vor seiner Garage fahren. Viele Verkehrsteilnehmer seien dort zudem „wahnsinnig schnell“ unterwegs, wie der Anwohner bereits bei der Bürgerversammlung ausgeführt hatte.
Und das an einer Stelle, an der auch viele Schüler unterwegs sind, wie Reuter deutlich macht: Denn im Kurvenbereich liege eine Bushaltestelle, die „vor allem morgens und mittags zum Schülertansport genutzt“ werde. Um den Verkehrsteilnehmern einen besseren Überblick zu bieten, ist an der Straße zwar ein Spiegel angebracht. Dieser ist laut des Anwohners vor allem in der kalten Jahreszeit aber nutzlos, schließlich sei er „im Herbst und Winter regelmäßig beschlagen oder vereist“. Reuter forderte die Stadt daher auf, in diesem Straßenabschnitt mit Tempo 30 zu beschildern, so wie es nach Angaben des Kolbermoorers beispielsweise im Bereich der Schlösselstraße auf der Durchgangsstraße zwischen Großkarolinenfeld und Westerndorf-St. Peter gemacht worden sei. „Sogar auf der B15 in Rosenheim vom Brückenberg im Bereich der Hubertusstraße bis zur Berufsschule – ebenfalls eine Durchgangsstraße, sogar mit beiseitigem Gehsteig – wurde ein 30er-Bereich eingerichtet“, führt er ein weiteres Beispiel an.
Ebenso an der Flurstraße in Kolbermoor auf Höhe der dortigen Wäscherei. Dort sei ebenfalls „trotz übersichtlicher Straße ein kurzes Stück auf Tempo 30 beschränkt“ worden. In einem erneuten Schreiben an die Stadtverwaltung forderte Reuter seitens der Kommune nun einen Sachstandsbericht ein und mahnte nochmals an, die „offensichtliche Gefahrenstelle“ zu beheben. Reuter: „Muss erst ein Kind zu Schaden kommen, bis seitens der Stadt reagiert wird?“
Dass es sich dort um eine „offensichtliche Gefahrenstelle“ handelt – diese Einschätzung teilt die Polizei jedoch nicht. „Nach Auswertung der polizeilichen Unfallstatistik sind die Filzenstraße sowie die Kolberstraße im Unfallgeschehen unauffällig“, teilt dazu Alexander Strickner, Mitarbeiter Verkehr bei der Polizeiinspektion Bad Aibling, auf OVB-Anfrage mit. Aus polizeilicher Sicht handle es sich dort nicht um eine gefährliche Stelle, da „keine Hinweise auf Unfallschwerpunkte oder Unfallgefahrenpunkte in diesem Bereich“ vorlägen.
Meist angepasste
Geschwindigkeit
Ob es mit der Stadt über diesen Bereich in den vergangenen Wochen einen Austausch gegeben hat, dazu kann Strickner „keine Auskunft“ geben. „Grundsätzlich besteht jedoch ein reger und konstruktiver Austausch zwischen der Polizei und der Straßenverkehrsbehörde.“ In puncto Tempo-30-Zone verweist er zudem auf die Kommune, die diese Entscheidungen „nach einer Prüfung des gesamten Sachverhalts und rechtlicher Gesichtspunkte“ treffe. Allerdings sei die Straßenverkehrsbehörde dazu verpflichtet, „die Polizei in einem Anhörungsverfahren einzubeziehen“. Die Stadt Kolbermoor hat indes Ende 2025 zunächst einmal Daten erhoben, um die Faktenlage prüfen zu können. So hat eine Verkehrsmessung im Zeitraum zwischen 25. November und 11. Dezember nach Angaben der Stadtverwaltung ergeben, dass von über 37.000 registrierten Verkehrsteilnehmern nur 3,4 Prozent die dort festgesetzte Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h überschritten hatten. Schneller als 55 km/h waren sogar nur 0,6 Prozent der Verkehrsteilnehmer unterwegs.
Auch die Stadt verweist zudem auf die Polizeiinspektion Bad Aibling, die die Filzenstraße gegenüber der Kommune in Hinblick auf Unfallhäufigkeiten als „unauffällig“ bezeichnet hatte. Des Weiteren ist dort laut Stadtverwaltung deutlich weniger Verkehr unterwegs, als früher. „An der Flur-, Filzen- und Kolberstraße haben in den letzten Jahren mehrere Verkehrszählungen stattgefunden, die bestätigt haben, dass durch die Eröffnung der B15 West die Verkehrsbelastung der angesprochenen Strecken deutlich abgenommen hat“, so Christian Poitsch, Stadtmarketingchef und Sprecher der Stadt. „Damit haben sich auch die Prognosen aus dem Verkehrsgutachten zur B15 West bestätigt.“
Doch nicht nur die aktuelle Verkehrslage, auch der Gesetzgeber hindere die Stadt derzeit noch daran, in diesem Bereich Tempo 30 einzuführen, wie Poitsch erklärt. „Die Anordnung einer Tempo-30-Strecke ist aufgrund derzeit vorliegender Fakten und geltender Rechtsauslegungen der Straßenverkehrsordnung nicht realisierbar“, so der Stadtsprecher. „Wir hoffen dennoch, dass durch die derzeitige Diskussion zur Straßenverkehrsordnung die Rechtslage so verändert wird, dass wir als Kommune in der Lage sind, Geschwindigkeitsbegrenzungen anordnen zu dürfen.“
30er-Bereich laut Stadt
„nicht realisierbar“
Eine Absichtserklärung, die Reuter keineswegs zufriedenstellt. Er glaubt, dass die Stadt diesem Thema einfach keine Priorität beimisst. Reuter: „Meiner Meinung nach ist es aufgrund der bereits aktualisierten Gesetze eine Frage des Willens, dort eine Tempo-30-Zone zu schaffen. Und hier will die Stadt einfach nicht handeln.“