Ringen um das Kolbermoorer Rathaus

von Redaktion

Interview Thomas Rothmayer (Parteifreie) und Leonhard Sedlbauer (CSU) vor der Stichwahl

Will Bürgermeister von Kolbermoor werden: Leonhard Sedlbauer (CSU). Foto re

Kolbermoor – Die Spannung steigt: Wer wird Peter Kloo (SPD), seit 24 Jahren an der Stadtspitze, als Bürgermeister von Kolbermoor nachfolgen? Darüber entscheiden die rund 15.700 Wahlberechtigten bei der Stichwahl am Sonntag, 22. März. Im ersten Wahlgang am 8. März hatte sich Thomas Rothmayer (Parteifreie Kolbermoor) mit 40,8 Prozent der Stimmen den größten Zuspruch gesichert. Da er aber die absolute Mehrheit verpasste, muss der 41-Jährige in einer Stichwahl gegen den Zweitplatzierten, CSU-Kandidat Leonhard Sedlbauer, antreten. Auf den 28-Jährigen entfielen im ersten Wahlgang 20,6 Prozent der Stimmen.

Um den Wählern, die noch unentschlossen sind, bei wem sie das Kreuz machen sollen, eine Entscheidungshilfe an die Hand zu geben, hat das OVB den beiden Stichwahl-Kandidaten zu verschiedenen aktuellen Themen auf den Zahn gefühlt.

So verraten die beiden Bewerber , wie sie es mit der oftmals zitierten Brandmauer zur AfD halten wollen oder ob die Pläne für eine neue Siedlung im Nordosten der Stadt für sie endgültig erledigt sind, sollten sich die Kolbermoorer beim Bürgerentscheid am 19. April gegen die Fortführung der Planungen entscheiden.

Wieso sollte der Wähler bei der Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters am Sonntag, 22. März, unbedingt für Sie stimmen?

Thomas Rothmayer: Als parteifreier Bürgermeister unterliege ich keinen parteipolitischen Zwängen und bin nur dem Bürger gegenüber verpflichtet. Persönlich bin ich nicht nur in den Vereinen gut vernetzt, sondern auch als Familienvater mit vielen sozialen Belangen konfrontiert. Als Amtsleiter im Rathaus bin ich mit allen Themen der Stadt vertraut und kann sie daher auch zukunftsfähig entwickeln.

Leonhard Sedlbauer: Ich bin überzeugt davon, dass ich gemeinsam mit meinem Team die richtigen Themen in unserem Wahlprogramm besetzen konnte. In den letzten sechs Jahren habe ich mich im Stadtrat eingearbeitet und durfte als Fraktionssprecher Verantwortung übernehmen. Durch meine Tätigkeit im Rechnungsprüfungsausschuss – zuletzt als Vorsitzender – habe ich tiefe Einblicke in die Funktionsweise unserer Kommune über alle Sachgebiete und Ämter hinweg gewonnen. Zudem möchte ich mein politisches Netzwerk, das in alle Ebenen reicht, gerne zum Wohle unserer Stadt einsetzen.

Gibt es eine Eigenschaft Ihres Mitbewerbers, die Sie in Hinblick auf das Bürgermeisteramt gerne hätten?

Rothmayer: Nein.

Sedlbauer: Jeder Bürger und jede Bürgerin wird wahrscheinlich andere Eigenschaften nennen, die einen guten Bürgermeister ausmachen – und den perfekten Amtsträger gibt es sowieso nicht. Insofern glaube ich, dass jeder von uns beiden ganz individuell punkten kann.

Am 19. April entscheiden die Kolbermoorer darüber, ob die Planungen für eine neue Siedlung weiterverfolgt werden. Stimmt die Bevölkerung gegen die Planungen, ist die Stadt ein Jahr lang an diese Entscheidung gebunden. Würden Sie anschließend die Planungen wieder aus der Schublade holen?

Rothmayer: Eine Weiterverfolgung des Planungsprojekts nach einer einjährigen Sperrfrist werde ich wahrscheinlich unterbleiben lassen. Ich hoffe dennoch, dass die Bürgerinitiative auch bei einem umgekehrten Ergebnis die demokratische Entscheidung so akzeptiert, dass das Zusammenleben in unserer Stadt reibungslos verlaufen kann. Persönlich stehe ich hinter dem Projekt einer städtebaulichen Entwicklung an dieser Stelle. Eine ordentliche Erschließung ist hierbei maßgebend.

