Kolbermoor – Was seit Monaten immer wieder mal als Gerücht die Runde machte, hat jetzt der neue Wirt selbst bestätigt: Tibor Tavali (43), der seit rund vier Jahren die kleine Gaststätte „Servus Füglein“ an der Rosenheimer Straße betreibt, übernimmt den Kolbermoorer Brückenwirt. „Ich habe vor, Anfang April zu öffnen“, verrät der gebürtige Ungar gegenüber dem OVB. Was aber wiederum auch bedeutet, dass Tavali das „Servus Füglein“ aufgibt. Als letzten Tag im bisherigen Domizil hat der Gastronom aktuell den 26. März ins Auge gefasst.
Abschied fällt dem
Wirt durchaus schwer
Seit Mitte August 2025 steht der Brückenwirt an der Brückenstraße leer, nachdem Wirt Gerhard Fuchs zum Kirchenwirt nach Pang bei Rosenheim zurückgekehrt war. Nach der Schließung des Gasthauses war zunächst sogar die Angst in der Stadt umgegangen, dem Brückenwirt könnte es so ergehen wie dem Alten Wirt in Aising: Dort hatte der Besitzer der Immobilie, die Auerbräu GmbH, der auch der Brückenwirt gehört, nach jahrelangem Leerstand das Gebäude abreißen lassen. Dieses Schicksal bleibt dem Brückenwirt aber erspart.
Doch wie kam es nun dazu, dass Tavali, der seit 23 Jahren in Bayern lebt, innerhalb der Stadt Kolbermoor die Lokalität wechselt? „Das war überhaupt nicht geplant, sondern reiner Zufall“, sagt der 43-Jährige. „Es hatte sich jemand von Auerbräu bei mir gemeldet und gefragt, ob ich Interesse habe, den Brückenwirt zu übernehmen.“ Anschließend habe man immer wieder „gute Gespräche“ geführt, an deren Ende jetzt die Unterzeichnung des Pachtvertrags stand.
Mittlerweile hat Tavali auch mehrfach seine neuen Räumlichkeiten begutachtet, die deutlich mehr Platz bieten, als an der Rosenheimer Straße. „Das ist eine schöne, urige Wirtschaft“, sagt der Gastronom, der beispielsweise die Ausstattung der Küche als „picobello“ bezeichnet. Die Kritik seines Vorgängers, das Gebäude entspräche nicht mehr heutigen Standards, teilt der 43-Jährige nicht. „Wenn ich ein altes Gebäude habe, dann sind vielleicht die Energiekosten etwas höher. Bin ich im Neubau, zahle ich dafür eine viel höhere Miete“, sieht es der neue Brückenwirt-Wirt pragmatisch.
Wobei ihm der Abschied von seiner bisherigen Wirkungsstätte durchaus schwerfällt. „Das ,Servus Füglein‘ ist einfach ein kleines, uriges Lokal, das sehr gut angenommen worden ist“, sagt Tavali. Jetzt hofft er natürlich, dass die Stammgäste, die er nach und nach mit seiner Küche und der Atmosphäre gewonnen hat, ihm auch im neuen Domizil die Treue halten. So wie seine Mitarbeiterin Jasmin, die er schon „als Inventar“ bezeichnet und die selbstverständlich den Wechsel mitmacht. Auch zusätzliches Personal, das er aufgrund der größeren Wirtsräume und des geräumigen Biergartens benötigt, hat er bereits gefunden: „Die Mannschaft ist schon komplett.“
Und nicht nur die Mannschaft: Auch das Angebot, das er den Brückenwirt-Gästen zukünftig bieten wird, hat der 43-Jährige bereits im Kopf: So soll es, wie bereits im „Servus Füglein“, ein paar feste Klassiker wie Schweinsbraten, Zwiebelrostbraten und Schnitzel geben. Insgesamt wird Tavali auf eine kleinere Karte setzen, denn: „Ich möchte frisch kochen, nicht mit Tiefkühlwaren – und das funktioniert nur mit einer kleinen Karte.“
Im Wirtsgarten setzt der 43-Jährige zudem auf bayerische Biergarten-Gemütlichkeit wie anno dazumal: So will er den Außenbereich in zwei etwa gleich große Bereiche mit jeweils rund 100 Plätzen unterteilen, wobei in einem Bereich bedient wird, im anderen Selbstbedienung herrscht. Dort können sich die Besucher an einem Stand Getränke und Speisen holen, beispielsweise knusprige Hendl, die in der Außenküche zubereitet werden. Sie können aber auch ihre eigene Brotzeit mitbringen: „Ich möchte, dass das wie ein klassischer Biergarten ist, wo die Gäste nur die Getränke kaufen müssen, wenn sie das wollen.“
Und der Gastronom hat noch viel mehr Ideen: So will er ein Abo-Essen einführen, zudem Motto-Feste veranstalten. Und Freitagvormittag zum Hotspot für Genießer und Ratscher werden. Und zwar beim Weißwurstfrühstück zum Selbstkostenpreis. „Ich möchte zwei Weißwürste und eine Breze für um die vier Euro anbieten“, verrät Tavali, der hofft, dass seine Wirtschaft „damit zum Treffpunkt für alle Generationen“ wird. Auch seine ungarische Heimat soll einen Platz bekommen: mit ungarischem Rindergulasch sowie Szegediner Gulasch, die einmal im Monat im Kessel über einem Lagerfeuer zubereitet werden.
Dazu wird dem ein oder anderen dann sicherlich auch ein frisch gezapftes Auerbräu-Bier munden, das logischerweise in der Auerbräu-Immobilie ausgeschenkt wird. Ob das für Tavali, der bislang Flötzinger in den Fässern und Flaschen hat, eine große Umstellung ist, dazu hält sich der 43-Jährige bedeckt: „Ich bin da neutral“, sagt Tavali und lacht. „Manche sagen, dass Flötzinger das bessere Bier ist, andere wiederum Auerbräu.“ Ihm persönlich schmecken nach eigenen Angaben die Biere beider Brauereien gut.
Weißwurstfrühstück bis Szegediner Gulasch
Bleibt nur noch die Frage, wann das Wirtshaus für die Gäste geöffnet haben wird. Doch auch hier hat sich der Gastronom bereits festgelegt. Montags, mittwochs und donnerstags wird der Brückenwirt mittags und abends geöffnet haben, freitags bis sonntags durchgehend. „Dienstag haben wir Ruhetag“, verrät Tavali. Dass in den Sommermonaten Ausflügler während der Schließzeiten ohne Verpflegung dastehen, wird aber nicht passieren: Denn dann soll es zumindest im Selbstbedienungsbereich des Biergartens etwas zu essen und zu trinken zu kaufen geben.