Kolbermoor – Meteorologisch hat das Frühjahr hierzulande den Durchbruch noch nicht ganz geschafft. Ganz anders dagegen die Sänger und Musikanten im Kolbermoorer Mareissaal. Ihnen merkte man deutlich an, dass sie schon richtig „Bock“ auf Musik und Gesang und ihre „Betriebstemperatur“ bereits erreicht hatten. Peter Maier lud zum 56. Mal in die Mangfallstadt ein und die zum Teil weit verstreuten Akteure kamen gerne, um die Hauptprofiteure des Abends, das Publikum, so richtig aufzuwecken.
Dafür sorgten schon zu Beginn die jungen „Oarkara“ aus der Mühldorfer Gegend. Das Blech mit vorzüglichem Ansatz, dazu Diatonische und Harfe mit unaufgeregter Durchsetzungskraft, das unterstrich den kernigen Charakter ihrer Darbietungen. Da hatten ihre Polkas und Märsche den richtigen Schwung.
Nicht selten im alpenständischen Liedgut ist ein Familiengesang zu Hause. Aus dem Rottal reiste der „Duschlhof Gsang“ an. Die Mutter mit ihrer Tochter und zwei Brüdern sangen ihre Lieder in ihrem niederbayerischen Dialekt und sorgten für Farbtupfer im Programm. Ungemein homogen und fein im Ausdruck erklangen da Lieder wie „Von Minga ins Rottoi“ oder „Auf da boarischn Grenz“.
Harfe, Klarinette, Geige, Diatonische und Tuba hatte die „Holzstreichmusi“ im Gepäck, das die jungen Musiker aus Miesbach bis Starnberg auf der Bühne auspackten. Die Zuhörer erlebten eine Musikgruppe voller Eleganz und Spielfreude. Die Walzer, Polkas und Boarische erhielten die Stücke ein mitreißend hörbares Klangbild.
Über Maria Gasteiger als Sprecherin des Abends dürfen deutliche Worte gesprochen werden. Als ehemalige Singschülerin brachte die bescheidene Moderatorin die richtige Seele für den Abend mit. Mit feinem Humor und großem Gespür für die heimische Natur und ihren jahreszeitlichen Farben hatten ihre angenehm kurzen aber dennoch kraftvoll gezeichneten Bilder eine prägende Wirkung im vollen Mareissaal.
Heide Hauser ist auch so eine eindringliche Malerin von kraftvollen Bildern – vor allem wenn die leidenschaftliche Dirigentin „ihren“ Singschulchor zu einem kaum abreißenden Klangerlebnis formt und die Texte mit Leben erfüllt werden. Die Lieder „Bist du net bei mir“ oder „Langsam kimmt d`Nacht daher“ stehen dafür Pate. Hohe Präsenz wird erreicht, wenn Schwung erforderlich ist. Wie beim Zusammenwirken mit dem „Duschlhof Gsang“ beim Wirtshauslied.
Gern gehörte Gäste sind auch die Musiker der „Mitterbergmusi“ mit ihrer Harfenistin „Susanne Dräxl-Sinhardt. Diatonische, Bass und Harfe fühlen sich wohl in ihren Aufgaben und ihre hohe Musikalität sorgen im Publikum lesbar für eine spürbare Begeisterung und 30 Jahre Beisammensein erzeugen dazu noch eine bestechende Unaufgeregtheit.
Der „Kolbermoorer Mannagsang“ steht bereits in seinem 60. Jubeljahr und darf als markante Institution nicht nur im Rahmen der Stadtsingschule Kolbermoor bezeichnet wahrgenommen werden. Die große Erfahrung und stimmliche Sicherheit bewies sich wieder einmal besonders bei diesem Frühjahrssingen. Obwohl kurzfristig etwas dezimiert, wackelten hier weder Lied noch Stimme. Sie hatten hauptsächlich „Liadl üba Dirndln“ mitgebracht und beschrieben in einer gekonnten Hinterkünftigkeit deren Eigenarten.
Sie ließen die „Chiemgauer Buam“ so richtig tanzen und erzählten und sangen ganz innig „s‘Dirndl is wunderschee“. Ihre Ehrfurcht nahm man ihnen allerdings nur teilweise ab.
Und dann stand da noch Peter Maier selbst mit seiner „Diam moi Musi“ auf dem Programmzettel. Seine Initiative vereinigt schon seit Langem eine musikalische Freundschaft und ein hochkarätiges Saitenspiel allererster Güte. Ziach, Bass, Gitarre und Zither vermitteln in den Landlern und Walzern eine Virtuosität und Spielfreude, die den Kompositionen eine rasante Erlebbarkeit aufstempeln.
Alle Musikgruppen rauften sich zum guten Ende äußerst produktiv zusammen und spielten gemeinsam unter großem Beifall eine begeisterte Zuschauerschar aus dem Saal, von denen wir alle nicht wissen, ob wir im kommenden Jahr wieder so schöne Volksmusik in ihm hören werden. Die Stadtsingschule feiert dann schon ihr 100-jähriges Bestehen und irgendetwas ist ihr in den vielen Jahren immer eingefallen, wenn Flexibilität gefragt war. js