Kolbermoor – In seiner Sitzung am Mittwochabend (4. März) hat der Kolbermoorer Stadtrat einstimmig den Bau eines Mehrfamilienhauses mit 22 Mietwohnungen an der Unteren Mangfallstraße 11a + b beschlossen. Bauherr ist die Stadt, die die Wohneinheiten letztlich zu vergleichsweise günstigen Mietpreisen anbieten will. „Wir haben dann 350 städtische Wohnungen plus diese 22. Es wird keine andere Kleinstadt in der Größe Kolbermoors geben, die so viele hat“, freute sich nicht nur Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoor) über den geplanten Zuwachs an bezahlbarem Wohnraum.
Gebäude wird als
Holzskelettbau errichtet
Nach Vorstellungen des Stadtrats sowie der Planer soll auf dem Grundstück, auf dem einst das sogenannte Invalidenhaus stand, ein Mehrfamilienhaus mit drei Vollgeschossen, Hochparterre und Walmdach entstehen, das laut Stadtverwaltung „einen städtebaulich schlüssigen Übergang zwischen dem zweigeschossigen Denkmalensemble und dem angrenzenden drei- bis viergeschossigen Wohngebiet“ bildet. Nach Angaben von Ulf Rössler vom Münchner Architekturbüro „Dressler Mayerhofer Rössler“ ist die Untere Denkmalschutzbehörde am Landratsamt Rosenheim ebenfalls „mit unserem Entwurf einverstanden“.
Das Gebäude selbst wird in Form eines Holzskelettbaus errichtet. Um Baukosten zu senken, haben die Planer beispielsweise die Bäder der Wohneinheiten direkt übereinander angeordnet, damit notwendige Kabelstränge unkompliziert und ohne Umwege verlegt werden können. Zwei der Wohneinheiten sollen zudem „besonders barrierefrei“ gestaltet werden. Die Barrierefreiheit ist laut Rössler zudem beim Thema Aufzug berücksichtigt worden: „Es handelt sich um große Aufzüge, damit sie rollstuhlgerecht sind“, erklärte der Architekt dem Gremium. „Da geht auch ein Fahrrad, sogar ein EBike rein.“
Die Wohnungen selbst werden zwischen einem und vier Zimmern groß sein. „Der Wohnungsmix entspricht der Wohnraumnachfrage der Stadt Kolbermoor und umfasst kleinere Wohnungen für Senioren und Alleinstehende sowie größere Einheiten für Familien und Alleinerziehende“, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Beheizt werden soll das Gebäude mit der KfW-Effizienzklasse 40 über Fernwärme, auch die seitens des Stadtrats gewünschte Überdachung der Fahrradstellplätze im nördlichen Außenbereich hat das Architekturbüro eingeplant.
Kostenpunkt der Baumaßnahme nach aktueller Schätzung: knapp 6,1 Millionen Euro, was Baukosten von gut 4.000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche entspricht. Wobei sich die Stadt einen großen staatlichen Zuschuss aus den Töpfen des „Kommunalen Wohnraumförderprogramms (KommWFP)“ verspricht. Laut Stadtverwaltung hat die Regierung von Oberbayern der Kommune mittlerweile auch mitgeteilt, dass Kolbermoor „in das Winterpaket des KommWFP aufgenommen wurde und für eine Förderung vorgesehen ist“.
Christian Demmel (AfD) hakte aufgrund der weltpolitischen Lage und des jüngsten Kriegsgeschehens in Nahost in puncto Baukosten nach: „Wird sich diese Preisgestaltung im Hinblick auf die derzeitigen Ereignisse halten lassen?“, fragte er beim Architekten an. „Wir haben derzeit eine harte Konkurrenz der Firmen. Die gehen mit den Preisen sogar weiter runter“, schilderte Rössler die aktuelle Lage. Er verwies zudem darauf, dass „Holzbau nicht abhängig vom Ölmarkt“ sei. Rössler: „Ich kann nicht versichern, dass wir beispielsweise fünf Prozent unter dem Wert bauen. Derzeit sind wir aber drunter.“
CSU-Stadtrat Leonhard Sedlbauer wollte vom Architekten dagegen wissen, ob die Balkone im obersten Stockwerk, wie bei den anderen Stockwerken auch, mit Sonnen- und Regenschutz versehen werden. „Die werden genauso überdacht, damit das alles gleichwertig ist“, konnte Rössler dazu dem Stadtrat berichten.
Wird es teurer durch
den Nahost-Konflikt?
Letztlich fand das Bauvorhaben inklusive Gestaltung und Ausstattung fraktionsübergreifend Zustimmung. So lobte Kannengießer, dass „Architektur und Wirtschaftlichkeit sehr gut dargestellt“ seien. „Wir würden uns allerdings freuen, wenn auch private Bauherren etwas in dieser Richtung machen würden“, drückte der Parteifreie die Hoffnung aus, dass sich zukünftig Investoren an bezahlbarem Wohnraum versuchen. SPD-Vertreterin Dagmar Levin-Feltz zeigte sich ebenfalls vom Entwurf begeistert: „Das ist ein toller Bau, der den Zielen der Stadt gerecht wird.“
Nach dem einstimmigen Votum des Stadtrats wird sich die Kolbermoorer Bauverwaltung nun mit der Genehmigungsplanung sowie der Beantragung der Baugenehmigung auseinandersetzen. „Wir wollen auch so schnell wie möglich mit dem Bau beginnen“, hofft Bürgermeister Peter Kloo (SPD) auf baldige Fortschritte im Verfahren. Dann könnten zu Beginn des kommenden Jahres an der Unteren Mangfallstraße die Bagger anrollen.