Kolbermoor – „Er schaut noch gut oder zumindest ganz zufriedenstellend aus.“ So bewertete der scheidende Bürgermeister Peter Kloo (SPD) den Haushalt für das laufende Jahr 2026, den der Kolbermoorer Stadtrat am vergangenen Mittwoch bei nur einer Gegenstimme verabschiedet hat. Kloo sprach im Hinblick auf den letzten Haushalt seiner 24-jährigen Amtszeit von einem „hochspannenden Werk“, stimmte die Ratsmitglieder zugleich aber auf finanziell stürmischere Zeiten ein.
Rund 8,7 Millionen Euro
für Hochbaumaßnahmen
Die Vorzeichen für die kommenden Jahre stünden auf „magere Jahre“, so der Rathauschef, der aber „nicht schwarzmalen“ will: „Ich bin mir sicher, dass Kolbermoor auf einem soliden Fundament steht.“
Kämmerin Irmgard Pross-Kohlhofer, die mit ihrem zehnten Haushalt ein kleines Jubiläum feierte, präsentierte den Ratsmitgliedern das Zahlenwerk mit einem Gesamtvolumen von knapp 85,6 Millionen Euro, wobei der Verwaltungshaushalt rund 66,2 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt rund 19,4 Millionen Euro umfasst. Im vergangenen Jahr hatte Pross-Kohlhofers Ansatz noch bei 92,7 Millionen Euro gelegen. Nach dem vorläufigen Rechnungsergebnis, das bei knapp 92,6 Millionen Euro liegt, gibt es dabei nahezu eine Punktlandung.
Im mit rund 66,2 Millionen Euro angesetzten Verwaltungshaushalt ist auch heuer die Gewerbesteuer mit erwarteten 15 Millionen Euro die wichtigste Einnahmequelle, dicht gefolgt von der Einkommensteuer mit gut 14,9 Millionen Euro. Auf der Ausgabenseite schlägt die Kreisumlage, also die Zahlung, die die Stadt an den Landkreis Rosenheim zu leisten hat, mit gut 17 Millionen Euro am stärksten zu Buche. Zweiter Posten sind hier die Personalausgaben mit knapp 11,5 Millionen Euro, die im Vergleich zum Jahr 2025 um rund 500.000 Euro steigen könnten.
Mit fast 8,7 Millionen Euro bildet der Bereich „Hochbaumaßnahmen“ fast die Hälfte der Ausgaben des mit 19,4 Millionen Euro angesetzten Vermögenshaushalts. Auf der Einnahmenseite stehen hier als größter Posten Kreditaufnahmen in Höhe von fast acht Millionen Euro. Diese sollen, falls sie denn in Anspruch genommen werden, gemeinsam mit Entnahmen aus der Rücklage in Höhe von rund 6,3 Millionen Euro für die finanzielle Deckung sorgen.
Was AfD-Stadtrat Christian Demmel zur Frage veranlasste, wieso die Stadt die Kreditaufnahme nicht reduzieren, dafür mehr Geld aus den Rücklagen nehmen will, die sich laut Pross-Kohlhofer derzeit auf gut 26 Millionen Euro belaufen. So könnte die Stadt vielleicht „etwas einsparen“, wie Demmel im Hinblick auf die Kreditzinsen betonte. Was laut Kloo zwar „eine Überlegung“ wäre, aber: „Wir würden dann heuer zwar weniger Zinsen bezahlen. Aber keiner weiß, wie die Zinsen in den nächsten Jahren aussehen, wenn wir dann doch Kredite brauchen.“
Sollte die Stadt Kolbermoor im Laufe des Jahres die im Haushaltsplan angesetzten Kredite in Höhe von rund acht Millionen Euro in Anspruch nehmen, hätte dies deutliche Auswirkungen auf den Schuldenstand der Stadt. Im vergangenen Jahr lag dieser – die Schulden des Wasserwerks eingerechnet – bei rund 19 Millionen Euro. Zum Ende des laufenden Jahres stiege der Schuldenstand dann auf gut 25,7 Millionen Euro an.
Die überwiegende Mehrheit des Stadtrats zeigte sich mit dem Zahlenwerk zufrieden, was auch die Stellungnahmen aus den einzelnen Fraktionen bestätigten. So freute sich Leonhard Sedlbauer (CSU) darüber, „dass es schon auch gelungen ist, im Investitionsbereich Dinge zu spiegeln, die zu den freiwilligen Leistungen zählen“. Er sei überzeugt, dass die Stadt nicht so gut dastünde, „wenn nicht in den vergangenen Jahren schon so gut geplant worden wäre“.
Dieter Kannengießer (Parteifreie Kolbermoorer) lobte nicht nur den Haushaltsentwurf, sondern auch den scheidenden Bürgermeister, der „das 24 Jahre sehr besonnen“ geführt habe. „Er hat sich halt auch getraut, etwas zu investieren“, sagte Kannengießer. Auch Caroline Schwäger (Grüne) fand, „dass man sich auch mal was trauen sollte“, auch wenn sie selbst eher jemand sei, der sparsam handle. Sie mahnte an, „die Spargeschichte im Auge zu behalten“, da ihr die einleitenden Worte Kloos um die mageren Jahre „zu denken gegeben“ hätten.
Mit Zuversicht
trotz ungewisser Zeiten
Florian Spannagl (SPD) bewertete den Haushalt 2026 als Zahlenwerk „in guter Tradition – er zeigt, was wir leisten müssen und leisten können“. Auch wenn die Zeiten „ungewiss“ seien, sei er überzeugt, „dass Kolbermoor da auch in Zukunft gut aufgestellt sein wird“. Christian Demmel (AfD) bedankte sich bei den am Haushaltsentwurf beteiligten Personen für deren „Weitblick“ und stellte fest: „Im Vergleich zu anderen Kommunen steht Kolbermoor tatsächlich sehr solide da.“ Die finanzielle Zukunft der Stadt werde aus seiner Sicht aber „herausfordernd“, da seiner Einschätzung nach für die Kommunen „die Aufgaben noch steigen werden“.