KI zeichnet Kolbermoorer „Stadtbild“ der Zukunft

von Redaktion

Wahlprogramme der Stadtratsbewerber als Informationsquelle – Reaktionen der Parteien und Gruppierungen

Kolbermoor – Auf den Internetseiten der Parteien und politischen Organisationen, die am Sonntag, 8. März, zur Stadtratswahl in Kolbermoor antreten, können sich potenzielle Wähler anhand der Wahlprogramme ein Bild darüber machen, in welche Zukunft die Bewerber die Stadt führen wollen. Die bildliche Vorstellung, was das jeweils für die Stadt Kolbermoor bedeuten könnte, ist allerdings nicht immer so leicht. Das OVB hat sich daher an einer Visualisierung der Wahlprogramme versucht – mithilfe künstlicher Intelligenz (KI).

Einheitliche
Anweisung

Um das Ergebnis nicht zu verfälschen, wurde die Anweisung an die KI – in diesem Falle ChatGPT – einheitlich formuliert. Zentraler Befehl: „Erstelle mir bitte aus dem hochgeladenen Wahlprogramm und dem Foto des Kolbermoorer Rathauses ein fotoähnliches Bild, wie die Stadt Kolbermoor anhand des Wahlprogrammes zukünftig aussehen könnte.“ Herausgekommen sind „Stadtbilder“, die auf den ersten Blick durchaus ähnlich erscheinen, beispielsweise viel Grün zeigen, auf den zweiten Blick aber auch Unterschiede offenbaren. Und typische KI-Fehler zeigen, die seitens der Redaktion aber absichtlich nicht verändert worden sind, um bei allen Parteien und politischen Organisationen ein unverfälschtes Ergebnis zu bekommen.

Radfahren auf
dem Gewässer?

Die typischen KI-Fehler sind es auch, die Christian Sedlmayer, Vorsitzender der Parteifreien Kolbermoor, scheinbar als erstes ins Auge stechen. „Bei dem Bild ist offensichtlich, dass es sich um eine KI-Generierung handelt“, stellt Sedlmayr, der auf Listenplatz 16 für den Stadtrat kandidiert, fest. Er verweist auf „deutliche Fehler“ wie den „Fahrradfahrer auf dem Gewässer“, die Windräder, „die für unsere Stadt sicher nicht machbar und sinnvoll sind“, sowie den zusätzlichen Gehweg zur Fahrradstraße, der keinen Sinn mache. „Ich denke nicht, dass wir in unseren Wahlzielen so verworrene Umsetzungsmaßnahmen sehen“, so Sedlmayr weiter, der allerdings auch positive Aspekte findet: „Was dennoch gut passt, ist die Darstellung eines lebendigen Zusammenlebens, wobei hier noch die Vielfalt einzubringen wäre.“

Wenig mit dem seitens KI erzeugten Bild über Kolbermoors mögliche Zukunft kann Stefan Derk, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und auf Platz 9 der SPD-Liste, anfangen. „Es fällt mir schwer, das Bild in irgendeiner Weise mit Kolbermoor in Verbindung zu bringen, da lediglich das Rathaus als Teil der Stadt zu erkennen ist“, so der Sozialdemokrat. „Inwieweit das Bild eine Umsetzung unseres Wahlprogrammes darstellen soll, erschließt sich mir kaum.“ Sicherlich seien „Infrastruktur und Mobilität“ für die SPD ein zentrales Thema, „aber auch Autos haben weiterhin ihren Platz in der Stadt“. Kernthema sei zudem bezahlbarer Wohnraum, wobei „die Darstellung der Bauten“ sich aber „überhaupt nicht“ mit den SPD-Vorstellungen decke. Derk: „Insgesamt sehe ich die Darstellung eines kompletten Wahlprogramms in Form eines einzigen Bildes als problematisch an.“

Ganz anders die Linke: „Das von der KI gezeichnete Bild finde ich durchaus gelungen“, sagt Maria Boberschmidt, Co-Kreisvorsitzende und Listenanführerin für die Stadtratswahl in Kolbermoor. „Denn die Stadt ist grün, belebt und Menschen verschiedenen Alters kommen zusammen.“ Dass Forderungen wie „bezahlbarer Wohnraum und kostenlose Kinderbetreuung in Kita und Schule auf so einem Bild schwer abbildbar seien, liege auf der Hand. Zudem sollten laut Boberschmid „vielleicht nicht überall Parteiflaggen hängen“, aber: „Kolbermoor nennt sich ja jetzt schon ,Stadt voller Leben‘ – und diesem Claim wird das Bild auf jeden Fall gerecht.“

Auch die Grünen können sich durchaus für das anhand ihres Wahlprogramms erzeugte KI-Bild erwärmen. „Warum fühlen wir uns an manchen Orten sofort wohl?, fragt Else Huber, Sprecherin des Grünen-Ortsverbandes, die selbst nicht für den Stadtrat kandidiert. „Genau hier knüpft die KI-Visualisierung an.“ Denn sie zeige „eindrucksvoll“, wie ein grüner Platz die Aufenthaltsqualität spürbar steigern könne – „durch Flächenentsiegelung, Bäume, kleine Flussläufe, Wildblumen, Trinkbrunnen, auch im Rahmen eines Hitzekonzepts“. Ob allerdings die abgebildeten Windräder oder „andere erneuerbare Energien zum Einsatz kommen“, ermögliche Raum für Diskussionen. Huber: „Der Entwurf liefert einen starken Anstoß und lädt dazu ein, das Potenzial einer modernen, zukunftsfähigen Stadtplanung mutig zu nutzen.“

Christian Demmel, Vorsitzender der Kolbermoorer AfD, Listenanführer auf der AfD-Liste und Bürgermeisterkandidat, bezeichnet das auf dem AfD-Wahlprogramm basierende KI-Bild als „treffend für unsere Ziele einer resilienten Stadtentwicklung mit hoher Aufenthaltsqualität und einer Flaniermeile, Begegnungsorten an der Mangfall sowie einer modernen Infrastruktur, die alle Verkehrsteilnehmer und einen optimierten ÖPNV gleichberechtigt berücksichtigt“. Allerdings wirke aus seiner Sicht die Darstellung durch „übermäßige Parteisymbolik überladen“. Wichtig sei seiner Partei „das gezielte Miteinander, das durch die sichtbare Präsenz der Polizei in einem sicheren und geordneten Rahmen stattfindet“.

Für Fabian Artmann, Vorsitzender der CSU und auf Platz drei des CSU-Wahlvorschlags, wirkt die KI-Visualisierung des Wahlprogramms nur „auf den ersten Blick gelungen“. Artmann, der nach eigenen Angaben berufsbedingt viel mit KI zu tun hat, vermutet, dass das Bild „mit einem ungeeigneten Modell“ erzeugt worden sei und dadurch „mit Kolbermoor nur wenig zu tun“ habe. So sehe das Rathaus in Wirklichkeit anders aus. „Zudem wird Kolbermoor weder eine Straßenbahn bekommen noch Windkraftanlagen betreiben – das findet sich auch nicht in unserem Wahlprogramm.“ Dennoch kann der Christsoziale der Darstellung auch etwas Positives abgewinnen: „Als Visualisierung ist das KI-Bild durchaus ansprechend und trifft in Teilen genau die Richtung, die wir wollen“, so Artmann. „Eine belebte Innenstadt, mehr Begrünung, Photovoltaik und Räume, in denen Menschen gerne zusammenkommen und sich begegnen.“

Politische Vertreter sehen möglichen KI-Einsatz in der Kommune

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