Sedlbauer: Wird der Bürgerentscheid am 19. April mit Quorum und Mehrheit angenommen, hat diese Entscheidung auch über die einjährige Sperrfrist hinaus für mich persönlich eine Bindungswirkung. Eine Fortsetzung der Planung kommt in diesem Fall aus meiner Sicht nicht infrage.

Auch auf kommunaler Ebene fällt in Hinblick auf AfD-Vertreter immer wieder das Stichwort „Brandmauer“. Sollte auf kommunaler Ebene mit allen demokratisch gewählten Personen zusammengearbeitet werden oder die Brandmauer auch im Stadtrat bestehen?

Rothmayer: Im Stadtrat muss inhaltlich mit allen gewählten Vertretern zusammengearbeitet werden. Keine parteiliche Koalition, sondern eine sachbezogene und zielorientierte Arbeit für Kolbermoor. Dass ich mich von Rechts- oder Linksextremismus, menschenverachtenden Parolen und Populismus distanziere, ist selbstverständlich. Was den Ablauf von Stadtratssitzungen betrifft, werde ich dafür Sorge tragen, dass bei Redeinhalten die demokratischen Werte respektvoll gewahrt bleiben.

Sedlbauer: Eine demokratische Wahl macht die Gewählten nicht automatisch zu Demokraten. Eine aktive Zusammenarbeit mit Vertretern der AfD – etwa durch Unterstützung von Anträgen, Personen oder durch gezielte Absprachen – lehne ich nicht nur persönlich ab, sondern werde daran auch durch den Unvereinbarkeitsbeschluss meiner Partei gehindert. Es gilt jedoch auch: Zufällige Mehrheiten oder Übereinstimmungen in Wortbeiträgen sind keine aktive Zusammenarbeit und meist nicht zu verhindern. Echte Demokraten lassen sich dadurch nicht auseinanderdividieren.

Im Frühjahr 2025 hatte der Kolbermoorer Stadtrat für eine deutliche Erhöhung der Kita-Gebühren gestimmt. Hat die Stadt mit dem hohen Standard ein Kita-Luxusproblem? Oder setzen Eltern, die daran Kritik üben, aus Ihrer Sicht finanziell einfach falsche Prioritäten?

Rothmayer: Die Kita-Gebühren erfolgen in Absprache mit den Einrichtungsträgern. Den hohen Standard durch bessere Personalschlüssel, als der Gesetzgeber vorsieht, will ich im Sinne einer guten Betreuung halten. Den höchsten Beitrag der Betreuungskosten leistet die Stadt. Sollte es in Familien soziale Härtefälle geben, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine gute Betreuung sollte meiner Ansicht nach wertgeschätzt werden.

Sedlbauer: Wir sind stolz auf unsere hochwertigen Kitas und das vielfältige Angebot, das immer parteiübergreifend mitgetragen und von den Eltern wertgeschätzt wurde. Klar ist aber: Wir haben eine Verantwortung für das Steuergeld aller Bürger. Angesichts der zuletzt sehr stark gestiegenen Defizite mussten wir reagieren, um den Haushalt nicht über Gebühr zu belasten. Gleichzeitig habe ich Verständnis für die Situation der Familien und habe mich deshalb – leider ohne Mehrheit – für eine Geschwisterermäßigung zumindest im Bereich der Nachmittagsbetreuung eingesetzt.

Nach derzeitigem Stand soll das Kolbermoorer Freibad, das nur per Solar beheizt wird und daher immer wieder für Diskussionen sorgt, am 1. Mai eröffnen. Benötigt das Schwimmbad Ihrer Ansicht nach eine „richtige“ Heizung?

Rothmayer: Das Schwimmbad ist in die Jahre gekommen, sodass eine Sanierung ansteht. Das Schwimmbad benötigt also mehr als eine richtige Heizung. Ein Sanierungsvorschlag ist durch eine Untersuchung zu erstellen. Die Konsequenzen hieraus müssen in einem realistisch gesehenen längeren Abwägungsprozess erarbeitet werden. Das Schwimmbad ist und bleibt mir eine wichtige Einrichtung.

Sedlbauer: Aus meiner Sicht muss das Freibad schnellstens wieder beheizt werden. Natürlich ist die vorhandene Gasheizung keine Lösung für die Ewigkeit. Bei einem persönlichen Besuch vor Ort habe ich jedoch auch die Auskunft erhalten, dass besonders Familien momentan sehr oft in andere Bäder in der Region ausweichen – vermutlich meistens mit dem Auto, was dem Klimaschutz ebenfalls nicht gerade zuträglich ist.

Fragen:

Mathias Weinzierl

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