Kolbermoor – Können beim Bau des geplanten Parkhauses am Kolbermoorer Bahnhof bis zu fünf Millionen Euro eingespart werden, wenn das bislang geplante Holzkonstrukt einem Systembau aus Stahl und Beton weicht? Diese These wollte die CSU-Fraktion im Stadtrat zumindest untersuchen lassen und hatte dazu in der November-Sitzung einen Antrag gestellt.
Planer stoßen
auf mehrere Hürden
Die Stadtverwaltung hat nun durch ein Architektenbüro die beiden Bauweisen gegenüberstellen lassen. Ergebnis: Legt man eine ähnliche Ausstattung zugrunde, schrumpft die Einsparung voraussichtlich auf wenige 100.000 Euro. Bei nur einer Gegenstimme votierte der Stadtrat daher dafür, das Parkhaus in Holzbauweise zu realisieren.
Auf der Fläche an der Haßlerstraße, die derzeit als ebenerdiger Parkplatz genutzt wird, soll ein Parkhaus mit acht Halbebenen in Holzbauweise entstehen, das 236 Fahrzeugen Platz bietet. Ein Drittel der Stellplätze soll Elektrofahrzeugen vorbehalten sein. Für die Stadt wichtige Details der Planung: der sogenannte „Stadtbalkon“, der den Parkenden einen Blick in die Innenstadt ermöglichen soll, sowie eine üppige Begrünung der Fassade. Kostenpunkt des Bauwerks: gut elf Millionen Euro.
Ein Preis, der innerhalb der Stadt für viel Diskussionen gesorgt hatte. Und beispielsweise auch bei den CSU-Stadträten für Bauchschmerzen sorgte. Woraus letztlich der Antrag resultierte, auch eine Systembauweise prüfen zu lassen. „Wir haben versucht, das nochmals zu bewerten und Kostenansätze zu finden“, sagte Bürgermeister Peter Kloo (SPD) am Mittwochabend (28. Januar) in der Stadtratssitzung in Hinblick auf die Vergleichsrechnung des Architekturbüros.
Wobei die Planer beim Vergleich der beiden Bauweisen in puncto Systembau auf mehrere Hürden gestoßen waren. So sei es im Systembau nicht möglich, wie bei der Holzkonstruktion geplant, auf schräg geneigte Parkebenen zu setzen. Was wiederum dafür sorgen würde, dass eine komplett neue Planung aufgesetzt werden müsste, so die Stadtverwaltung. Klar sei aber, dass, um die Stellplatzanzahl von rund 240 zu erreichen, in der Systembauweise sechs Parkgeschosse nötig würden, was wiederum bedeute, dass das Gebäude mit 18 Metern rund fünf Meter höher werde, als in Holzbauweise.
Und preislich? Die von der CSU im Antrag eingereichte Erstschätzung von rund 6,2 Millionen Euro für den Stahl-Beton-Bau hat nach Angaben der Verwaltung sowie des Architekturbüros zahlreiche Faktoren unberücksichtigt gelassen. So sei der dem Stadtrat so wichtige Stadtbalkon nicht eingerechnet, zudem keine Kosten für eine Bepflanzung angesetzt. Hinzu komme, dass das Parkhaus in Systembauweise wohl keine staatliche Förderung erhalte, das Holz-Parkhaus aber voraussichtlich mit knapp einer Million Euro gefördert werde. Fazit der Planer: Durch die Systembauweise seien vermutlich Einsparungen in Höhe von rund 400.000 Euro möglich.
„Der Unterschied ist jetzt nicht mehr groß“, kommentierte Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoor) die Rechnung. „Wir legen ja Wert auf gute Architektur, das ist auch wichtig.“ Dennoch sei es seiner Meinung nach sinnvoll gewesen, den Vergleich zu bekommen, denn: „Es ist ja ein ernstes Thema, schließlich geht es um Steuergelder.“ Auch Caroline Schwägerl (Grüne) war „nicht undankbar“ darüber, dass die CSU diesen Vergleich angestoßen hatte, denn: „Das gibt uns jetzt noch ein besseres Gefühl.“ Sie sei von der Planung in Holzbauweise „weiterhin sehr angetan“. Herbert Schmid (AfD) bezeichnete die Holzbauweise als „genial“.
Votum mit nur
einer Gegenstimme
Enttäuscht zeigte sich hingegen Markus Schiffmann (CSU). „Die Vorgehensweise ist für mich nicht zufriedenstellend“, kritisierte er die Stadtverwaltung. Denn die Systembau-Firma, mit der gesprochen worden ist, habe „bislang nicht die Chance bekommen, aufgrund der Vorplanung ein passendes Angebot zu erstellen“. Ihm sei „unbegreiflich, wieso man nicht ernsthaft so eine Einsparmöglichkeit angeht“.
Bis auf Schiffmann zeigte sich der Stadtrat aber einhellig zufrieden mit dem Vergleich, den die Stadtverwaltung angestrengt hatte. Bei nur einer Gegenstimme votierte das Gremium dafür, die Planungen des Parkhauses in Systembauweise nicht weiterzuverfolgen und den Bau als Holzkonstrukt auszuführen. Wobei der Bau selbst, der heuer beginnen soll, Pendlern einiges abverlangen wird. Denn für den Bauzeitraum von geschätzt einem bis eineinhalb Jahren müssen sich die Pendler auf zahlreiche fehlende Parkplätze rund um den Bahnhof einstellen.