Kolbermoor/Bad Aibling – Er ist mittlerweile bayernweit bekannt wie ein bunter Hund: Die Rede ist von Jungschwan Hugo, dem regelmäßig viele Pendler zwischen Kolbermoor und Bad Aibling begegnen. Da er sich dort zumeist auf den Wiesen an der Staatsstraße 2078 aufhält, und nicht in der Mangfall, machen sich Passanten Sorgen, Hugo könnte – wider seine Natur als Wasservogel – wasserscheu sein. Eine Vermutung, die Patrick Mittermaier vom Verein Wildvogelhilfe Roßhart in Edling gegenüber dem OVB jetzt aber ins Reich der Fabeln verweist.
Jungschwan immer wieder
an Staatsstraße 2078
Jüngst hatte sich sogar ein bayernweiter Radiosender mit dem Jungschwan befasst, den Pendler kurz vor dem Pullacher Kreisel bei Kolbermoor seit Wochen immer wieder auf den Wiesen an der Staatsstraße 2078 entdeckten. Dort sitzt der Wasservogel, dessen bräunliches Gefieder darauf hindeutet, dass er noch nicht ganz ausgewachsen ist, und scheint entspannt den Verkehr zu beobachten.
Ein Verhalten, das offenbar viele Passanten irritiert, wie Andrea Thomas, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim, der das Rosenheimer Tierheim bei Kolbermoor betreibt, verrät. „In den vergangenen Wochen haben viele Menschen angerufen und uns auf den Schwan aufmerksam gemacht“, verrät Thomas, die selbst an einem Sonntag im Tierheim mitbekommen hatte, „dass immer wieder wegen Hugo das Telefon gebimmelt hat“.
Bitte des Tierheims:
Vogel in Ruhe lassen
Mittlerweile sei es um Hugo aber wieder ruhiger geworden. Was unter anderem auch daran liegen könnte, dass das Tierheim aufgrund der vielen Rückmeldungen Mitte Januar auf seinen Social-Media-Kanälen einen Post mit dem Titel „Kann man Hugo nicht einfach Hugo sein lassen?“ veröffentlicht hatte. Quintessenz des Posts: Die Bitte, gerne an der Staatsstraße 2078 als Verkehrsteilnehmer auf Hugo achtzugeben, aber ihn sonst in Ruhe zu lassen. Denn dass es dem Jungschwan gut gehe, sei von Experten bestätigt worden, wobei Thomas in diesem Zusammenhang auf den Verein Wildvogelhilfe Roßhart verweist, der in Edling bei Wasserburg beheimatet ist.
Kein Wunder also, dass sich Patrick Mittermaier, Vorsitzender der Wildvogelhilfe Roßhart, in den vergangenen Wochen quasi zum Hugo-Experten entwickelt hat.
Wildvogel-Experte:
„Hugo geht es gut“
„Hugo geht es gut“, kann Mittermaier, der das Jungtier immer wieder im Mangfalltal besucht, auf OVB-Anfrage bestätigen. So sei in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde, Jägern und dem Veterinäramt letztlich auch beschlossen worden, dass Hugo in seinem selbst gewählten Revier zwischen Kolbermoor und Bad Aibling bleiben kann.
Zumal das Tier laut Mittermaier keineswegs ein untypisches Verhalten an den Tag legt. So sei es „durchaus normal, dass sich Schwäne im Winter oft auf Wiesen aufhalten. „Im Winter gibt es nicht so viele Wasserpflanzen in den Gewässern“, erklärt der Wildvogel-Experte. „Auf den Wiesen finden sie hingegen kleine Insekten als Futter.“ Zu beobachten sei außerdem, dass Hugo sich dort nur tagsüber aufhalte, gegen Einbruch der Dunkelheit ziehe er sich hingegen ans Wasser zurück.
Verhalten nicht
außergewöhnlich
Auch dass Hugo alleine unterwegs ist, ist nach Angaben von Mittermaier „nicht außergewöhnlich“. Denn Jungtiere würden ab etwa Oktober von älteren Tieren aus dem Wasser und damit aus dem eigenen Revier vertrieben. Dies führe dazu, dass die Jungtiere auf sich alleine gestellt sind.
Zudem kann der Edlinger mit Spekulationen und Befürchtungen, das Tier könnte verletzt oder gesundheitlich angeschlagen sein, aufräumen. „Er ist fit, wehrt sich, und fliegt weg“, weiß Mittermaier zu berichten. „Sobald er wegfliegt, ist mit ihm eigentlich alles ok.“ Was nach Angaben des Wildvogel-Experten auch die Bad Aiblinger Polizei bereits am eigenen Leib erfahren konnte. So seien die Ordnungshüter bereits wegen Hugo im Einsatz gewesen. Das bestätigt Manuel Schlosser, Sprecher der Polizeiinspektion Bad Aibling, gegenüber dem OVB.
Schwan wäre fast schon
„entführt“ worden
Hugo scheint also ein Jungschwan zu sein, der ein ganz normales Verhalten an den Tag legt, sich aber ein Revier gesucht hat, in dem er quasi auf dem Präsentierteller sitzt und dadurch vielen Menschen auffällt. Wobei es Mittermaier grundsätzlich freut, dass sich die Menschen um das Wohl des Tieres sorgen. Eine Sorge, die beim ein oder anderen aber auch ein völlig falsches Verhalten auslöst. So hatte eine Person nach Angaben des Wildvogel-Experten sogar versucht, Hugo zu „entführen“, um ihn ans Wasser zu bringen. „Ich war damals selbst vor Ort. Und dennoch wollte diese Person den Schwan versetzen“, berichtet Mittermaier, der klarstellt: „So etwas verstößt gegen das Gesetz und kann dem Tier schaden.“