Kolbermoor – Während der Polizeiinspektion Bad Aibling wenige Stunden nach der Tat noch „keine Rückmeldungen“ seitens der Anwohner vorlagen, ist mittlerweile klar: Der Brand eines Altpapier-Containers an der Wiedehopfstraße, Ecke Spielhahnstraße, in Kolbermoor am frühen Morgen des 19. März hatte für zahlreiche Anwohner weitreichende Folgen. Denn bei dem Feuer, das mutmaßlich von einer 17- und einer 18-jährigen Kolbermoorerin gelegt worden ist, wurde auch ein Verteilerkasten des Telekommunikationsunternehmens Vodafone zerstört. Was zur Folge hatte, dass bis zu 139 Vodafone-Kunden aus dem Wohngebiet ohne Kabel-TV, Internet und Festnetz auskommen mussten. Doch die Reparatur ging dann letztlich doch schneller als gedacht.
Kuriose Antworten
der Vodafone-Mitarbeiter
Auch am vergangenen Montagnachmittag waren die Spuren der Brandstiftung in dem Wohngebiet im Kolbermoorer Nordosten noch offensichtlich: Zwischen angekokelten Papierresten erinnert nur noch eine der vier Rollen des Behälters an den großen, grünen Altpapiercontainer, der dort am 19. März in Flammen aufgegangen war. Der zweite Papiercontainer weist ebenfalls deutliche Brandschäden auf, ebenso der dahinterliegende Zaun und die Hecke. Für die Anwohner besonders ärgerlich: Auch ein Verteilerkasten des Unternehmens Vodafone, von dem nach dem Brand nur noch ein Gerippe zu erkennen war, wurde völlig zerstört.
Wenige Meter vom Brandherd entfernt diskutierten die Anwohner Gerhard Förster und Andreas Off über die Auswirkungen des Brandanschlags auf ihr Wohngebiet, wenig später gesellte sich auch noch Nachbar Thomas Henne hinzu. Während Off als Telekom-Kunde keine Ausfälle zu beklagen hatte, musste Förster seit 19. März aufs Fernsehen verzichten. „Ich habe mich natürlich gleich an Vodafone gewandt“, erzählte der Anwohner, der mittlerweile mehrmals mit dem Kabel-TV-Anbieter Kontakt hatte. Die Antworten, die er nach eigenen Fragen bekommen hatte? Durchaus kurios.
„Ein Mitarbeiter hat mir beispielsweise gesagt, dass keine Störung vorliegt“, erzählte der Kolbermoorer, während er auf den völlig zerstörten Verteilerkasten zeigte. Ein anderer Mitarbeiter habe bei einem weiteren Telefonat behauptet, dass zwar eine Störung gemeldet wurde, diese aber bereits behoben worden sei. „Angeblich hat ein Vodafone-Mitarbeiter vor Ort alles durchgemessen und festgestellt, dass alles funktioniert“, erzählte Förster kopfschüttelnd.
Dass es sich dabei scheinbar um keine Einzelfälle handelt, kann auch Anwohner Thomas Henne bestätigen. Er hatte sich ebenfalls zwecks der Störung an Vodafone gewandt, nachdem er beispielsweise seit 19. März nicht mehr ins Internet gekommen war. „Der Vodafone-Mitarbeiter hat dann angekündigt, dass er mir zwecks Schadensmeldung einen Link zuschickt“, erzählte Henne. „Aber was nützt mir bitte ein Link, wenn ich kein Internet habe?“
Letztlich kam dann aber doch schnell Bewegung in die „Sache Verteilerkasten“ im Kolbermoorer Nordosten. „Vodafone hat seit dem 19. März um 5.46 Uhr eine lokale Störung in einem sehr kleinen Teil seines Glasfaserkabelnetzes innerhalb von Kolbermoor“, bestätigte Vodafone-Sprecher Volker Petendorf gestern Früh auf OVB-Anfrage. „Bei bis zu 139 Kunden im Bereich Filzenstraße und Umgebung sind Kabel-TV, Internet und Festnetz-Telefonie vorübergehend nicht verfügbar.“ Grund sei der „lokale Verstärkerpunkt, über den diese 139 betroffenen Kunden“ versorgt würden und der zerstört worden sei.
Ein „örtlicher Dienstleister“ arbeite aber bereits „seit Bekanntwerden der Störung sehr intensiv an der Entstörung“, wozu unter anderem am 19. März ein Ortstermin und eine anschließende Ausarbeitung eines Reparaturkonzepts gehört habe. Bereits ab dem gestrigen Dienstag sollten dann die „finalen Reparaturarbeiten“ starten, im Zuge dessen „der zerstörte Verteilerkasten – inklusive Sockel – komplett neu errichtet und neu an das Stromnetz und an das Vodafone-Glasfaserkabelnetz angebunden“ werden sollte. Laut Petendorf sollten diese „voraussichtlich innerhalb von ein bis zwei Werktagen vollendet sein“. Und es ging sogar noch schneller: Bereits am frühen Dienstagnachmittag meldete Anwohner Förster gegenüber dem OVB: „Der Fernseher läuft wieder!“
Wobei der Vodafone-Sprecher darauf verweist, dass Kunden „rund um die Uhr“ auf verschiedenen Wegen, beispielsweise online oder anhand eines kostenfreien Anrufs unter Telefon 0800/1721212, derartige Störungen melden könnten. „Sofern dieses vom Kunden ausdrücklich gewünscht wird und es sinnvoll und umsetzbar ist, werden dann im direkten Dialog mit dem Kunden kostenlose Überbrückungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Datenvolumen auf dem Handy oder mobile Router vereinbart“, erklärt Petendorf weiter.
Vorwürfe gegen
mögliche Brandstifter
Zudem habe der Kunde, falls „temporäre Ersatzlösungen nicht realisierbar“ seien, ab dem dritten Kalendertag nach Eingang der Störungsmeldung „möglicherweise Anspruch auf Ausgleichszahlungen für den Zeitraum eines vollständigen Netzausfalls bei Internet und Telefonie“. Was laut Petendorf in den Kundenverträgen sowie im Telekommunikationsgesetz (TKG) geregelt sei. Die Höhe richte sich dabei nach der Dauer der Störung und bewege sich zwischen fünf Euro pro Tag oder zehn Prozent des Monatsentgelts und zehn Euro am Tag oder 20 Prozent des Monatsentgelts. Wobei die Ansprüche laut Petendorf bei „höherer Gewalt“ entfallen, was nach Einschätzung des Sprechers „in diesem Fall“ zu prüfen sei.
Im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen werden sich die TV-, Internet- und Telefonausfälle nach Angaben von Polizeisprecher Manuel Schlosser „bei der Schadenshöhe eventuell etwas auswirken“. Die Ermittlungen gegen die beiden „dringend tatverdächtigen“ jungen Frauen laufen „derzeit weiter“. Allerdings komme im Rahmen der Ermittlungen nun voraussichtlich als weiterer Vorwurf die „Störung von Telekommunikationsanlagen“ hinzu.