Kolbermoor – Mit doppelt so vielen Stimmen im ersten Wahlgang am 8. März im Vergleich zu seinem Kontrahenten Leonhard Sedlbauer (CSU) war Thomas Rothmayer (Parteifreie Kolbermoor) als klarer Favorit in die Stichwahl um das Amt des Kolbermoorer Bürgermeisters gegangen. Letztlich wurde der 41-Jährige der Favoritenrolle eindrucksvoll gerecht. Mit 78,1 Prozent setzte sich der Chef des Kolbermoorer Ordnungsamts klar gegen den 28-jährigen Realschullehrer Sedlbauer (21,9 Prozent) durch. Damit wird Rothmayer am 1. Mai Peter Kloo (SPD) beerben, der 24 Jahre lang an der Stadtspitze gestanden hatte. „Mit diesem tollen Wahlergebnis hätte ich nicht gerechnet“, freute sich der künftige Bürgermeister über seinen klaren Wahlerfolg.
Kontrahenten verfolgten die Auszählung gemeinsam
Mit 40,8 Prozent hatte Rothmayer vor zwei Wochen die absolute Mehrheit und damit seine Wahl im ersten Wahlgang verpasst. So musste der 41-Jährige nun gegen Sedlbauer antreten, der sich mit 20,6 Prozent der Stimmen knapp den zweiten Platz vor dem SPD-Kandidaten Christian Morgenroth (19,9 Prozent) gesichert hatte. AfD-Kandidat Christian Demmel erhielt im ersten Wahlgang 13,6 Prozent der Stimmen, Johanna Bössl, Kandidatin der Linken, 5,0 Prozent.
Beim Eintreffen im Rathaus gaben sich beide Stichwahlkandidaten gelassen. „Ich bin überhaupt nicht aufgeregt“, sagte Rothmayer, der erneut mit seiner Ehefrau Diane erschienen war. Auch Sedlbauer zeigte sich entspannter als noch beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen. „Da war ich aufgeregter, jetzt geht‘s“, sagte der 28-Jährige, der sich einfach „ein gutes Ergebnis“ für sich wünschte.
Als nur wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr dann das erste Ergebnis über die Leinwand im Sitzungssaal des Kolbermoorer Rathauses flimmerte, war bereits absehbar, wer am Ende des Abends als Wahlsieger nach Hause gehen sollte. 73,4 Prozent der Stimmen konnte Thomas Rothmayer im Wahlbezirk „Trachtenheim“ auf sich vereinen, während sich 26,6 Prozent der Wähler dort für Leonhard Sedlbauer ausgesprochen hatten. Distanz bei den Zahlen – von Distanz im Sitzungsaal des Rathauses zwischen den beiden Bewerbern aber keine Spur. Gemeinsam verfolgten sie mit einem Bier in der Hand die Auszählung an einem Stehtisch. Am Ergebnis sollte sich bis zum Ende der Auszählung aber nicht mehr viel ändern.
Als Wahlleiter Peter Kloo gegen 19.45 Uhr – die Auszählung der Briefwahlbezirke hatte sich lange hingezogen – das Ergebnis verkündete, brandete lang anhaltender Beifall für den frisch gewählten Bürgermeister Rothmayer im voll besetzten Sitzungsaal auf. Das vorläufige amtliche Endergebnis: Rothmayer konnte 5.546 Stimmen (78,1 Prozent) verbuchen, für Sedlbauer stimmten 1.551 Wähler (21,9 Prozent). Die Wahlbeteiligung lag bei 47,6 Prozent.
Auch wenn Rothmayer vor der Auszählung noch jede Nervosität abgestritten hatte, war der 41-Jährige nach Ende der Auszählung erleichtert und sichtlich berührt. „Mich freut besonders, dass ich wirklich so einen Zuspruch bekommen habe“, so der künftige Bürgermeister, der morgen „erst mal mit meiner Frau frühstücken gehen“ wird. Und froh ist, „dass der Wahlkampf endlich vorbei ist“. In den Folgetagen will er dann schon mit Stadtratsvertretern die ersten Gespräche über die künftige Zusammenarbeit führen.
„Ich habe wirklich
Hochachtung vor ihm“
„Fair und sachlich“ – so stellt sich der Parteifreie das Zusammenspiel zwischen Bürgermeister und neu gewähltem Stadtrat ab Mai vor. Zwei Attribute, die er auch seinem unterlegenen Kontrahenten Leonhard Sedlbauer bescheinigte. „Ich habe wirklich Hochachtung vor ihm“, lobte Rothmayer den CSU-Bewerber, dem er „immer einen fairen Wahlkampf“ bescheinigte.
Sedlbauer zeigte sich ob des Auszählungsergebnisses „absolut entspannt“, nachdem „ich mit diesem Ergebnis ja schon gerechnet habe“. Dennoch gibt er zu, dass „ich mich über ein paar Prozentpunkte mehr schon gefreut hätte“. Mit der Kommunalwahl insgesamt sei er aber aufgrund seines „tollen Ergebnisses“ bei der Stadtratswahl „sehr zufrieden“. Auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister freut sich der 28-Jährige, denn: „Ich denke, dass Kolbermoor da einen sehr guten Mann gewählt hat, der sich durch seinen Job hervorragend im Rathaus auskennt.“
Nun ist also klar, wer nach 24 Jahren dem SPD-Urgestein Peter Kloo als Rathauschef nachfolgen wird. Der scheidende Bürgermeister empfand am Wahlabend aber keineswegs Abschiedsschmerz, sondern freute sich für den Wahlsieger. „Ich finde es für Kolbermoor sehr gut, dass der neue Bürgermeister mit einem derart großen Rückhalt das Amt antreten kann“, sagte Kloo. Für seinen bisherigen Mitarbeiter im Rathaus, der ihn nun beerben wird, fand er äußerst warme Worte: „Kolbermoor kommt mit ihm in sehr gute Hände.“